Harsche Reaktionen auf UBS-Entscheide
Die UBS-Aktionäre haben Jahresbericht und -rechnung der grössten Schweizer Bank klar genehmigt und alt-Bundesrat Kaspar Villiger in den Verwaltungsrat gewählt. Der hohe Quartalsverlust und der Stellenabbau geben aber zu harschen Kritiken Anlass.
Im ersten Quartal 2009 schrieb die Grossbank UBS erneut einen Verlust von 2 Mrd. Franken. Der Netto-Geldabfluss beträgt rund 23 Mrd. Franken.
Die UBS geht davon aus, dass die Anzahl der Mitarbeitenden bis 2010 auf rund 67’500 fallen wird. Das entspricht einem Abbau von 8700 Stellen oder 11,4% des gesamten Personalbestands, Ende März beschäftigte die UBS noch 76’200 Personen.
Davon dürften rund 2500 Stellen in der Schweiz verloren gehen: Damit wären im Inland rund 10% der UBS-Angestellten betroffen.
Nochmals Boni-Kritik
Angesichts dieser Zahlen kritisiert Volkswirtschaftsministerin Doris Leuthard die geplanten Boni bei der UBS. Das Thema sei für das nächste Gespräch zwischen Bundespräsident Hans-Rudolf Merz und der UBS-Leitung traktandiert.
In einem Interview mit Schweizer Radio DRS forderte Leuthard die UBS auf, «nochmals über die Bücher» zu gehen, bevor Boni in Höhe von rund 4 Mrd. Fr. ausbezahlt würden. «Ich erwarte, dass alle den Gürtel enger schnallen – ohne Ausnahme.»
Der geplante Abbau von 2500 Stellen in der Schweiz kommt für Leuthard nicht überraschend, wie sie sagte. Die UBS habe den Bund und den am stärksten betroffenen Kanton Zürich gut informiert.
Es gelte, die vom Abbau Betroffenen möglichst schnell wieder in den Arbeitsprozess einzugliedern. Dabei komme das übliche Instrumentarium der Arbeitslosenversicherung zur Anwedung. Leuthard verwies namentlich auf Umschulungs- und Weiterbildungs-Angebote.
Parteien prangern alte Garde an
Schmerzhaft aber unvermeidlich: Die politischen Parteien bedauern den Stellenabbau in der Schweiz. Sie gehen hart ins Gericht mit dem früheren UBS-Präsidenten Marcel Ospel, dem sie die Schuld am Debakel zuweisen.
«Die Hinterlassenschaft der Ära Ospel wird langsam aber sicher zu einer unhaltbaren Hypothek für unser Land», sagte der freisinnige Parteipräsident Fulvio Pelli.
«Auch die Mitarbeiter der UBS, die sehr gute Arbeit leisten, bezahlen einen hohen Preis für die strategischen Fehler und die Jagd nach Profit um jeden Preis.»
Die Sozialdemokratische Partei (SP) warf der früheren UBS-Leitung unter Ospel «Misswirtschaft» vor. Trotz Bundessubventionen sei ein «Kahlschlag beim Personal» nicht zu vermeiden – «auch weil die Bank ihre Bonus-Kultur der fetten Jahre weiter pflegt und Millionen an ihre Kader ausschüttet». Das Personal zahle nun für die Fehler der alten Garde.
Die Schweizerische Volkspartei (SVP) kritisierte nicht nur die UBS, sondern auch den Bundesrat. Indem die Landesregierung das Bankgeheimnis nicht genügend verteidigt habe, trage sie eine Mitschuld am Stellenabbau, sagte Parteisprecher Kevin Grangier.
Die sozialen und menschlichen Folgen des Abbaus seien schwer, sagte der Vizepräsident der Christlichdemokratischen Volkspartei (CVP), Dominique de Buman.
Aufspaltung und Kulturwandel verlangt
Die SP plädiert für einen radikalen Umbau der UBS: Das riskante Investmentbanking müsse vom traditionellen Kredit- und Depotgeschäft abgetrennt werden.
So könne das Systemrisiko für die Schweizer Volkswirtschaft eingeschränkt werden. Für kleinere Strukturen, die weniger gefährlich seien, spricht sich auch die SVP aus.
Die Freisinnigen fordern einen Kulturwandel im UBS-Management. Der neu gewählte Präsident des UBS-Verwaltungsrates, alt Bundesrat Kaspar Villiger, ebenfalls ein Freisinniger, müsse als neuer VR-Präsident liberale Tugenden wie Verantwortungsbewusstsein, Qualitätsbewusstsein und Bescheidenheit fördern.
Verschreckte Anleger
Der neuerliche Milliarden-Verlust der UBS im ersten Quartal hat die Anleger erschreckt. Die UBS-Aktien eröffneten am Mittwoch um 7,3% tiefer auf 12.30 Fr.
Das Ergebnis sei «eine Riesenenttäuschung», sagte ein Händler. Nach unerwartet guten Zahlen von Goldman Sachs und Wells Fargo sei bei der UBS zumindest ein ausgeglichenes Resultat erwartet worden.
swissinfo und Agenturen
Der Schwerpunkt des geplanten Abbaus von weltweit 8700 Stellen bei der UBS wird in den USA und in der Schweiz liegen.
Dies hängt damit zusammen, dass die UBS in diesen beiden Ländern auch am meisten Personal beschäftigt, wie UBS-Sprecher Serge Steiner sagte.
Von den Funktionen sind vor allem Jobs im so genannten Mid- und Back-Office betroffen, also in unterstützenden Funktionen und weniger bei Positionen mit direktem Kundenkontakt.
Gegen vier Fünftel des vorgesehenen Abbaus von 2500 Stellen in der Schweiz betrifft den Bereich Wealth Management & Swiss Bank.
Innerhalb der Schweiz liegt der Schwerpunkt des Abbaus in Zürich, wo rund 16’000 der insgesamt noch 25’800 in der Schweiz tätigen Angestellten beschäftigt sind.
Ende 2007 hatte die UBS weltweit noch einen Personalbestand von 83’560 Vollzeitstellen ausgewiesen.
Anfang 2010 sollen es nach dem nun bekannt gegebenen Sparplan noch deren 67’500 sein.
Das entspricht einem Abbau von 16’060 Stellen oder 19% innerhalb von zwei Jahren.
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