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Erdbeben: Die Zahl der Opfer steigt

Gezeichnet vom stärksten Erdbeben der letzten 100 Jahre: Bewohner von Balakot, nahe Islamabad. Keystone

Das Erdbeben in Pakistan und Indien hat Zehntausende Opfer gefordert. Am stärksten betroffen ist der pakistanische Teil von Kaschmir.

Dieser Inhalt wurde am 09. Oktober 2005 - 12:23 publiziert

Die Schweiz hat drei Experten nach Islamabad geschickt. Sie klären die wichtigsten Bedürfnisse der Bevölkerung ab. Sieben weitere Fachleute sind unterwegs in die Katastrophen-Region.

Nach dem schweren Erdbeben in Pakistan zeichnet sich ein immer verheerenderes Ausmass der Katastrophe ab. Alleine in dem von Pakistan kontrollierten Teil Kaschmirs seien etwa 30'000 Menschen ums Leben gekommen, sagte der regionale Kommunikationsminister Tarik Faruk am Sonntag. Zudem sei das Schicksal Tausender Menschen noch unklar.

Der pakistanische Präsident Pervez Musharraf hat die internationale Gemeinschaft um Hilfe gebeten.

"Wir ersuchen um internationalen Beistand", zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Associated Press of Pakistan den Präsidenten. Es seien genügend Arbeitskräfte vorhanden, aber Pakistan benötige finanzielle Unterstützung, um auf die Tragödie reagieren zu können.

Dringend gebraucht würden auch Ärzte, Zelte und Transporthelikopter, um die von der Aussenwelt abgeschnittenen Menschen in den Unglücksregionen erreichen zu können. "Je grösser diese Helikopter sind, desto besser", sagte Musharraf.

Schwerstes Beben seit 100 Jahren

Das Beben hatte die Stärke von 7,6 und zerstörte am Samstag weite Landstriche im Norden Pakistans und Indiens. Es sei das schwerste Erdbeben der vergangenen 100 Jahre in der Region, sagte ein führender pakistanischer Meteorologe.

In den ersten 24 Stunden nach dem Hauptbeben hätten mindestens 20 Nachbeben der Stärke 5 bis 6 die pakistanische Katastrophenregion heimgesucht, hiess es.

Schwer zugängliche entlegene Gebiete

Ein Militärsprecher sagte, bisher sei es weder der Armee noch den Helfern gelungen, alle entlegenen Gebiete zu erreichen. Viele Dörfer und selbst kleine Städte seien regelrecht von der Landkarte verschwunden.

In der Stadt Muzafarabad in Kaschmir starben rund 500 Kinder, als sie unter dem Dach ihrer Schule begraben wurden. In der pakistanischen Hauptstadt Islamabad liefen unterdessen unter Hochdruck die Bemühungen weiter, Verschüttete unter den Trümmern eines zehnstöckigen Wohnhauses zu finden.

Im indischen Teil Kaschmirs stieg die Zahl der Toten auf mindestens 325. Nach Angaben der Behörden wurden im Bundesstaat Jammu und Kaschmir ausserdem rund 2000 Menschen verletzt.

Schweizer Experten vor Ort

Drei Schweizer Experten sind am Sonntagmorgen in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad angekommen. Dort sollen sie nach Angaben der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) mit den Behörden die wichtigsten Bedürfnisse der betroffenen Bevölkerung abklären.

Am Sonntagabend reiste dann ein zweites, siebenköpfiges Team von Zürich Richtung Pakistan ab, wo es am Montag erwartet wird. Es besteht aus einem Mediziner, einem Einsatzleiter sowie aus Wasser- und Bauspezialisten.

Wie DEZA-Vizedirektor Toni Frisch an einer Medienkonferenz auf der Rega-Basis in Zürich sagte, fällt dem Schweizer Hilfsteam vor Ort eine wichtige Koordinationsaufgabe zu. Zusammen mit der UNO werde man bei der Zuteilung der rund zwei Dutzend angekündigten Hilfsteams aus aller Welt mithelfen.

Denn die Schweiz sei das erste Land mit Hilfskräften vor Ort. Grösstes Problem sei der Zusammenbruch der Kommunikation und der Verkehrswege im Kriesengebiet. Man werde neben der UNO eng mit Nichtregierungs-Organisationen sowie dem Roten Kreuz und Roten Halbmond zusammenarbeiten.

Die DEZA hat in Islamabad ein Koordinationsbüro.

Aufklärungsmission

Die drei Experten vor Ort nehmen zusammen mit vier UNO-Spezialisten an einer Aufklärungsmission des UNO-Büros für Katastrophen-Koordination (UNDAC) teil. Die DEZA stockte ihre Soforthilfe angesichts des Ausmasses der Katastrophe auf 1 Mio. Franken auf, nachdem zunächst 200'000 Franken freigegeben worden waren.

Gemäss DEZA-Sprecher Andreas Stauffer liegen die Katastrophengebiete vor allem im ländlichen Raum, wo ein direkter Schweizer Einsatz zu aufwendig wäre. Die lokalen Flughäfen funktionierten, die Behörden könnten die Hilfe wohl selbst gewährleisten.

Vorderhand gehe es vor allem um Überlebenshilfe, sagte Toni Frisch am Sonntag-Abend weiter. Die pakistanischen Behörden hätten klar gemacht, dass keine Hilfsteams mit schwerem Rettungsgerät notwendig seien. Das hängt laut Frisch damit zusammen, dass die meisten Opfer in kleinen Dörfern und Städten zu beklagen seien, mit einfachen, kleinen Bauten.

Hilfsmaterial-Angebot

Zudem hat die Schweiz Pakistan vorgeschlagen, Hilfsmaterial bereit zu stellen, das teils vor Ort gekauft werden soll, teils aus der Schweiz kommt. "Wir haben bereits 40 Tonnen Nothilfe bereitgestellt", sagte DEZA-Sprecher Jutzi.

Es mangle Pakistan vor allem an Zelten, Decken, Schlafsäcken und Küchenmaterial. Das Material könne am Dienstag nach Pakistan geflogen werden, so Jutzi - "falls die pakistanischen Behörden dies verlangen". Für Indien, das auch vom Erdbebeben betroffen ist, sieht die Schweiz keine Nothilfe vor.

Hilfswerke werden aktiv

Das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen der Schweiz (HEKS) hatte ebenfalls mitgeteilt, der Zugang zu den betroffenen Gebieten sei für Nichtregierungsorganisationen auch wegen der politischen Lage in der Region kaum möglich. Das HEKS führe deshalb Abklärungen über den indischen Nothilfe-Partner CASA durch.

Caritas Schweiz setzte 150'000 Franken für die Nothilfe in dem Erdbebengebiet frei. Die lokalen Partner der Caritas in Pakistan und Indien hätten bereits erste Notunterkünfte eingerichtet, teilte Caritas mit.

Auch das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) beschloss Soforthilfe im Betrag von über einer halben Million Franken, davon je rund die Hälfte für die Opfer des Erdbebens im Norden Pakistans und im Nordwesten Indiens und für die Opfer des Wirbelsturms in El Salvador und Honduras.

Die Glückskette stellt für Hilfsaktionen zu Gunsten des schweren Erdbebens in Kaschmir 100'000 Franken zur Verfügung. Sie hat ihr Postkonto 10-15000-6 für Spenden mit dem Vermerk "Kaschmir" geöffnet.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Das Drama im Nordosten des indischen Subkontinents überrascht die Spezialisten nicht. In dieser Region schiebt sich die kontinentale Indische Platte nach Norden, wo sie auf die Eurasische Platte trifft. Diese Bewegung ist auch für die Entstehung des Himalaya-Gebirges verantwortlich.

Erdbeben treten dort seit Menschengedenken auf. Eines der stärksten ereignete sich am 31. Mai 1935. Ein Beben mit der Stärke 6 auf der Richterskala zerstörte Quetta im Westen Pakistans. 30'000 bis 60'000 Menschen kamen damals ums Leben.

Das Beben vom Samstag war noch stärker: Es erreichte die Stärke 7,6.

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