Lohnrunde 99: Erhöhungen grösser als Teuerungsausgleich
Die Sozialpartner haben für 2000 deutlich mehr Lohnerhöhungen vereinbart als im Jahr zuvor. Nominell 1,4 Prozent mehr Lohn ist das Resultat der Verhandlungen im Rahmen der Gesamtarbeitsverträge. Für das Jahr 1999 waren es nur 0,3 Prozent gewesen.
Der durchschnittliche Anstieg betreffe sowohl die Mindestlöhne als auch die effektiv ausbezahlten Durchschnittslöhne, gab das Bundesamt für Statistik (BfS) am Montag (29.05.) als Resultat der Lohnverhandlungen in Branchen mit einem Gesamtarbeitsvertrag (GAV) bekannt.
Die bessere Wirtschaftslage und der Optimismus zur Zeit der GAV- Verhandlungen brachte laut Andreas Hochuli vom BfS wieder verbreitet Lohnerhöhungen. «Für 1999 wurde für 52 Prozent der Beschäftigten mit einem GAV vereinbart, keine Lohnerhöhung vorzunehmen. Für 2000 sind es nur noch fünf GAV mit 14 Prozent der Beschäftigten.»
Mehr Beschäftigte profitieren
Für 2000 erhalten jedoch 31 Prozent der Arbeitnehmenden mehr Lohn. Ein Jahr zuvor wurden laut Hochuli nur für 3,5 Prozent der unterstellten Beschäftigten die Mindest- und die Effektivlöhne erhöht.
Nur eine Anpassung der Mindestlöhne gibt es in GAV mit einem Drittel der Beschäftigten (Vorjahr ein Viertel). Wie hoch die neuen Mindestlöhne in diesen Branchen mit rund 477’000 Arbeitnehmenden sind, zeigen die BfS-Zahlen nicht.
In einem Fall (Vorjahr drei) scheiterten die Verhandlungen. «Die Einigung im Bau ist in unseren Zahlen für die wichtigsten Branchen berücksichtigt», sagt dazu Hochuli.
Das BfS wertete Ende März 2000 eine Stichprobe von 41 Verträgen mit rund 624’000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern aus. Insgesamt gelten in der Schweiz rund 630 GAV für gut 1,2 Millionen Beschäftigte.
Erwartete Teuerung mehr als ausgeglichen
Bei einer Inflation zur Zeit der Vertragsverhandlungen von 0,8 Prozent dürften die meisten Beschäftigten mit einem GAV auch nach Abzug der Teuerung mehr Lohn auf ihr Konto erhalten. Das hätte für die GAV-Branchen bereits im Jahr zuvor eintreten sollen: Bei 0 Prozent Teuerung waren 0,3 Prozent Lohnanstieg vereinbart worden.
Für die gesamte Wirtschaft hat das BfS für 1999 allerdings kürzlich einen realen Lohnrückgang von 0,6 Prozent gemeldet. Die 0,2 Prozent Nominallohnzuwachs waren durch die Teuerung von 0,8 Prozent mehr als aufgefressen worden.
Weniger individuelle Lohnerhöhungen
Von den 1,4 Prozent Lohnzunahme für 2000 entfallen 0,4 Prozent auf die individuellen Lohnerhöhungen. 1 Prozent oder gut zwei Drittel der zusätzlichen Lohnsumme wurden dagegen für die generelle Anpassung aller Löhne verwendet. Damit hat sich das Gewicht zwischen der Löhnerhöhung für alle und den Anpassungen für einzelne Beschäftigte weiter zurück zu den generellen Lohnerhöhungen verschoben.
«Seit 1995 bestand eine Tendenz zu individuellen Lohnerhöhungen», erläutert Hochuli. Waren es 1994 noch 87 Prozent generelle Lohnerhöhungen, sank dieser Anteil bis 1998 auf nur noch 20 Prozent. Seither kehrte die Tendenz wieder weg von den individuell, aufgrund der Leistung festgelegten Erhöhungen.
Je nach Sektor und Branche fielen die Lohnabschlüsse für 2000 sehr unterschiedlich aus. Im primären Sektor, also Land- und Forstwirtschaft und Gartenbau bleiben die Löhne auf dem Stand von 1999. Im sekundären Sektor (Industrie und Gewerbe) vereinbarten die Sozialpartner dagegen 1,4 Prozent Anstieg und im tertiären Sektor (Dienstleistungen) 1,5 Prozent Plus.
swissinfo und Agenturen
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