Deutschland: Wichtigstes Lieferland der Schweiz
Die Schweizer Exportwirtschaft hat letztes Jahr in Deutschland, ihrem wichtigsten Absatzgebiet, Marktanteile verloren. Das Handelsvolumen zwischen den beiden Ländern erreichte eine neue Höchstmarke.
Das Handelsvolumen zwischen der Schweiz (mit Liechtenstein) und Deutschland stieg um 7,6 Prozent auf 68,3 Mrd. Franken. Damit sei erneut ein Rekord erreicht worden, sagte Martin Theurer, Direktor der Handelskammer Deutschland-Schweiz am Donnerstag (05.04) vor den Medien in Zürich.
Während Deutschland die Importe auf dem Weltmarkt um insgesamt 21,6 Prozent steigerte, legten die Einfuhren aus der Schweiz nach deutschen Berechnungen um 9,9 Prozent zu. Gemäss Schweizer Zahlen wuchsen sie nur um 5,7 Prozent. Die Schweiz exportierte Waren im Wert von 28,142 Mrd. Franken nach Deutschland.
Der Marktanteil der Schweizer Unternehmen an den deutschen Importen ging von 3,85 Prozent auf 3,5 Prozent zurück. Die Schweiz exportierte erneut mehr Zulieferprodukte und Investitionsgüter. Die Abnehmer waren vorab die Automobil- und die Maschinenindustrie.
Auch Importe aus Deutschland gebremst
Umgekehrt konnten auch die deutschen Exporteure nicht mit der Steigerung der Schweizer Einkäufe auf dem Weltmarkt mithalten. Während die Schweiz ihr Importvolumen um 13,4 Prozent erhöhte, steigen die Einfuhren aus Deutschland um 8,9 Prozent auf 40,135 Mrd. Franken.
Der Marktanteil deutscher Unternehmen ging von 32,5 Prozent auf 31,2 Prozent zurück. Dennoch bleibt Deutschland das wichtigste Importland für die Schweiz. Das Volumen ist laut Theurer drei Mal so gross wie jenes aus Frankreich, dem zweitwichtigsten Importland für die Schweiz.
Handelsbilanzdefizit ausgeweitet
Das Handelsbilanzdefizit zu Lasten der Schweiz stieg letztes Jahr auf 12 Mrd. Franken nach 10,3 Mrd. Franken im Vorjahr. Damit wurde fast wieder das Niveau von 1990 erreicht. Nach einem Tiefstand von 8,1 Mrd. Franken im Jahr 1996 weitete sich das Defizit Jahr für Jahr aus.
Bei der Leistungsbilanz, die in den letzten neun Jahren jeweils zu Ungunsten Deutschlands ausgefallen war, deutet laut Theurer alles auf eine Wende hin. Deutschland dürfte im Jahr 2000 wieder einen deutlichen Überschuss in Höhe von über 4 Mrd. Mark erzielt haben. Gesicherte Zahlen liegen aber noch nicht vor.
Deutscher Tourismus profitiert
Als «erstaunlich» bezeichnete Theurer die Entwicklung beim Tourismus. Die Ausgaben deutscher Reisender in der Schweiz stiegen im Jahr 2000 um 8,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Absolute Zahlen lagen nicht vor.
Umgekehrt gaben Schweizer in Deutschland sogar 14,6 Prozent mehr aus als im Jahr davor. Dies belege die Stellung der Schweiz als wichtigstes Herkunftsland für den deutschen Fremdenverkehr, sagte Theurer.
swissinfo und Agenturen
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