Schwerverkehr: Urner Regierung will nicht mehr
Der Kanton Uri reduziert seine Schwerverkehrs-Stauräume auf der Gotthardautobahn massiv, da der Ausweichverkehr auf die Kantons-Strasse inakzeptabel sei. Gefordert sind nun die anderen Kantone und der Bund.
Für die Urner Regierung ist klar: Die derzeitige Situation mit bis zu 1’000 abgestellten Camions auf dem Pannenstreifen und der Normalspur der Autobahn sei inakzeptabel, teilte der Regierungsrat am Dienstag (01.05.) mit. Notfalls würden die Zufahrtsachsen für Lastwagen gesperrt.
Die anhaltenden Probleme am Warenzoll in Chiasso führen regelmässig zu stunden- bis tagelangen Rückstaus von Lastwagen bis in den Kanton Uri, wie es in der Mitteilung heisst.
Weniger Stauraum – ab sofort
Als Sofortmassnahme stellt der Regierungsrat deshalb auf der A2 zwischen dem Seelisberg- und dem Gotthardtunnel nur noch einen wesentlich reduzierten Warteraum für 250 Fahrzeuge zur Verfügung. Staubedingte Umleitungen des Individualverkehrs über die Kantonsstrasse werden nicht mehr vorgenommen. Falls die Sofortmassnahmen zu keinem befriedigenden Resultat führten, will der Regierungsrat allenfalls die Zufahrt via Seelisbergtunnel und Axenstrasse für den Schwerverkehr sperren.
Dem Kanton Uri fehlten ausserhalb der Fahrbahn jegliche Warteräume für den Schwerverkehr, begründete die Regierung ihr Vorgehen. Umweltschutz und Verkehrs-Sicherheit hätten Priorität. Zudem fehle die Infrastruktur, um die Wartezeiten für eine grosse Zahl von Chauffeuren menschenwürdig zu gestalten.
Verantwortung der anderen Kantone und des Bundes
Die Sofortmassnahme erfordere von Uri einen nochmals erhöhten Personaleinsatz. So könnten Leer- oder Versorgungsfahrten für das Tessin besser ausgeschieden werden. Die Regierung verweist auf ungleiche Lastenverteilung beim Transitverkehr. Der Bund und die anderen beteiligten Kantone müssten die Verantwortung bei der Bewältigung des Zoll- und Lastwagenproblems ebenfalls wahrnehmen und geeignete Massnahmen treffen. Lastwagenchauffeure müssten bereits am Zoll besser über Alternativen informiert werden.
Bedenken der Task Force «Lastwagen-Transit»
Michel Egger, Leiter der Task Force «Lastwagen-Transit» des Bundes, sieht keine Möglichkeiten, das Problem via die Zölle zu lösen. Wie er in einem Interview des «Echos der Zeit» von SR DRS erklärte, gelangt nur ein Drittel der in Basel einfahrenden Lastwagen über den Gotthard. Der Rest verteile sich vor allem in der Region Zürich. In Basel gebe es im weiteren keinerlei Möglichkeiten, die Camions zu stauen. Die Task Force suche bisher weiter erfolglos Stauraum ausserhalb der Autobahnen.
swissinfo und Agenturen
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