Swissair: Crossair voll integrieren – massiver Stellenabbau
Die Swissair schwenkt in ihrem Überlebenskampf auf einen radikaleren Sparkurs ein. Die beiden Airlines Swissair und Crossair kommen unter das gleiche Dach und reduzieren ihre Aktivitäten. Tausende von Stellen werden weltweit abgebaut.
Mit dem neuen Sanierungsplan reagiert die Swissair Group auf die seit den Terroranschlägen in den USA zugespitzte Finanzkrise. Zugleich wird eine Voraussetzung erfüllt, damit die am Wochenende von Wirtschaft und Staat in Aussicht gestellte Kapitalsanierung anlaufen kann.
Kernelemente des neuen Sanierungsplans sind laut Swissair-Medienmitteilung ein völlig neuer Businessplan, dem nur noch eine Airline zu Grunde liegt, die Rekapitalisierung sowie Anpassungen im Management und in der Konzernleitung.
Ausmass des Stellenabbaus noch nicht öffentlich
Zum Ausmass des Stellenabbaus, der bisher die Streichung von rund 1’250 Jobs vorsah, machte die Swissair Group noch keine genauen Angaben. Bei der Catering-Tochter Gate Gourmet sollen 3’000 Stellen oder rund zehn Prozent des weltweiten Personals abgebaut werden. Dies wird vor allem mit dem dramatischen Einbruch des Fluggeschäfts seit den Terroranschlägen in den USA begründet.
Hinzu kommt ein zusätzlicher Stellenabbau bei Swissair und Crossair durch die Zusammenlegung der beiden Fluggesellschaften zur Swiss Air Lines. Das Ausmass soll nach den Gesprächen mit den Gewerkschaften bekannt gegeben werden.
Dosé neu Leiter Fluggeschäft
Der bisherige Crossair-Chef André Dosé übernahm am Montag mit sofortiger Wirkung die Leitung des Fluggeschäfts. Er hat die Aufgabe, bis Oktober zu Handen des Verwaltungsrates detaillierte Restrukturierungs-Massnahmen auszuarbeiten. Er wurde Swissair-Chef Beat Schär vor die Nase gesetzt.
Die Restrukturierung von Swissair und Crossair soll innerhalb von drei Jahren durchgezogen werden. Dabei sollen Swissair und Crossair zwar als getrennte Marken weitergeführt werden. Flottenplanung, Verkauf und Marketing werden aber zusammengelegt.
Die neue Swiss Air Lines soll nach der billigeren Crossair-Methode aufgebaut werden. Sie soll sich vor allem auf den Geschäftsreiseverkehr auf innereuropäischen Direktverbindungen konzentrieren. Das Langstreckennetz soll reduziert werden, und zwar in dem Ausmass, dass auf ein Viertel der Langstreckenflugzeuge verzichtet werden kann. Gleichzeitig werden die Leistungen auf profitablen Langstrecken verbessert.
Verkleinerte Konzernleitung
Die Konzernleitung wird von 14 auf sechs Mitglieder zurückgestutzt. Mit dabei sind neben Konzernchef und Verwaltungsratspräsident Mario Corti noch Finanzchefin Jacqualyn Fouse, Flugbetriebschef André Dosé, Gate-Gourmet-Chef Hennig Boysen, SR-Technics-Chef Hans Ulrich Beyeler sowie der Leiter von Swisscargo, Klaus Knappick.
Corti sagte laut Mitteilung zum neuen Sanierungsplan, die volle Integration von Swissair und Crossair mache es möglich, eine Schweizer Qualitäts-Airline zu erhalten. Er begrüsse besonders, dass Ulrich Bremi ernannt worden sei für die Federführung der Rekapitalisierungs-Übung, auf die sich Vertreter des Bundes und der Wirtschaft am Wocheende geeeinigt haben. In die Fähigkeiten des neuen Flugbetriebschefs Dosé habe er vollstes Vertrauen.
Was mit den anderen acht Konzernleitungs-Mitgliedern passiert, war zunächst nicht bekannt.
Mögliche Grundlage für Engagement des Bundes
Das Eidgenössische Finanzdepartement (EFD) sieht im neuen Sanierungsplan eine mögliche Grundlage für ein Mitmachen des Bundes bei der geplanten Rekapitalisierung.
EFD-Kommunikationschef Daniel Eckmann erinnerte am Montag auf Anfrage daran, dass der Bundesrat eine Beteiligung der Eidgenossenschaft an der Rekapitalisierung von drei Bedingungen abhängig gemacht habe. Erstens müsse der Impuls von der Wirtschaft kommen, was am Wochenende mit der Bildung des Arbeitskreises unter Leitung von Ulrich Bremi geschehen sei. Zweitens müssten alle relevanten Kräfte, darunter auch das Personal, mitziehen. Diese Kontakte seien erst angelaufen. Und drittens müsse eine langfristig Erfolg versprechende Perspektive für die Swissair bestehen.
«Dafür kann das nun vorgestellte Konzept eine Grundlage sein», sagte Eckmann. Noch sei es aber verfrüht, das erst in den Grundzügen bekannte Konzept zu bewerten.
Börse reagiert positiv
Bereits bei Börseneröffnung schnellte die Swissair-Aktie in die Höhe. Die Anleger reagierten also positiv auf den verschärften Sanierungsplan.
swissinfo und Agenturen
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