Einbussen im Landwirtschaftsjahr 2001
In der Schweizer Landwirtschaft haben in diesem Jahr das Wetter, tiefere Getreide- und Rindvieh-Preise und die BSE-Krise zu Ertrags-Einbussen geführt.
Nach ersten Schätzungen betrage die Endproduktion der Schweizer Landwirtschaft im zu Ende gehenden Jahr 7,2 Mrd. Franken, teilte der Landwirtschaftliche Informations-Dienst (LID) am Freitag mit. Im Vorjahr betrug die Endproduktion 7,58 Mrd. Franken – 5,3 Prozent mehr als 2001.
Die Endproduktion entspricht dem Brutto-Inlandprodukt (BIP) eines Landes. Sie beziffert den Gesamtwert der in der Schweiz hergestellten landwirtschaftlichen Produkte und Dienstleistungen.
Rindfleisch: Verkäufe massiv gesunken
Ein Grund für den Rückgang der Endproduktion war nach Ansicht des LID das «BSE-Gespenst», das auch in diesem Jahr wieder auf dem Schlachtvieh-Markt umging. Zusammen mit der Maul- und Klauenseuche in Grossbritannien habe sich dies negativ auf den Markt ausgewirkt.
Die Rindfleischverkäufe seien um 10 bis 20% gesunken. Gleichzeitig seien auch die Produzentenpreise gesunken: Für Munis, Rinder und Kühe wurde laut LID zwischen 22 und 35% weniger bezahlt. Profitiert von dieser Situation hätten in unterschiedlichem Ausmass die Produzenten von Kalbfleisch und der Geflügel-Markt.
Als weiteren Grund für den Rückgang der Endproduktion führt der LID die gesunkenen Getreidepreise an. Diese seien auf die Liberalisierung des Getreidemarktes durch den Bundesrat zurückzuführen.
Verregneter Frühling und September
Im weiteren verweist der LID auf das regenreiche Jahr: Der Frühling und der Monat September seien nasskalt, der Oktober sehr warm gewesen. Auf die Ernten wirkte sich dies meistenteils negativ aus.
Einzig die Kartoffelernte fiel laut LID leicht höher als im Vorjahr aus. Hingegen seien deutlich weniger Zuckerrüben, Kirschen und Mostobst geerntet worden. Der Ausfall beim Gemüse habe im Schnitt einen Fünftel betragen; in einzelnen Regionen sei es deutlich mehr gewesen.
Die Brotgetreide-Ernte sei ebenfalls tief ausgefallen. Der Ertrag an Futtergetreide sei regional sehr unterschiedlich gewesen. Die Gerstenernte sei im Durchschnitt tiefer ausgefallen als im Vorjahr.
Wohin mit dem Emmentaler?
Der LID schätzt, dass bis Ende 2001 rund 3,2 Mio. Tonnen Milch abgeliefert werden, nachdem der Bundesrat im Mai die Kontigente um 3% erhöht hatte. Der Absatz von Konsum-Milch, vor allem von UHT-Vollmilch und von pasteurisierter, teilweise entrahmter Milch, stieg im Vergleich zum Vorjahr deutlich.
Die Käseproduktion nahm ebenfalls leicht zu. Hingegen hielt der Absatz einzelner Sorten, insbesondere des Emmentalers, mit dieser Mehrproduktion nicht Schritt.
Guter Weinjahrgang
Für die Weinproduzenten erwiesen sich vor allem das strahlende Oktoberwetter und die konsequente Mengen-Beschränkung als Glücksfall. Erste Verkostungen der neuen Weine liessen darauf schliessen, dass der Jahrgang 2001 «gut bis sehr gut» ausfallen werde.
In diesem Jahr wurden insgesamt 57 Mio. Liter Rotwein und 60,4 Mio. Liter Weisswein geerntet. Das sind rund 10,2 Mio. Liter weniger als im Vorjahr. Die Lage auf dem Weinmarkt bleibe aber angespannt, vor allem auf dem Preissektor, schreibt der LID.
swissinfo und Agenturen
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch