Erfolgreicher Kampf gegen Wasserverschmutzung

Die Abwässer werden gereinigt, bevor sie in den natürlichen Wasserkreislauf gelangen. www.sensetal.ch

Dank einer aktiven Politik und neuen Klärwerken konnte die Verschmutzung von Seen und Flüssen in den letzten Jahrzehnten entscheidend verbessert werden.

Dieser Inhalt wurde am 21. März 2003 - 18:42 publiziert

Doch heute gibt es neue Risken: Wegen der Belastung durch Medikamentenreste und Pestizide.

Das Wasser der Schweizer Seen und Flüsse war nicht immer so klar und rein wie heute. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab es zahlreiche und teilweise schwere Fälle von Wasserverschmutzung.

Um die Bevölkerung zu schützen, musste in gewissen touristischen Gegenden sogar das Baden verboten werden. Häufig waren die Verbote eigentlich überflüssig. Denn das schmutzige Wasser, auf dem allerlei unappetitliche Dinge herumschwammen, lud sowieso nicht zum Baden ein.

Grund für diese Situation waren vor allem die Abwässer von Privathaushaltungen und Industrie. Dieses Wasser gelangte ungefiltert in Flüsse und Seen.

Milliarden für Kläranlagen

Zur Verbesserung der Situation gab es nur ein einziges Mittel: die Abwässer mussten gereinigt werden, bevor sie in den natürlichen Wasserkreislauf gelangten. Um dieses Ziel zu erreichen, hat die Schweiz in den vergangenen Jahrzehnten einige Milliarden Franken investiert.

Heute ist praktisch das gesamte Land an die Kanalisation angeschlossen. Hunderte von Kläranlagen reinigen die Abwässer und filtern so die schädlichen Substanzen heraus.

Trotz des Anstiegs der Wohnbevölkerung, wachsender städtischer Agglomerationen und der Zunahme von Haushaltungen können die Schweizer Seen und Flüsse heute als sauber bezeichnet werden. Auch die Trinkwasserqualität ist gut, oft sogar ausgezeichnet.

Arznei und Pestizide als neue Gefahren

Aber auch dem Leistungsvermögen von Kläranlagen sind Grenzen gesetzt. "Sie können beispielsweise Reste bestimmter Medikamente nicht herausfiltern", sagt Edwin Müller, Chef der Abteilung für Wasserhygiene beim Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (Buwal). "Deshalb klären wir momentan ab, welche Folgen die Präsenz dieser Stoffe im Wasser für den Mensch und die Natur haben könnte."

Doch wie gelangen die Arzneimittel ins Abwasser? Teilweise handelt es sich um Bestandteile von Salben und Cremes, die beispielsweise über den Ablauf von Duschen ins Klärwasser kommen. Durch das WC werden Medikamentenreste ins Wassernetz eingeleitet, die zuvor durch den menschlichen Organismus nicht vollständig absorbiert wurden.

"Wir können heute auch Minimal-Verschmutzungen nachweisen. So sind wir auf die Präsenz einiger Anti-Rheuma-Mittel im Wasser gestossen", erklärt Buwal-Chemiker Müller. "Wir wissen nur noch nicht, ob diese Mittel in diesen minimalen Quantitäten eine echte Gefahr für Umwelt und Mensch darstellen."

Wie Medikamentenreste können auch bestimmte Industrieabwässer nicht restlos durch Kläranlagen gereinigt werden können. Auch Pestizide (Pflanzenschutzmittel) sickern durch die Böden ins Grundwasser, wo sie in sehr geringen Konzentrationen nachweisbar sind.

Renaturierung der Gewässer

In der Bewirtschaftung der Wasserressourcen hat sich die Schweiz seit kurzem noch ein zusätzliches Ziel gesteckt. Die Flussläufe sollen renaturiert werden. Flüsse und Bäche, die während der vergangenen Jahrhunderte begradigt oder kanalisiert wurden, sollten sich erneut in einem natürlicheren Flussbett entfalten können.

Im Moment gibt es laut Buwal noch keinerlei globale Planung für diese Vorhaben; die Projekte werden ad hoc und lokal angegangen. Zumal in vielen Fällen kein Terrain mehr vorhanden ist, das man den Flussläufen zurückgeben kann. Andererseits würde die Renaturierung in einigen Fällen sehr teuer zu stehen kommen.

Für eine Renaturierung der Flüsse sprechen viele Gründe. Die Anerkennung eines ökologischen Gleichgewichts, mehr Sicherheit bei Wasserhochlauf sowie ein gewisser selbstreinigender Effekt.

swissinfo, Fabio Mariani

Fakten

95% der Haushaltungen in der Schweiz sind an Kläranlagen angeschlossen, in Europa beträgt der Anteil 60%, in den USA 70%

Die Schweiz nutzt 5% der eigenen Wasserkraftressourcen

Die EU-Länder nutzen mehr als 11%, die USA fast 20%

Der Wasserkonsum pro Einwohner in der Schweiz beträgt weniger als 400 Kubikmeter im Jahr

In Europa übersteigt er 900 Kubikmeter, in den USA sogar 1800 Kubikmeter

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In Kürze

In den letzten 20 bis 30 Jahren hat die Schweiz enorme Fortschritte in Bezug auf die Abwasser-Reinigung gemacht. Es wurde ein Netz von Klärwerken geschaffen, an dem praktisch sämtliche Dörfer und Städte angeschlossen sind.

Bei jüngsten Messungen hat man jedoch neue Formen der Wasserverschmutzung festgestellt. Es handelt sich um Restmengen von Medikamenten, die von den Kläranlagen nicht heraus gefiltert werden können.

Die Erforschung dieser neuen Formen der Wasserverschmutzung sowie die Renaturierung vieler Flussläufe bilden heute zwei Schwerpunkte der nationalen Gewässerschutzpolitik.

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