Übernahmekampf um Sulzer verschärft sich
Knapp zwei Wochen vor der entscheidenden General-Versammlung wird heftig um die künftige Vorherrschaft im Sulzer-Konzern gekämpft: InCentive hat am Freitag (06.04.) das Angebot für die Sulzer-Aktionäre erhöht. Sulzer lehnt weiterhin ab.
Bereits am Donnerstag hat der Sulzer-Konzern neue Kennzahlen zum Sulzer-Industrieteil veröffentlicht. Demnach werden aus dem geplanten Verkauf von Industrieteilen ein Erlös von rund 400 Mio. Franken erwartet.
Einen Tag später legten nun der Übernahme-interessierte Financier Braginsky und seine InCentive den Sulzer-Aktionären eine neue Offerte vor: Die Aktionäre sollen eine InCentive-Aktie pro Sulzer-Titel erhalten statt der ursprünglich angebotenen 0,9 Aktien. Falls der Kurs der InCentive-Aktie am 13. Dezember 2002 unter 400 Franken liege, erhalte der Inhaber des Wertpapiers die Differenz zwischen 400 Franken und dem Referenzkurs am 13. Dezember, jedoch höchstens 100 Franken in bar, heisst es in der Mitteilung. Drittens erhalten diejenigen Sulzer-Aktionäre, die das Bar-Angebot bevorzugen, 430 statt der zuvor gebotenen 410 Franken.
Die neuen Kennzahlen hätten seinen Entscheid für eine neue Offerte in keiner Weise beeinflusst, sagte Braginsky auf Anfrage. Zur Erhöhung des Angebots habe er sich nach Gesprächen mit einer angelsächsischen Investorengruppe entschlossen. Diese habe ein starkes Interesse an den InCentive-Papieren. Braginsky gab sich überzeugt, dass das neue Angebot den Aktionären zusätzlichen Anreiz biete.
Streit um Firmen-Wert geht weiter
Auch dieses Angebot lehne Sulzer klar ab, sagte Konzern-Sprecher Markus Niederhäuser. Braginskys neue Übernahme-Offerte beweise, dass das ursprüngliche Angebot weit unter dem wahren Wert der Sulzer-Industrie gelegen habe. Die jetzige Erhöhung sei so minimal ausgefallen, dass sich an der Haltung des Konzerns nichts ändere. Doch auch der Konzern selber geht wieder in die Offensive: Sulzer-Verwaltungsratspräsident Leonardo Vannotti und Konzernchef Fred Kindle wollen den Standpunkt der Konzernspitze am kommenden Montagmorgen an einer Medienkonferenz erläutern.
Analysten sehen das Rennen offen
Braginskys Aufbesserung des Angebots sei ein geschickter Schachzug, erklärte Patrick Laager, Analyst bei der Bank Sarasin. Die Absicherung durch Put-Optionen spreche vor allem ausländische Investoren an. Bei diesen liege voraussichtlich die Entscheidung im Übernahmekampf.
Nach Ansicht Laagers stehen die Chancen für InCentive und Sulzer derzeit unentschieden bei 50:50. Als grösstes Hindernis für Braginsky nannte er die Stimmrechts-Beschränkung, für deren Aufhebung eine Zweidrittels-Mehrheit nötig sei. Wäre diese Schwierigkeit nicht, läge Braginsky vorne, sagte Laager.
Auch Carla Barella, Analystin bei der Zürcher Kantonalbank, sprach von einem «offenen Rennen». Eine Zweidrittels-Mehrheit sei eine sehr hohe Hürde, sagte sie ebenfalls. Ihrer Ansicht nach hat Braginsky aber seine Chancen durch den um rund fünf Prozent erhöhten Preis nur marginal verbessert.
swissinfo und Agenturen
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