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Löhne: Gewerkschaften zeigen sich kämpferisch

SGB-Präsident Paul Rechsteiner, SGB-Sekretär Serge Gaillard und SGB-Vizepräsident Jean-Claude Rennwald, von links, orientieren über ihre Forderungen. Keystone

Der Schweiz steht ein heisser Lohnherbst bevor. Die Gewerkschaften fordern für die kommende Lohnrunde trotz Konjunkturflaute generell 5 Prozent mehr Lohn. Die Arbeitgeber lehnen die Forderungen dagegen als völlig überrissen ab.

Nach der Bescheidenheit in den schwierigen 90-er Jahren zeigen sich die Gewerkschaften wieder kämpferisch. Es gebe nach wie vor einen grossen Nachholbedarf bei den Löhnen, begründete Serge Gaillard, Sekretär des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB), am Mittwoch (15.08.) vor den Medien in Bern die Forderungen.

Manager haben abgesahnt

Bis 1998 hätten die lohnabhängigen Haushalte in der Schweiz einen Kaufkraftverlust von mehr als 5 Prozent erlitten. Die Wende bei den Löhnen sei erst in diesem Jahr erfolgt. Der seit 1996 andauernde Aufschwung sei an den Löhnen vorbeigegangen. Profitiert hätten einzig die Manager, die kräftig abgesahnt hätten.

Ein Teuerungsausgleich von 1,5 Prozent und eine Reallohn-Erhöhung von bis 3,5 Prozent liege drin. Die Managerlöhne liessen sich auch wieder kürzen, um eine genügend grosse Lohnsumme für Normalverdiener zu erreichen. Die eingetrübte Konjunkturlage sei kein Grund, die Reallöhne nicht zu erhöhen.

Schwächere Konjunktur

«Wir sind uns bewusst, dass uns die Arbeitgeber die schwächere Konjunktur als Argument um die Ohren schlagen werden», so Gaillard. In der Tat bezeichnete Peter Hasler, Direktor des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes, die Lohnforderungen der Gewerkschaften als völlig überrissen. Sie passten nicht ins Konjunkturbild.

«Nach dem aussergewöhnlichen Jahr 2000 mit hohen Wachstumsraten müssen wir wieder kleinere Brötchen backen», sagte Hasler. Der diesjährige Zuwachs von rund 3 Prozent bei den Nominallöhnen lasse sich nicht wiederholen. Klar sei aber, dass die Arbeitgeber bereit seien, Lohnerhöhungen zu gewähren.

Generell oder individuell

Ein Dorn im Auge ist den Arbeitgebern die einseitige Forderung der Gewerkschaften nach generellen Lohnerhöhungen. Es müsse weiterhin eine starke individuelle Komponente für leistungsbezogene Lohnerhöhungen geben. Ausserdem sei es sach- und systemfremd, wenn alle Betriebe über den gleichen Leist geschlagen würden, so Hasler.

Die Gewerkschaften wollen dagegen weiter dafür kämpfen, dass die Individualisierung bei den Löhnen zugunsten genereller Erhöhungen gestoppt wird. Im laufenden Jahr sei es erstmals gelungen, den Trend zu brechen, sagte SGB-Präsident Paul Rechsteiner. Der Nachholbedarf bei den unteren und mittleren Einkommen bleibe enorm.

swissinfo und Agenturen

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