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Auslandschweizer bezahlen bis zu 60 Franken, damit ihre Stimme ankommt

Abstimmungsunterlagen
Je nach Wohnland variieren die Portokosten, um die Abstimmungsunterlagen in die Schweiz zurückzuschicken, teils stark. Keystone / Alessandro Della Valle

Schweizer:innen im Ausland zahlen teils hohe Portokosten, damit ihre Stimmen in der Heimat ankommen. Unsere Umfrage zeigt, wo es am meisten kostet. Aber wo liegt die Schmerzgrenze?

«Liebe Schweizerinnen in Dänemark, hat jemand bereits die Wahlunterlagen für die Abstimmungen am 8. März erhalten?», fragte eine Nutzerin im Februar auf Swisscommunity, einer Plattform für Auslandschweizer:innen.

Hintergrund dieser Nachfrage: Es waren die ersten Abstimmungsunterlagen aus der Schweiz, die in Dänemark nicht mehr vom staatlichen Postunternehmen Postnord zugestellt wurden.

Dänemark gilt in Sachen Digitalisierung als Vorreiter. Als erstes europäisches Land stellte es auf Ende 2025 die öffentliche Briefzustellung ein und entfernte sämtliche rote Briefkästen. Die Zustellung der Briefe – und damit auch der Stimmcouverts aus der Schweiz – übernimmt seit Anfang Jahr die private Zustellungsfirma DaoExterner Link.

Für Auslandschweizer:innen waren die Abstimmungen im März somit ein Test des neuen Systems. «Ich habe gelesen, dass der verspätete Erhalt der Abstimmungsunterlagen ein wiederkehrendes Problem für Schweizerinnen und Schweizer im Ausland ist. Aber mir passiert das hier in Dänemark zum ersten Mal», sagt Alice el-Wakil, die seit Herbst 2022 im nordischen Land lebt, gegenüber Swissinfo. Als Politologin, die sich mit Fragen um Teilhabe und Repräsentation beschäftigt, ist el-Wakil besonders wachsam für Sand im Räderwerk der Demokratie, auch für kleine Körnchen.

Lesen Sie dazu unseren Artikel zur verspäteten Abstimmungs-Post:

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Die Erfahrungen der Schweizer:innen mit Dao gehen auseinander. So schreibt ein Facebook-Nutzer: «Wir haben die Unterlagen sowohl für die Abstimmung am 8. März und für die Wahlen im Kanton Bern am 29. März bekommen. Aber sie kamen statt rund vier Wochen vor dem Termin nur zwei Wochen vorher an.»

Andere Stimmberechtigte berichteten dagegen, die Unterlagen rechtzeitig erhalten zu haben. Ein Teil machte jedoch die gleiche Erfahrung wie el-Wakil und fand kein Stimmcouvert im Briefkasten vor.

Maxime Bergamin ist Vizepräsidentin des Swissclub Denmark. Auch sie hätten Rückmeldungen von Schweizer:innen erhalten, die ihre Abstimmungsunterlagen nicht rechtzeitig zugestellt bekommen hätten. «Viele Menschen, darunter auch ich, haben seit Wochen keinen einzigen Brief erhalten. Dazu gehören auch die Unterlagen für die Abstimmungen und Wahlen in der Schweiz», sagt Bergamin.

Auf Anfrage von Swissinfo schreibt die Bundeskanzlei, sie habe sich aufgrund der Situation in Dänemark über das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten über die Auswirkungen auf die Postzustellung informieren lassen. «Gemäss den erhaltenen Auskünften sollte die rechtzeitige Postversorgung durch die Umstellung nicht beeinträchtigt sein.» Hinweise auf systematische Verspätungen lägen der Bundeskanzlei nicht vor.

Teils teure Rücksendung aus dem Ausland

Neben der Frage nach der verspäteten respektiv ausbleibenden Zustellung der Stimmcouverts geben in der Auslandschweizergemeinschaft in Dänemark auch die Rücksendekosten zu reden. «Es kostet 46 dänische Kronen (5.60 Franken), um einen Brief in die Schweiz zu schicken, und dauert vier bis sechzehn Werktage, was wiederum die Abstimmungsfristen in der Schweiz überschreitet», sagt Bergamin.

Ähnlich sieht es ein Nutzer auf Facebook. Er fragt: «Wer will bei diesen Preisen einen Brief zurück in die Schweiz senden?»

Zwar wirken 5.60 Franken pro Brief grundsätzlich verkraftbar. Aber viermal pro Jahr macht 22.40 Franken in einem vollen Abstimmungsjahr. Da kann man sich fragen: Ab welchem Betrag wird die politische Teilhabe zu teuer? Und ist es okay, wenn sie je nach Wohnland variiert?

Vier Mal pro Jahr wird in der Regel an die Urne gerufen, im Durchschnitt stehen pro Jahr 10 bis 15 eidgenössische Vorlagen auf dem Programm. Das Auslandschweizer-Gesetz besagt, dass die aktuell über 230’000 stimmberechtigen Auslandschweizer:innen an der Schweizer Demokratie teilhaben können.

In Belgien müssen Schweizer Stimmberechtigte besonders tief in die Taschen greifen. Umgerechnet 8.10 Franken kostet dort die Rücksendung ihrer Abstimmungspost in die Schweiz. «Und es gibt regelmässige Preiserhöhungen», sagt Florence Roth, Auslandschweizerrätin in Belgien.

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Günstiger ist der Versand aus Kanada (3 Franken) oder aus Irland (3.20 Franken). Wer zeitlich knapp dran ist, setzt allerdings lieber auf einen schnelleren Service, was beispielsweise aus Irland mit 12.80 Franken das Vierfache kostet.

Laut Roland Erne, Auslandschweizerrat in Irland, könnten diese Portokosten einige Auslandschweizer:innen davon abhalten, ihr Stimmrecht auszuüben. «Das habe ich schon mehrfach gehört», sagt er auf Anfrage.

Ähnlich sieht es Ruth Perracini-Liechti, Delegierte aus Costa Rica: «Die Kosten für die Rücksendung aus Costa Rica betragen rund zehn Franken.» Das Problem liege jedoch darin, dass die Abstimmungsunterlagen meistens nicht rechtzeitig eintreffen. «Selbst wenn wir die Unterlagen bekommen, gehe ich davon aus, dass einige nicht abstimmen und wählen aufgrund der hohen Kosten.»

Verspätung als grösstes Problem

Perracini-Liechti trifft damit einen wunden Punkt: Nicht die Kosten, die für die Rücksendung der Stimmcouverts anfallen, sind das Hauptproblem – da ist man sich in der Auslandschweizer-Community einig. Bemängelt wird vielmehr die in manchen Ländern verspätete Zustellung. Sie führt zum Risiko, das die abgegebene Stimme nicht rechtzeitig in der Schweiz ankommt.

Wer trotz spätem Erhalt der Unterlagen sicherstellen will, dass seine oder ihre Stimme gezählt wird, setzt mit Vorteil auf Kurierdienste. Doch die sind teuer.

«Wenn die Unterlagen bis spätestens eine Woche vor dem Abstimmungstermin eintreffen, können wir sie nur per Kurier zurücksenden. Das kostet aus Shanghai rund 30 Franken», sagt Daniel Heusser, Auslandschweizerrat aus China.

Postauto der DHL
Wer will, dass es schnell geht, setzt für den Versand der Abstimmungsunterlagen auf Anbieter wie den Kurierdienst DHL. Copyright 2025 The Associated Press. All Rights Reserved.

Ähnlich klingt es aus Sri Lanka. Da er die Wahlunterlagen normalerweise erst kurz vor der Abstimmung erhalte, hat Auslandschweizerrat Rolf Blaser noch nie versucht, die reguläre Post für die Rücksendung zu nutzen. «Also bleibt die Option Kurierdienst, der etwa 100 Franken kostet», sagt Blaser. Diese Kosten halten ihn wiederum vom Wählen ab – «und vermutlich auch alle anderen Schweizer in dieser Region.»

Flurina Dünki lebt in Mexiko-Stadt. Auch sie sieht das Problem für die politische Partizipation aus Mexiko in der Distanz zur Heimat. «Es dauert etwa zwei bis drei Wochen, bis das Stimmcouvert bei uns ist.» Danach müsse es sofort wieder per Post zurückgeschickt werden, damit es noch eine Chance hat, rechtzeitig in der Schweiz anzukommen. «Sicherer ist es mit privater Post», sagt Dünki.

Sie selbst hat diese Option bei der Abstimmung im März ausprobiert. «Abzustimmen hätte mich rund 60 Franken gekostet.» Ein Betrag, der eine hohe politische Motivation voraussetzt – sofern man ihn sich überhaupt leisten kann.

Dünkis Tipp: Stimmberechtigte sollen sich zusammenschliessen und ein Sammelcouvert mit privater Post an eine Person in der Schweiz schicken, die dann den Inlandversand erledigt.

Im Diskurs um die Portokosten verweisen viele Schweizer:innen im Ausland auf eine Einführung von E-Voting als mögliche Lösung. Doch gerade eben hat das E-Voting-Debakel von Basel am 8. März das Vertrauen einiger Auslandschweizer:innen in das System geschwächt.

Aber auch ein flächendeckendes Schweizer E-Voting-System bringt Kosten – gemäss den letzten verfügbaren Schätzungen bis zu 600 Millionen Franken. Der Unterschied: Dieser Aufwand fiele beim Staat an.

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Editiert von Balz Rigendinger

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