Magere Aprikosen-Ernte
Der nasskalte Frühling beschert den Walliser Aprikosen-Produzenten eine miserable Ernte. Laut Obstverband kommen heuer nur schätzungsweise 700 bis 800 Tonnen Walliser Tafelaprikosen auf den Markt - letztes Jahr waren es 2'400 Tonnen.
Zwar dauert die Erntesaison noch bis Ende August. Doch schon jetzt ist klar: Die Aprikosensaison 2001 ist für die Walliser Produzenten wenig erfreulich. Der nasskalte Frühling hat die Aprikosen-Kulturen empfindlich getroffen.
Bis anfangs August sind nur 10% der bis Mitte Saison üblichen Menge abgeliefert worden, wie Sandra Helfenstein, Sprecherin des Schweizerischen Obstverbands mitteilt. Sie schätzt, dass bis Ende Saison kaum 20% des Durchschnittes der letzten vier Jahre erreicht werden.
Import freigegeben
Noch nicht beziffert werden kann, wie viele Aprikosen von den Produzenten im Direktverkauf abgesetzt werden. Zudem fliesst ein weiterer Teil der Aprikosenernte in Brennereien und die Lebensmittel-Industrie.
Zum Schutz der einheimischen Produzenten werden jährlich Import-Kontingente festgelegt. Wegen der schlechten Ernteaussichten hat die Branche dieses Jahr den Import jedoch ganz freigegeben.
Bis anfangs August sind mit 9’299 Tonnen bereits annähernd so viele Aprikosen importiert worden wie im ganzen Jahr 2000. In der Schweiz werden jährlich rund 15’000 Tonnen Aprikosen konsumiert.
Neue Sorten ergänzen «Luizet»
Um die Erntezeit von früher drei Wochen auf neu zwei Monate zu verlängern, setzen die Walliser Produzenten auf neue Sorten, welche die traditionsreiche, aber heikle «Luizet» ergänzen sollen. Obwohl sehr gut im Geschmack, ist die kleinfruchtige Sorte fleckenanfällig und schlecht transportierbar.
«Orangered» und «Goldrich», auch «Jumbo Cot» genannt, heissen die zwei neuen Sorten, die bis ins Jahre 2002 auf der Hälfte der 575 Hektaren Aprikosen-Plantagen im Wallis heranreifen sollen. Die neuen, grösseren Sorten verlängern nicht nur die Erntezeit, sie sind auch haltbarer und weniger empfindlich beim Transport.
Nordlagen gegen Frühreife
Das Wallis ist dank seines Mikroklimas eines der nördlichsten Anbaugebiete von Aprikosen. Die Frucht gedeiht an den Nord-Hanglagen des linken Rhoneufers von Martinach bis Siders. Die aufgeschobene Blütezeit schützt die Kulturen vor Frost. Die Südhänge des Wallis sind dem Weinbau vorbehalten.
Vater der Walliser Aprikose ist der Botaniker-Pfarrer Gabriel Luizet, welche die nach ihm benannte Sorte 1838 im französischen Lyon abgezweigt haben soll. Ihre ursprüngliche Heimat hat die Frucht in Nordafrika, bevor sie sich über den Orient ausbreitete und von den Römern von Armenien nach Italien eingeführt wurde.
swissinfo und Agenturen
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