BIZ warnt vor Gefahren auf den Finanzmärkten
Trotz Überwindung der Finanzkrisen und bester Konjunkturaussichten seit 20 Jahren warnen die Notenbanken vor Euphorie und Sorglosigkeit. In Basel hat am Montag (05.06.) die BIZ-Generalversammlung begonnen.
Auf dem Wachstumspfad der Weltwirtschaft erblicken sie verschiedene Stolpersteine, hiess es laut einer Erklärung zu Beginn der Tagung.Ungewohnt hohe Unsicherheit erblicken die Notenbanker auf den Finanzmärkten.
Die in der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ)zusammengeschlossenen Zentralbanken aus aller Welt könnten eigentlich rundum zufrieden sein. Die Weltwirtschaft befindet sich in einer wesentlich besseren Lage, als viele noch vor einem Jahr erwartet hatten. Fast alle Regionen der Welt melden deutliche Fortschritte, die Inflation scheint überwunden, und die Bewältigung der Finanzkrisen in Asien, Russland und Brasilien wird von der BIZ «schlicht als bemerkenswert» eingestuft.
Trotz einer unerwartet positiven Entwicklung der Weltwirtschaft und der überraschend schnellen Bewältigung der Finanzkrisen dominierten an der 70. Generalversammlung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) die mahnenden Töne.
Ungewohnt hohe Unsicherheit erblicken die Notenbanker auf den Finanzmärkten. BIZ-Generaldirektor Andrew Crockett machte vor den Medien darauf aufmerksam, dass die Entwicklung auf den weltweiten Aktienmärkten nicht mit den ökonomischen Grunddaten übereinstimme.
Die im historischen Vergleich hohen Bewertungen der wichtigsten Aktienmärkte brächten fraglos das Risiko einer abrupten marktweiten Korrektur. Der Hochtechnologiebereich dürfte besonders anfällig sein, aber auch in den übrigen Wirtschaftszweigen seien die Bewertungen im langfristigen Vergleich hoch. Auch der US-Dollar scheine stärker zu sein, als es mit der Stabilisierung der längerfristigen Auslandsverschuldungsquoten vereinbar sei.
Die Möglichkeit einer gleichzeitigen Korrektur an beiden Märkten dürfte grösser sein, als es historische Vergleiche vermuten liessen, schreibt Crockett im gleichzeitig veröffentlichten BIZ-Jahresbericht.
«Ironischerweise birgt selbst ein wohl begründeter Optimismus die heimtückische Tendenz, sich ins Übermass zu kehren», mahnte Crockett. Und BIZ-Präsident Urban Bäckström, der auch die schwedische Notenbank präsidiert, sagte vor den Notenbankern aus aller Welt: «Es ist keineswegs sicher, dass es zu einer weichen Landung kommt.»
Sorge bereiten den Zentralbankgouverneuren neben den Preisen der Vermögenswerte die aussenwirtschaftlichen Ungleichgewichte. Klar ist für die BIZ zudem, dass das Wachstumstempo in den USA nicht aufrecht erhalten werden kann und möglicherweise inflationäre Tendenzen haben wird.
Als auffallendstes Ungleichgewicht bezeichnet Crockett im Jahresbericht den beispiellosen Kontrast zwischen dem Rekordhoch der privaten Sparquote in Japan und dem Rekordtief dieser Quote in den USA.
Kritik an einseitiger Ausrichtung auf Shareholder Value
Zwar schliesst die BIZ einen anhaltenden Aufschwung in einer stärker von den Märkten bestimmten Weltwirtschaft keineswegs aus. Sie macht aber zugleich auf mehrere Stolpersteine aufmerksam. Dazu gehören neben der Möglichkeit eines Inflationsanstiegs vor allem die Gefahren auf den Finanzmärkten, die sich laut Crockett als unheilvoll erweisen könnten. Wie schon im letztjährigen Jahresbericht macht die BIZ dabei erneut Vorbehalte zum blinden Vertrauen in die Marktkräfte. Das unermüdliche Streben nach Shareholder Value könne sich für die Finanzinstitute als sehrgefährliche Strategie erweisen, heisst es im Jahresbericht.
Appell zur Fairness
Und in den wirtschaftspolitischen Empfehlungen an die Entscheidungsträger steht die Einsicht im Vordergrund, dass Effizienz nicht alles sei. Fairness müsse ebenfalls berücksichtigt werden. Daher müssten Fragen der Einkommensverteilung, des Schuldennachlasses und der protektionistischen Massnahmen der Industrieländer insbesondere gegenüber Importen von Agrarerzeugnissen und Textilien aus den aufstrebenden Volkswirtschaften wirksamer angegangen werden. Auf den Finanzmärkten müssten Sicherheits- und Stabilitätserwägungen vor das Streben nach Effizienz gestellt werden.
Wahrung der Preisstabilität als unverändertes Ziel
Vor allem den europäischen Ländern empfiehlt die BIZ, sich weiter um Reformen auf dem Arbeitsmarkt, um Privatisierung und um Deregulierung sowie um eine umsichtige Haushaltspolitik zu kümmern. Den besten Beitrag, den die Notenbanken selber zur Sicherung eines anhaltenden Wohlstands leisten können, liegt nach Darstellung der BIZ nach wie vor in der Wahrung der Preisstabilität.
swissinfo und Agenturen
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