Luxusuhren lassen Schweizer Uhrenexporte boomen
Die Schweizer Uhrenindustrie erlebt derzeit einen Exportboom. Grund dafür dürfte die zunehmende Verlagerung auf Luxusuhren sein. Bis Ende November sind Schweizer Uhren im rekordverdächtigen Nominalwert von gut 8 Mia. Franken exportiert worden.
Die rasante Entwicklung der Schweizer Uhrenexporte wird in der Ausfuhrstatistik der Zollverwaltung mit eindrückli- chen Zahlen belegt. Danach wurden in den ersten elf Monaten dieses Jahres Schweizer Uhren im rekord- verdächtigen Nominalwert von insgesamt 8,143 Milliarden Franken exportiert. Im gesamten Vorjahr hatte der Schweizer Uhrenexport einen Nominalwert von 8,312 Milliarden Franken, nur zwei Prozent mehr als der diesjährige Elf-Monats-Wert.
Allein letzten November wurden Uhren für 1,073 Milliarden Franken ins Ausland verkauft. Das waren 28,3 Prozent mehr als im Vergleichsmonat von 1998. Alois Zurwerra, der Chef der Sektion Statistik in der Zollverwaltung, sagte auf Anfrage, die überdurchschnittliche November-Zuwachsrate dürfte nicht zuletzt dank dem Weihnachts- geschäft zu Stande gekommen sein.
Schon in den Vormonaten hatte der Uhrenexport markant zugenommen. Im Oktober stieg er im Vorjahresvergleich um 10,4 Prozent auf nominal 917 Millionen Franken. Im September hatte der Zuwachs 15,6 Prozent auf 816 Millionen Franken ausgemacht. Zurwerra führt die steile Aufwärtsentwicklung hauptsächlich darauf zurück, dass in der Uhrenindustrie eine Verschiebung des Sortiments in Richtung Luxusuhren stattfinde. Dies schlage sofort auf die nominellen Exportwerte durch.
SwatchGroup erwartet weiteres Rekordjahr
Über die Entwicklung der Uhrenexporte im Dezember liegen noch keine Zahlen vor. Laut Zurwerra liegen die die Exportzahlen für das ganze Jahr 1999 frühestens am 25. Januar 2000 vor. Aus der Branche waren jedoch optimistische Töne zu hören. ‚1999 wird erneut das beste Jahr in der Firmengeschichte werden, es wird ein weiteres Rekordjahr‘, sagte Pressesprecherin Beatrice Howald von der SwatchGroup, dem grössten Schweizer Uhrenkonzern, auf Anfrage.
Finanzanalysten erwarten einen SwatchGroup-Umsatz von etwa 3,5 Milliarden Franken. Dies entspräche wie 1998 einer Umsatzsteigerung um etwa sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr. 1998 hatte die SwatchGroup mit ihren 17’815 Angestellten einen Umsatz von 3,269 Milliarden Franken erzielt und einen Gewinn von 357 Millionen Franken ausgewiesen.
Luxusuhrenbranche als Übernahmeziel
Auch die SwatchGroup setzt vermehrt auf Luxusuhren. So erweiterte sie letzten Herbst mit der Übernahme der Traditionsmarke Breguet – eine der ältesten der Welt – ihr Segment der Prestige- und Luxusuhren. Dazu gehören auch die Marken Blancpain, Omega, Longines und Rado sowie die neue Schmuckuhrenmarke Hatot. Ein Auge auf die Schweizer Luxusuhrenbranche hat auch der französische Luxusgüterkonzern LVMH Moet Hennessy Louis Vuitton SA geworfen. Auf einer weltweiten Einkaufstour machte er dieses Jahr innert zweier Monate drei Male in der Schweizer Uhrenindustrie Halt: Er kaufte TAG Heuer, Ebel und Zenith.
SRI und Agenturen
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch