Cablecom wird amerikanisch
Der gerade erst angekündete Börsengang des Kabelnetz-Betreibers fällt ins Wasser: Ein US-Konzern will Cablecom für 2,825 Mrd. Franken übernehmen.
Liberty Global mit Sitz in Denver ist an Breitband- und Content-Unternehmen in Europa, Asien und Amerika beteiligt.
Nur einen Tag nachdem der grösste Schweizer Kabelnetzbetreiber seinen Börsengang für den 13. Oktober angekündigt hat, wird er wieder abgeblasen. Diese Aussage eines Liberty-Sprechers bestätigte der Sprecher der Schweizer Börse SWX, Werner Vogt.
In der Nacht sei eine ausserordentliche Sitzung der Cablecom-Besitzer einberufen worden, um über das Angebot aus den Vereinigten Staaten zu befinden, teilte Cablecom in einer Mitteilung mit. Offenbar hat der angebotene Kaufpreis von 56,22 Franken pro Aktie überzeugt.
«Tribut an die Angestellten»
«Diese Transaktion repräsentiert den Höhepunkt eines riesigen Turnarounds der Firma in nur vier Jahren», sagte Cablecom-Chef Bruno Claude. «Sie ist ein Tribut an unsere Angestellten.» Damit werde die Stellung als Nummer 2 im Schweiz Telekom-Markt gestärkt.
Liberty-Präsident und -Konzernchef Mike Fries erklärte, Cablecom passe perfekt in die Expansionspläne des Konzerns und betreibe ein erstklassiges Geschäft. Der US-Konzern mit Sitz in Denver im Bundesstaat Colorado versorgt weltweit über 23 Mio. Haushalte mit Fernsehen, Internet oder Telefon.
Liberty weist in der eigenen Mitteilung darauf hin, dass der ausgehandelte Kaufpreis von 2,825 Mrd. Franken unter dem Wert der mit dem Börsengang ins Auge gefassten Börsenkapitalisierung liege.
35’175 Namenaktien
Diese wäre bei der vorgesehenen Preisspanne pro Aktie von 57 bis 70 Franken bei 2,9 bis 3,5 Mrd. Franken gelegen. Frisches Geld hätte der Konzern durch die Transaktion nicht erhalten. Das Unternehmen hatte 35,175 Mio. Namenaktien der bisherigen Aktionäre zur Zeichnung anbieten wollen.
Derzeit halten die drei Beteiligungsgesellschaften zusammen einen Mehrheitsanteil von 53% an Cablecom. Das restliche Kapital werde von verschiedenen Banken gehalten.
Konkurrenz zur Swisscom
Cablecom befindet sich derzeit auf Expansionskurs im hart umkämpften Telekommunikations-Markt der Schweiz. Das Unternehmen machte insbesondere von sich reden, als es Telefon-Dienste via Kabelnetz einführte.
Damit hatten Konsumentinnen und Konsumenten in der Schweiz erstmals eine Alternative zum teureren Angebot der Ex-Monopolistin Swisscom.
swissinfo und Agenturen
Liberty Global versorgt rund 23,5 Mio. Haushalte mit Breitband-Dienstleistungen.
Über 10 Mio. davon sind Video-Abonnenten, 2,5 Mio. Breitband-Internet-Bezüger und 1,7 Mio. Menschen telefonieren via Liberty.
Liberty Global hat seinen Hauptsitz in Denver, Colorado, und beschäftigte Ende 2004 ungefähr 11’800 Angestellte.
Mit ihren Beteiligungen und Tochter-Gesellschaften ist die Firma ausserhalb der Vereinigten Staaten der grösste Breitband-Kabelanbieter mit am meisten Abonnenten.
Liberty ist in 13 europäischen Ländern präsent: Österreich, Belgien, Frankreich, Ungarn, Belgien, Irland, Tschechien, Slowakei, Niederlande, Rumänien, Slowenien, Norwegen und Schweden.
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