Frankreich übernimmt BSE-Test von Zürcher Jungunternehmern
Frankreich hat sich für den Schweizer BSE- Test Prionics entschieden, wie das Pariser Landwirtschaftsministerium am Donnerstag (08.06.) bekanntgab. Das Verfahren wurde von Zürcher Jungunternehmern entwickelt.
Für die Zürcher Firma Prionics AG bedeutet der Entscheid gemäss Firmenmitgründer Markus Moser einen «riesengrossen Durchbruch». Einer europaweiten Vermarktung der BSE-Schnelltests stehe nichts mehr im Wege, sagte er gegenüber der Nachrichtenagentur sda.
Der Test soll in Frankreich vor allem in den von BSE-Infektionen betroffenen Regionen Bretagne, Normandie und Pays de Loire eingesetzt werden. Rund 48’000 Rinder sollen untersucht werden. Dies sind weit mehr als von der EU gefordert werden. Nach Ansicht von Landwirtschaftsminister Jean Glavany ist bei flächendeckenden Tests mit einer Zunahme der entdeckten BSE-Fälle zu rechnen.
In der Schweiz habe sich bei vergleichbaren Testreihen die Zahl der registrierten Fälle verdoppelt. Die ersten Ergebnisse für Frankreich sollen im Herbst vorliegen. Der Schweizer Test sei von einem wissenschaftlichen Komitee aufgrund einer europäischen Ausschreibung gewählt worden, sagte Glavany weiter.
Wissenschaftliche Argumente entscheidend
Frankreich ist nach Dänemark das zweite EU-Land, das eine solche Testreihe durchführt. Da aus Frankreich selbst ein BSE-Test in der Evaluation war, sei der Entscheid für das Zürcher Produkt umso höher zu werten, sagte Prionics-Geschäftsleitungsmitglied Markus Müller. Die politischen Argumente seien also nicht stärker gewichtet worden als die wissenschaftlichen.
Dänemark wird gemäss Moser demnächst mit den ersten der rund 10’000 Tests beginnen. Auch in Nordrhein-Westfalen seien letztes Jahr Rinder mit Prionics getestet worden. In England ist der Prionics-Check ebenfalls schon zum Einsatz gekommen. Die Schweiz lässt seit Frühjahr 1999 Stichproben bei Rindern durchführen. Von 50 Fällen im Jahre 1999 wurden 25 dank dieser Kampagne entdeckt.
Die EU schreibe nur ein «Schmalspurprogramm» mit insgesamt 65’000 Tests europaweit vor, sagte Müller. Sinnvoll wäre seiner Ansicht nach ein System wie in der Schweiz, das Tests bei verschiedenen Kategorien geschlachteter Rinder vorsieht. Spinn-Off-Firma an der Uni Zürich
Die Prionics AG, eine Anfang 1997 von drei Prionenforschern gegründete Spin-off-Firma an der Universität Zürich mit heute 20 Mitarbeitern, ist gemäss Geschäftsleitungsmitglied Markus Moser in Verhandlungen mit zahlreichen weiteren Ländern.
Zur Feststellung der BSE-Erkrankung wird Hirngewebe von geschlachteten Tieren entnommen, verflüssigt und auf das Vorhandensein des krankheitsspezifischen Prionproteins untersucht. Das Untersuchungsergebnis steht sieben bis acht Stunden nach dem Eintreffen der Probe im Labor fest.
Der Katalogpreis eines Prionics-Tests beträgt laut Müller 24 Franken. Die Einnahmen aus dem Verkauf der Tests will das Jungunternehmen in neue Forschungsprojekte stecken, sagte Moser.
swissinfo und Agenturen
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