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Welternährungstag 1999: Entwicklungsorganisationen fordern mehr Engagement für die Ärmsten

Die Schweizer Regierung soll sich an der WTO-Ministerkonferenz in Seattle (30.11.-04.12.1999) für die Ärmsten der Welt einsetzen. Diese Forderung haben die Entwicklungsorganisationen EvB und Swissaid im Vorfeld des Welternährungstags 1999 erhoben.

Die Schweizer Regierung soll sich an der WTO-Ministerkonferenz in Seattle (30.11.-04.12.1999) für die Ärmsten der Welt einsetzen. Diese Forderung haben die Entwicklungsorganisationen EvB und Swissaid im Vorfeld des Welternährungstags 1999 (16. Oktober) erhoben. Die EvB und die Stiftung Pro Specia Rara starten zudem eine Kampagne zum Schutz der Sortenvielfalt in der Landwirtschaft.

Die Welthandelsorganisation WTO nehme auf die Bedürfnisse der Entwicklungsländer und der Fauen kaum Rücksicht, kritisierten die Erklärung von Bern (EvB) und Swissaid am Freitag (15.10.) vor den Medien. Die Ernährungssicherheit müsse im künftigen WTO-Regelwerk verankert und das Menschenrecht auf Nahrung garantiert werden. Ausserdem müssten vor einer weiteren Liberalisierungsrunde zuerst die Auswirkungen der bisherigen Abkommen evaluiert werden, vor allem die unterschiedlichen Folgen für Männer und Frauen.

Gemäss EvB wollen die Industrieländer, darunter die Schweiz, an der WTO-Ministerkonferenz vom 30. November bis 4. Dezember eine neue Liberalisierung des internationalen Handels mit Gütern und Dienstleistungen einläuten.

Nach Ansicht von EvB und Swissaid haben die Regeln der WTO bislang weder die Voraussetzungen für eine nachhaltige Entwicklung geschaffen noch die Einkommensunterschiede zwischen reichen und armen Ländern verringert.

Swissaid und EvB verlangen von der Schweizer Regierung, sich auf der WTO-Konferenz für die Öffnung der Märkte der Industriestaaten für südliche Produkte einzusetzen. Gleichzeitig müssten die ärmsten Länder einen Importschutz erhalten, um verbilligte Überschussprodukte aus den Ländern des Nordens abwehren zu können. Im weiteren verlangen die beiden Schweizer Entwicklungsorganisationen die Anerkennung der Rechte von Bäuerinnen und Bauern auf ihr Land und ihr Saatgut. Die Ressourcen indigener Völker müssten zudem gesichert werden, indem die Biodiversitätskonvention Vorrang gegenüber dem Abkommen über handelsbezogene geistige Eigentumsrechte (Trips) bekomme. Nebst Tieren und Pflanzen müssten auch Mikroorganismen und mikrobiologische Prozesse von der Patentierbarkeit ausgeschlossen werden.

Um dieser letzten Forderung Nachdruck zu verleihen, lancierten die EvB und Pro Specia Rara aus Anlass des Uno-Welternährungstages 1999 (16. Oktober) die Informations-Kampagne ‚Vielfalt statt Einfalt‘. Die Kampagne soll die Öffentlichkeit auf die heutige Bedrohung der Sortenvielfalt in der Landwirtschaft aufmerksam machen. Die während Jahrhunderten weltweit gewachsene Vielfalt werde zunehmend duch die Globalisierung der Landwirtschaft und der Lebensmittelindustrie sowie durch Patente und Gentechnologie bedroht, betonen EvB und Pro Specia Rara.

SRI und Agenturen

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