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Bundesrat Couchepin kritisiert ADtranz-Management

In der Schweiz hat sich die Kritik am deutschen Bahntechnikkonzern Adtranz am Dienstag (16.11) verstärkt. Wirtschaftsminister Couchepin warf den deutschen Managern schlechtes Benehmen vor. SBB-Chef Weibel übte ebenfalls Kritik.

Vier Tage nach dem Entscheid zur Produktionsaufgabe in der Schweiz hat sich die Kritik am deutschen Bahntechnikkonzern Adtranz am Dienstag (16.11) verstärkt. Wirtschaftsminister Couchepin warf den deutschen Managern schlechtes Benehmen vor. SBB-Chef Weibel bezeichnete das Vorgehen von Adtranz als untolerierbar.

Nach heftigen Protesten und Streikdrohungen der Gewerkschaften wollen sich offenbar auch die Schweizer Behörden aktiver in den Kampf um die Erhaltung von Arbeitsplätzen an den beiden Adtranz-Produktionsstandorten Pratteln (BL) und Zürich-Oerlikon einschalten. Bundesrat Pascal Couchepin geisselte das Vorgehen des zu DaimlerChrysler gehörenden Konzerns mit ungewöhnlich scharfen Worten. Von aussen betrachtet hätten sich die Verantwortlichen von Adtranz «schlecht benommen», sagte er am Abend im Deutschschweizer Fernsehen. Liberale Marktwirtschaft verlange auch ethische Verantwortung, fügte der Wirtschaftsminister hinzu. Er will das weitere Vorgehen nun mit der Baselbieter Regierung besprechen, die sich schon am Montag mit der Adtranz-Belegschaft in Pratteln solidarisiert hatte. Auch die Regierung des anderen Basler Halbkantons kritisierte unterdessen Adtranz.

Nach anfänglicher Zurückhaltung hieben am Dienstag zudem die Regierungen von Stadt und Kanton Zürich in die gleiche Kerbe. An einer gemeinsamen Pressekonferenz kündigten sie die Einsetzung einer Task Force an und verlangten ein Gespräch mit Adtranz-Konzernchef Rolf Eckrodt. Erstes Ziel sei, mit Adtranz um die Weiterführung des Betriebs zu kämpfen. In zweiter Linie werde nach einer anderen Lösung gesucht. Die Wirtschaftsförderer von Stadt und Kanton seien derzeit daran, das Potenzial des Werkplatzes Oerlikon einzuschätzen und aktiv nach möglichen Investoren und interessierten Unternehmen zu suchen. Erste Interessensbekundungen lägen vor.

SBB-Konzernchef Benedikt Weibel kündigte die Mitarbeit der Bahn im Baselbieter Sonderstab an, um Druck auf Adtranz zu machen. Vom Schliessungsentscheid zeigte sich Weibel «erschreckt», das Vorgehen sei im Stil untolerierbar.

Ein Treffen mit Eckrodt forderten zuvor schon Gewerkschaften und Personalvertretungen, die auch rechtliche Schritte prüfen. Am kommenden Samstag sind in Zürich weitere Protestaktionen geplant.

SRI und Agenturen

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