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Virus «I love you»: eine Million Schaden in der Bundesverwaltung

Das Computervirus 'I love you' von Anfang Mai hat in der Bundesverwaltung einen Schaden von rund einer Million Franken angerichtet. Wenig auskunftsfreudig zeigen sich hingegen Betriebe der Privatwirtschaft. Imagegründe mögen dabei eine Rolle spielen.

Das Virus hatte das E-Mailing bei einem grossen Teil der Bundesverwaltung für einen bis eineinhalb Tage lahmgelegt. Wie Claudio Frigerio, Sprecher des Bundesamtes für Informatik und Telekommunikation (BIT), ausführte, waren bundesweit 400 bis 500 PC vom Virus infiziert; bei ihnen waren die Dateien komplett gelöscht.

Ziemlich aufwändige Operation

Rund eine halbe Million Franken kostete es, bei rund 25’000 PC die Anti-Virus-Software zu aktualisieren. Für diese mussten auch die Sicherheitskopien wieder geladen werden, was gemäss Figerio ziemlich aufwändig war und eine Woche bis zehn Tage in Anspruch nahm. Die Kosten beliefen sich auf eine weitere halbe Million.

«Praktisch keine Schäden» konnte hingegen das Nachfolgevirus «Newlove» anrichten. Die nötige Anti-Viren-Software sei nämlich bereits aufgebaut gewesen, sagte der BIT-Sprecher. Üblicherweise werde die Software einmal pro Tag aufdatiert, in der «Hochphase» im Mai sei dies täglich vier- bis fünfmal geschehen.

Nachtschicht für 30 Leute

In der Konzernzentrale der Migros in Zürich waren rund 35 PC vom «I love you»-Virus infiziert. 1500 PC mussten kontrolliert werden, wofür 30 Leute einen Tag und eine Nacht lang im Einsatz waren, wie Sprecher Alfredo Schiliro sagte. Da es sich um Festangestellte gehandelt habe, würden die Kosten nicht speziell beziffert.

Ähnlich tönte es bei Coop: Der E-Mail-Server sei vorübergehend ausgeschaltet worden. Einige EDV-Leute hätten einen Sondereinsatz leisten müssen, sagte Pressesprecher Karl Weisskopf. Der direkte Schaden sei nicht zu beziffern, halte sich aber sicher in Grenzen.

Virus abgefangen

Bei der Grossbank UBS war es gemäss Pressesprecher Michael Willi gelungen, das Virus abzufangen. Die 32’000 Mitarbeitenden seien sehr schnell informiert worden. Zu Systemabstürzen sei es nicht gekommen.

Bei der Swisscom hingegen waren durch das Virus über 15’000 Mitarbeitende betroffen. Die Mail-Server fielen für eineinhalb Tage aus. Die Kostenfolgen seien jedoch nicht bezifferbar, erklärte Pressesprecher Sepp Huber.

Schliesslich hat selbst Microsoft Schweiz, deren E-Mail-Programm «Outlook» Ziel des Virusangriffs war, gemäss Pressesprecherin Maja Künzler den Schaden nicht ausgerechnet. Sie wies auf Anfrage bloss darauf hin, die Firma habe entsprechende Schutzmassnahmen für das «Outlook»-Programm getroffen.

Virusvorfälle kratzen am Image

Die Privatwirtschaft gebe eben nur sehr ungern und widerwillig Auskunft über derartige Vorfälle, sagte BIT-Sprecher Frigerio. Es herrsche die Meinung vor, jeder Virusvorfall kratze am Image und jedes Sicherheitsereignis in der Informatik stelle eine fahrlässige Lücke dar. «Aber bei Viren gibt es keinen absoluten Schutz.»

Weltweit richtete «I love you», das bösartigste aller bisher bekannten Computerviren, nach Schätzungen von Experten rund zehn Milliarden Dollar an Schäden an. Mindestens 45 Millionen Rechner waren befallen. So schnell wie «I love you» hatte sich bisher kein Virus verbreitet.

swissinfo und Agenturen

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