Machtkampf um Kuoni: Teil-Rücktritt von Affolter
Der Druck auf Daniel Affolter verschärft sich. Nach einer Niederlage bei den Zürcher Behörden tritt er als Präsident der Kuoni und Hugentobler-Stiftung zurück, beharrt aber auf dem Kuoni-Präsidium. Spätestens Mitte Juli werden die Aktionäre den Streit entscheiden.
Im Machtkampf um den Reisekonzern Kuoni hat die Verwaltungsratsmehrheit einen Teilsieg errungen. Die Zürcher Aufsichtsbehörde hat das Stimmrecht der von Daniel Affolter präsidierten Kuoni und Hugentobler-Stiftung im Hinblick auf die Generalversammlung vom nächsten Dienstag (15.05.) empfindlich eingeschränkt.
Die Siftung, die mit ihrem Simmrecht von 25% üblicherweise die Kuoni-Aktionärsversammlungen dominiert, darf ihr Stimmrecht am Dienstag nur im Sinne der Anträge des Verwaltungsrates ausüben oder sich andernfalls der Stimme enthalten. Diese vorsorgliche Massnahme drängt sich nach Angaben des Aufsichtsamtes auf, weil möglich sei, dass das Geschäftsgebaren des Stiftungsrates – insbesondere mit den Bonuszahlungen von 12 Mio. Franken – der Stiftung wie auch dem Unternehmen Kuoni Schaden zufüge.
Grosser Showdown steht noch aus
Mit diesem wichtigen Vorentscheid habe die Stiftungsaufsicht viel Mut bewiesen, sagte Heinz Müller, Vizepräsident des Verwaltungsrates, am Freitag an einer Medienkonferenz. Damit könne die ordentliche Generalversammlung vom 15. Mai ordnungsgemäss stattfinden. Zum grossen Showdown dürfte es aber erst später kommen. Müller stellte bis spätestens Mitte Juli eine zusätzliche ausserordentliche Generalversammlung in Aussicht. Dann sollen die Aktionäre über eine Abwahl des Verwaltungsratspräsidenten Affolter entscheiden.
Affolter tritt aus Stiftung zurück
Der suspendierte Kuoni-Präsident kritiserte den Entscheid der Zürcher Stiftungsaufsicht scharf. Er sei rein politisch motiviert und rechtlich unhaltbar, sagte er am Freitagabend (11.05.) an einer Medienkonferenz. Aufgrund der Einschränkungen könne er seine Aufgaben nicht mehr in der gewünschten Freiheit und Unabhängigkeit wahrnehmen, sagte er. Deshalb trete er ab sofort als Präsident und Mitglied der Stiftung zurück. Auch seine Frau Heidi habe ihre Demission eingereicht.
Umso dezidierter hält Affolter jedoch an seinem Anspruch auf das Kuoni-Präsidium fest. «Ich beharre darauf, dass die Aktionäre in diesem Machtkampf entscheiden», sagte er. Wie Stiftungsmitglied Kaspar Baumann vor den Medien klar machte, wird Affolter auch nach seinem Rücktritt auf die Unterstützung der Stiftung zählen können.
Attacke auf Konzernleitung
Affolter attackierte die Verwaltungsratsmehrheit und die Konzernleitung scharf. Diese lenkten mit ihren Angriffen auf ihn nur von den wahren Problemen ab. Ihnen gehe es einzig darum, die Aufdeckung der von ihnen zu verantwortenden Managementfehlern grössten Ausmasses zu verhindern, sagte Affolter.
swissinfo und Agenturen
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