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Massvoll Trinken: Erste Erfolge bei Jungen und Frauen

Besonders Männer trinken weiterhin zu häufig und zu viel hochprozentigen Alkohol. Keystone

Nach den ersten zwei Jahren des Alkoholprogramms "Alles im Griff?" zeichnet sich bei Frauen und Jungen eine Tendenz zu massvollerem Konsum ab. Anders bei Männern: Billigere Spirituosen kommen den Präventions-Massnahmen in die Quere.

Eine Umfrage der Schweizerischen Fachstelle für Alkoholprobleme (SFA) im Jahr 1998 ergab, dass in der Schweiz 20 Prozent der Bevölkerung den Alkoholkonsum nicht im Griff haben. Im März 1999 haben das Bundesamt für Gesundheit (BAG), die Alkoholverwaltung (EAV) und die SFA das Alkoholprogramm «Alles im Griff?» in die Wege geleitet.

Preise tiefer – Konsum höher

Kurz danach sind die Abgaben auf importierten Spirituosen massiv gesenkt worden. Dadurch ist der Spirituosenkonsum vor allem bei Jugendlichen und Männern deutlich angestiegen. Längere Öffnungszeiten und Lockerungen der Bedürfnisklausel in vielen Kantonen haben zusätzliche Anreize zu einem stärkeren Alkoholkonsum geschaffen.

In diesem schwierigen Umfeld konnte mit dem Alkoholprogramm die Anzahl der Rauschtrinkenden seit 1998 nur um vier statt der erstrebten acht Prozent gesenkt werden. Das Rauschtrinken sei die häufigste und gefährlichste Trinkart in der Schweiz, da es Unfälle, soziale und juristische Probleme mit sich ziehe, hiess es an der Medienkonferenz am Donnerstag (05.04.).

Dennoch zeichnen sich auch erste Teilerfolge des Programms ab: 15 Prozent der Frauen schauen noch mindestens zweimal pro Monat zu tief ins Glas. Das sind sieben Prozent weniger als vor zwei Jahren. Bei der Altersgruppe mit den meisten Rauschtrinkern, den 15 bis 24-Jährigen, hat sich der Anteil um neun Prozent reduziert.

«Wer trinkt fährt nicht» – diese seit Jahren propagierte Leitlinie beginnt ebenfalls zu wirken: Der Anteil der Personen, die vor dem Fahren auf Alkohol verzichten, ist um knapp 10 Prozent gestiegen.

«Es ist allerdings nicht so, dass man jetzt Entwarnung geben könnte», gibt Ueli Locher vom BAG gegenüber swissinfo zu Bedenken. Noch immer sei die Gruppe der Personen, die einen risikoreichen Umgang mit Alkohol hätten, zu gross. Deshalb brauche es weiterhin Kampagnen.

Auch Ärzte gefordert

Bei der Weiterführung der Sensibilisierungskampagne geht es unter anderem darum, dass Hausärzte gefährdete Patienten erkennen können und richtige Massnahmen einleiten. Auf Gemeindeebene werden zudem Projekte geplant, um die Alkoholpolitik auf kommunaler Ebene umzusetzen.

swissinfo und Agenturen

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