Ein Stück Schweizer Wirtschafts- Geschichte: Die Studer- Revox- Story
Die Geschichte der Schweizer Wirtschaft ist geprägt von eigenwilligen aber innovativen Unternehmer- Persönlichkeiten. Sie drücken einer Epoche ihren Stempel auf. Was aber wenn ihre Zeit abläuft?
Die Geschichte der Schweizer Wirtschaft ist geprägt von eigenwilligen aber innovativen Unternehmer- Persönlichkeiten. Sie drücken einer Epoche ihren Stempel auf. Was aber wenn ihre Zeit abläuft?
Die Geschichte des Schweizer Audiopioniers Willi Studer (1912-1996, Bild) und das Schicksal seiner Firma Studer-Revox steht stellvertretend für eine kritische Bestandesaufnahme der vergangenen 50 Jahre «Werkplatz Schweiz» – und sie erlaubt gar einen Blick in die nähere Zukunft.
Klar, im nachhinein ist man immer klüger. Spricht man heute mit den Verantwortlichen der Firmen Studer und Revox, dann wissen einige, was man damals hätte tun müssen. Damals ist noch gar nicht lange her. Die feine Audioprodukteschmiede Studer-Revox war vor allem im professionellen Markt der Tonbandaufzeichnung Weltspitze, wenn nicht Referenz. Gleiches gilt für den Consumer-Bereich. Wer träumte nicht von einem Revox-Bandgerät.
Studers Karriere, er Autodidakt von A bis Z, ist die typische Geschichte vom Tellerwäscher zum Millionär. Tellerwäscher sind hart arbeitende Menschen, sonst würden sich in der Gaststätte die Teller türmen. Doch selbst diese Karriere wurde von der Zeit überholt. Heute würden höchstens noch die Geschirrspüler Karriere machen.
Genauso verhielt es sich mit Studers Audioglanzlicht. Die Zeit veränderte sich, die Zeichen wurden nicht oder zu spät erkannt. Das sollte sich rächen.
Studer verkaufte seine Firma in einer Zeit, wo die Schweizer Wirtschaft sich alles andere als Innovation auf die Fahne geschrieben hatte. Wild zusammenkaufen: Da gehörte fast nichts zusammen, was zusammenkam. Die dann arg gestrauchelten Financiers, wie Werner K Rey, wurden salonfähig. Man kaufte um das schnelle Geld zu machen. Sanieren hiess das so nett. Das war nicht nur das Credo des Werner K Rey. Die jüngste Schweizer Wirtschaftsgeschichte bietet Anschaungsunterricht in Hülle und Fülle. Als alles zusamenfiel, bluteten die Banken und Studer und Revox waren dem Ende nahe. Die Schweiz in einer Rezession. Noch im letzten Auenblick gelang es – im Falle von Studer-Revox – Käufer und Investoren zu finden.
Und heute? Zwar hat man den innovativen Trend entdeckt. Doch was ist mit den Fusionen, die nicht mal mehr die Börsen begeistern? Was mit dem Schlagwort «zurück zum Kerngeschäft?» – als hätte es das nie gegeben. Ist es das Eingeständnis, dass der zusammengekaufte Gemischtwarenladen nicht gemanagt werden konnte?
Die Studer-Revox-Story gibt diesbezüglich zahlreiche Anregungen… Mehr in meinem Audio-Feature!
Urs Maurer (SRI)
Das Buch zur Studer-Story: «Die sprechenden Maschinen. Studer-Revox – Das Lebenswerk des Audiopioniers Willi Studer» von Peter Holenstein, Schweizer Verlagshaus, Zürich 1998.
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