Die Schweiz und ihre Banken
Liebe Leserin, lieber Leser
Seit einiger Zeit findet ein Ringen hinter den Kulissen statt: Die Schweiz will höhere Eigenkapitalvorschriften für ihre Banken einführen; dies, nachdem die Grossbank Credit Suisse im Frühling 2023 spektakulär zusammenbrach.
Seither gibt es im Banken-Vorzeigeland mit der UBS eine einzige Mega-Bank und eine Menge kleinere. Es gibt wenig Einigkeit darüber, ob das für die Schweiz ein Systemrisiko ist. Klar scheint jedoch, dass der Bankenplatz einen zweiten Kollaps dieser Grössenordnung nicht verkraften würde.
Dies ist einer der Gründe für die neuen Eigenkapitalvorschriften. Die UBS hingegen droht in regelmässigen Abständen mit einem Wegzug, sollten die Vorschriften «extrem» ausfallen. Diese Drohung scheinen die meisten vor allem als Teil der Verhandlungsstrategie zu betrachten und wenig ernst zu nehmen.
Und was wäre, wenn sie tatsächlich ginge? Das kann man kaum vorhersehen. Aber ein Blick in die Statistiken ist trotzdem hilfreich: Der Finanzsektor hat in der Schweiz einen Anteil am BIP von 9% – damit liegt die Schweiz etwa gleichauf mit dem Vereinigten Königreich (8,6%) oder den USA (7,8%), aber deutlich hinter Singapur (13,5%) oder Luxemburg (23,5%).
Das Interessante daran ist, dass die Wichtigkeit der Branche für die gesamte Wirtschaftsleistung des Landes über die Jahre abgenommen hat. Die Schweiz gehört heute zu den 20 grössten Volkswirtschaften der Welt, ihre Wirtschaftsstruktur ist diversifiziert.
Dennoch wird sie als Bankenland wahrgenommen, ausländische Medien berichten häufig und gerne darüber. Das hat viel mit dem Bild der Schweiz im Ausland zu tun, das sich nur langsam ändert. (Und wohl auch mit dem Bankengesetz, das kritischen Journalismus dazu teilweise unter Strafe stellt.)
Umso wichtiger ist es, dieses Bild so präzise wie möglich zu zeichnen. Und da kann man etwa bei der Definition des Finanzsektors ansetzen: Wussten Sie zum Beispiel, dass dieser auch die Versicherungsbranche umfasst? Die generiert heute fast gleich viel Wertschöpfung wie die Banken.
Allerdings droht sie kaum mit einem Wegzug und sorgt auch sonst selten für Schlagzeilen. Aber wer weiss: Vielleicht ändert sich das eines Tages.
Ist für Sie die Schweiz auch das Bankenland par excellence? Sie können mir wie immer direkt schreiben an giannis.mavris@swissinfo.ch
Mit freundlichen Grüssen,
Giannis Mavris
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