Experte: Flughafen München nur knapp an Katastrophe vorbei
Der Flughafen München ist laut einem Experten beim fehlerhaften Start eines Boeing-Passagierjets am Samstag nur haarscharf einer Katastrophe entgangen. "Das hätte einen Feuerball mit hunderten Todesopfern geben können", sagte Luftfahrt-Experte Heinrich Grossbongardt.
(Keystone-SDA) Auch ausserhalb des Flughafengeländes seien Menschen in Gefahr gewesen, wenn die Piloten die Maschine nicht noch hochgezogen hätten, sagte Grossbongardt der Nachrichtenagentur DPA am Montag.
Die Boeing 787 der Vietnam Airlines war am Samstagnachmittag erst hinter dem Ende der Südbahn abgehoben. Videos vom Start zeigen mächtige Staubwolken und Erschütterungen in der Kabine. Nach Informationen der Plattform «Aviation Herald» blockierten zudem vor dem Start mindestens die Bremsen auf der rechten Seite des Jets.
Wegen der geringen Startgeschwindigkeit setzte das Heck des Flugzeugs auf und wurde schwer beschädigt. Bei der späteren Rückkehrlandung auf der Nordbahn wurden zudem die Reifen des Hauptfahrwerks zerfetzt. Die Passagiere sind laut Flughafen unverletzt mit Bussen in das Flughafengebäude gebracht worden.
Start nicht abgebrochen
Den genauen Hergang des Unfalls müsse nun die deutsche Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung klären, sagte Grossbongardt. Mit Hilfe der Flugdatenschreiber und Voicerecorder müsse geklärt werden, was sich im Cockpit abgespielt hat. Das werde Monate dauern.
Zum Beispiel stelle sich die Frage, warum die Crew den Start nicht rechtzeitig abgebrochen habe. Die Münchner Piste enthalte dafür mit 4000 Meter Länge eigentlich ausreichend Sicherheitsreserven.
Für grundsätzliche Zweifel an der Dreamliner-Reihe des US-Herstellers Boeing gebe der Vorfall keinen Anlass, sagt der Experte, der bis 2004 Deutschland-Sprecher des Unternehmens war. «Die 787 ist ein absolut sicheres Verkehrsflugzeug.» Zuletzt war ein Lufthansa-Jet dieses Typs am Frankfurter Flughafen auf die Nase gefallen, weil im Stand das Bug-Fahrwerk eingeknickt war. Grund war hier ein Wartungsfehler.