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Feuer unmittelbar vor Eifel-Ort – 1.800 Bewohner evakuiert

Keystone-SDA

Ein Grossbrand in dem mit Weltkriegsmunition belasteten Hürtgenwald im Westen Deutschlands hält die Feuerwehr im Dauereinsatz und hat eine ganze Gemeinde in Alarmzustand versetzt.

(Keystone-SDA) Alle Bewohner des Ortsteils Hürtgenwald-Gey hätten ihre Häuser und Wohnungen verlassen, teilte eine Sprecherin des Kreises Düren mit – zu dem Landkreis gehört die betroffene Gemeinde in der Nordeifel nahe der belgischen Grenze. In Gey leben rund 1.800 Menschen.

In der Nacht war das Feuer nach Angaben einer Polizeisprecherin zunächst noch etwa 500 Meter von der Ortschaft entfernt gewesen. Nachdem sich der Wind gedreht hatte, frass es sich immer näher zu der Siedlung vor und machte demnach die Evakuierung unausweichlich. Die Ursache des Waldbrandes, der bereits mehrere Hundert Hektar Wald zerstört hat, ist bislang unbekannt.

Die Uhr tickt

Die nächsten Stunden gelten als entscheidend für den Erfolg der schwierigen Brandbekämpfung. Im Landwirtschaftsministerium des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen lief am Vormittag nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Düsseldorf eine Krisensitzung mit Fachleuten.

Aufgrund der akuten Trockenheit kommt es derzeit an mehreren Orten in Nordrhein-Westfalen zu Waldbränden. Die Minister für Inneres und für Landwirtschaft, Herbert Reul und Silke Gorissen, appellierten eindringlich an die Bevölkerung, Wälder derzeit nicht zu betreten. «Brände können sich rasant schnell ausbreiten und Fluchtwege abschneiden», mahnten sie.

«Wenn wir in Gey gelöscht haben, kommt es auf die nächsten Stunden an, ob wir die Hauptglutnester erkennen und auch ablöschen können», sagte der Dürener Landrat Ralf Nolten der dpa. Im Laufe des Nachmittags sei wegen der steigenden Temperaturen mit einer Thermik zu rechnen, die die Feuer wieder anfachen könne. «Die Zeit bis Mittag ist für uns die entscheidende», betonte der oberste Verwaltungsbeamte des Landkreises.

Feuerwand rollt auf Ortschaft zu

Die Evakuierung in Gey ist nach seinen Schilderungen reibungslos verlaufen: «Wenn Sie die Feuerwand gesehen haben – die Bäume haben ja schon ihre Höhe und dann brennt es noch mal ein paar Meter über der Krone – wenn Sie das gesehen haben, dann gehen Sie schon und fangen nicht an zu diskutieren.» Hürtgenwalds Bürgermeister Stephan Cranen äusserte die Hoffnung, dass die Menschen aus dem benachbarten Ortsteil Grosshau nicht auch evakuiert werden müssen.

Im Laufe des Einsatzes bekamen die örtlichen Brandbekämpfer zunehmend Unterstützung durch Hubschrauber aus anderen Bundesländern und auch von Deutschlands Militär, der Bundeswehr. Letztere schickte am Vormittag zwei Löschhubschrauber aus Niedersachsen zum Hürtgenwald, wie eine Sprecherin des deutschen Verteidigungsministeriums mitteilte.

Die Transporthubschrauber sind mit einem sogenannten Bambi Bucket bestückt, einem faltbaren Löschwasser-Aussenlastbehälter für Hubschrauber. Mit jedem einzelnen Flug können damit 2000 Liter Löschwasser abgelassen werden. Zuvor war die Bundeswehr bereits mit zwei Panzern vor Ort, um Schneisen in den Wald zu schlagen.

Zudem seien vier Wasserwerfer mit je zehntausend Litern Fassungsvermögen auf dem Weg zum Einsatzort, teilte das Polizeipräsidium Köln am Vormittag mit. Hürtgenwald liegt im Westen Nordrhein-Westfalens nahe der belgischen Grenze und hat knapp 9.000 Einwohner.

Weltkriegsmunition macht den Einsatz hochgefährlich

Die Löscharbeiten werden durch Weltkriegsmunition auf dem Gelände erschwert. «Das Gelände ist doch sehr schwierig, und durch die hohe Munitionsbelastung können wir auch keine einzelnen Feuerwehrleute mit Löschrucksäcken reinschicken», sagte Landrat Nolten. Im Laufe der Nacht sei auf dem Brandgelände bereits Munition hochgegangen.

Der Hürtgenwald war 1944 und 1945 Schauplatz schwerer Kämpfe zwischen deutschen und US-amerikanischen Truppen. Bis heute werden in der Region Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden.

Wegen starker Rauchentwicklung und Ascheregens mussten am Vormittag zwei Notunterkünfte für betroffene Anwohner geräumt und verlegt werden. Verletzte wurden bislang nicht gemeldet.

Verkehr beeinträchtigt

Der Waldbrand sorgte auch für Einschränkungen im Verkehr: Die Ausfahrten Düren und Langerwehe mussten gesperrt werden, um sie als Rettungszufahrten für die Einsatzkräfte nutzen zu können. Für Verkehrs- und Absperrmassnahmen stehen laut Kölner Präsidium zwei Hundertschaften der Bereitschaftspolizei zur Verfügung.

«Schaulustige werden aufgefordert, das Brandgebiet zu verlassen und grossräumig zu meiden», appellierte die Behörde an die Bürgerinnen und Bürger.

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