Weihnachtsorkan fordert mindestens zwölf Todesopfer und richtet gewaltige Schäden an
Der schwerste Wintersturm seit Menschengedenken hat am Weihnachtswochenende in der Schweiz mindestens zwölf Menschen das Leben gekostet und gewaltige Schäden in der bisher geschätzten Höhe von mehreren Hundert Millionen Franken hinterlassen.
Der schwerste Wintersturm seit Menschengedenken hat am Weihnachtswochenende in der Schweiz mindestens zwölf Menschen das Leben gekostet und gewaltige Schäden im Wald, an Gebäuden und der Infrastruktur hinterlassen. Der Bundesrat reagierte schockiert über das schwere Leid, das der Orkan verursachte.
Die bisher geschätzten Gebäudeschäden belaufen sich auf 100 bis 150 Millionen Franken. Hinzu kommen laut Hagelversicherung Schäden in Millionenhöhe an Pflanzenkulturen. Auch die Wälder wurden arg in Mitleidenschaft gezogen. Allein im Kanton Bern fällte der Sturm zwischen 800’000 und einer Million Kubikmeter Holz.
Die Orkane ‚Kurt‘ und ‚Lothar‘, die in mehreren Wellen von Westen über die Schweiz hinwegfegten, dürften jedoch verheerendere Folgen gehabt haben als die Jahrhundert- stürme ‚Vivian‘ und ‚Wiebke‘ im Februar 1990. Acht Menschen wurden von umstürzenden Bäumen erschlagen, drei im Kanton Aargau, drei im Kanton Bern sowie je einer in Zürich und in Wolfhalden (AR). Dächer oder Dachteile töteten zwei Menschen in den Kantonen Zug und Zürich.
Im Skigebiet oberhalb von Crans-Montana im Wallis starben zwei jugendliche Touristen aus Deutschland und Belgien, als die Gondel einer Seilbahn aus rund zwölf Metern Höhe auf der Piste zerschellte. Die Bahn hatte trotz Windböen von 110 Kilometern pro Stunde den Betrieb nicht eingestellt, als ein Baum auf das Kabel stürzte. Drei weitere Menschen in der Unglücksgondel wurden verletzt.
Mindestens ein Dutzend Menschen erlitten gemäss Polizeiangaben aus verschiedenen Teilen der Alpennordseite wegen umstürzender Bäumen oder vom Sturm weggerissener Dach- und Gebäudeteilen Verletzungen.
Die Windspitzen wurden zwar am Samstagabend mit Tempo 248 auf dem Jungfraujoch gemessen. Die Folgen waren aber am Sonntag viel fataler, weil der Orkan auch im Flachland Rekordwerte von gegen 150 Kilometern pro Stunde (Km / h) erreichte. Auf dem Hörnli im Zürcher Oberland wurden sogar 208 Km / h gemessen, und auf der Mastspitze des Zürcher Hausbergs Üetliberg 241 Km / h. Verheerend sind die Schäden im Wald. Allein im Kanton Luzern wurden nach Schätzung der Forstdirektion eine Million Kubikmeter Holz gefällt.
Auf Schiene, Strasse und in der Luft kam der Verkehr vorübergehend zum Stillstand. Die Heimkehr von den Weihnachtsfeiern oder die Abreise in die Ferien wurde für Tausende von Menschen zum einem Ding der Unmöglichkeit oder zur stundenlangen Geduldsprobe. Auch die Hauptverkehrsachsen waren von den Unterbrüchen betroffen. Der Flughafen Basel-Mülhausen war am Sonntag vorübergehend geschlossen; in Zürich-Kloten und Genf-Cointrin fielen zahlreiche Flüge aus.
Im Versorgungsgebiet der Bernischen Kraftwerke waren trotz des unermüdlichen Einsatzes von Hunderten von Monteuren auch am Montagmorgen noch Zehntausende von Haushalten ohne Strom. In der Nacht zum Montag kam es als Folge eines erneuten Sturmes im Berner Seeland zu Schäden am Stromnetz. Auch das Zürcher S-Bahn-Netz litt am Montagmorgen unter neuen unwetterbedingten Störungen.
SRI und Agenturen
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