Die Woche in der Schweiz
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Erinnern Sie sich noch daran, wo Sie waren, als Sie die aussergewöhnlichen Bilder des von einem Erdrutsch heimgesuchten Blatten sahen? Ein Jahr nach der Katastrophe erzählen Betroffene, was sich verändert hat – und wie das Leben weitergeht.
Freundliche Grüsse aus Bern,
Am Donnerstag war es genau ein Jahr her, dass ein abstürzender Gletscher weite Teile des Dorfes Blatten im Wallis zerstörte. Zwölf Monate später schickten alle Schweizer Zeitungen wieder ihre Leute vor Ort.
«Wer an diesem Maitag im Lötschental steht, merkt schnell: Für die Menschen hier ist die Erinnerung sehr präsent. Sie steckt im Talboden, im Schuttkegel. Und sie steckt in einem kleinen Schlüssel. den Gemeindepräsident Matthias Bellwald aus dem Hosensack zieht», schrieb der Tages-Anzeiger. «Der Schlüssel hängt am Schlüsselbund. Er sieht aus wie jeder andere. Doch die Tür, zu der er gehört, gibt es nicht mehr.«
Am 28. Mai 2025 brach der Birchgletscher oberhalb von Blatten unter dem enormen Gewicht der Felsmassen vom abrutschenden Kleinen Nesthorn zusammen. In nur 40 Sekunden stürzten über neun Millionen Kubikmeter Fels, Schlamm, Eis und Geröll mit bis zu 300 km/h den Hang hinunter, verschütteten das Dorf und begruben rund 130 Gebäude. Innerhalb weniger Stunden staute sich die Lonza und überschwemmte weitere Häuser. Alle 300 Einwohnerinnen und Einwohner waren evakuiert worden, doch ein 64-jähriger Hirte kam ums Leben. Der versicherte Gesamtschaden durch den Erdrutsch wird auf 255 Millionen Franken geschätzt.
«Blatten – zwischen Trauer und Wiederaufbau» lautete die Schlagzeile in 24heures. Der Plan sieht vor, dass Blatten bis 2029 wieder auf den Beinen ist.
«Wie das neue Blatten aussehen und wie viele Einwohner es haben wird, kann niemand sagen», schloss die Reportage in der Neuen Zürcher Zeitung. «Sicher ist aber schon jetzt: Die Zugehörigkeit zum Dorf wird nicht mehr bloss vererbt. Sie entsteht durch den persönlichen Entschluss.»
Wie Swissinfo herausfand, sind lokale Vereine der Kitt geworden, der eine zerstreute Gemeinschaft zusammenhält. In unserem Bericht erklären wir, wie der Musikverein Fafleralp Blatten die Entschlossenheit der Dorfbewohner:innen verkörpert, die Verbindungen aufrechtzuerhalten, wieder einen Anschein von Normalität zu erlangen und optimistisch in die Zukunft zu blicken.
«Zum ersten Mal seit Jahrzehnten ist die Schweiz nicht mehr weltweit führend in der Vermögensverwaltung«, erklärte RTS am Mittwoch. «Eine Entwicklung, die im Schweizer Finanzzentrum Besorgnis auslöst.»
Ein Ranking der Boston Consulting Group (BCG) berichtete, dass Vermögensverwalter im chinesischen Territorium Hongkong im Jahr 2025 internationale Vermögenswerte in Höhe von 2,9 Billionen US-Dollar (2,3 Billionen CHF) verwaltet hätten.
«Der stärkere Anstieg in Hongkong [10,7% gegenüber 7,6% in der Schweiz] spiegelt in erster Linie den Zufluss von Geldern aus Festlandchina wider, wo derzeit weltweit die meisten Vermögen geschaffen werden. Diese Gelder machten nicht weniger als 60% des verwalteten Vermögens aus», so RTS.
BCG prognostizierte, dass der rasante Anstieg der asiatischen Vermögen die Kluft zwischen Hongkong und der Schweiz bis zum Ende des Jahrzehnts auf fast 600 Milliarden US-Dollar vergrössern würde.
Am Donnerstagmorgen wurden am Bahnhof Winterthur drei Personen von einem Mann niedergestochen, der Berichten zufolge «Allahu Akbar» rief.
Die Opfer, Männer im Alter von 28, 43 und 52 Jahren, wurden ins Krankenhaus gebracht. Ihre Verletzungen sind nicht lebensbedrohlich. Die Polizei teilte mit, dass der 31-jährige Mann mit schweizerisch-türkischer Doppelstaatsbürgerschaft, der in der Schweiz geboren wurde, vor zehn Jahren im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen die An’Nur-Moschee in Winterthur als Verdächtiger galt. Damals wurde er wegen Verstosses gegen ein strafrechtliches Verbot der Terrorgruppe ISIS angeklagt.
Am Montag kontaktierte der Mann die Stadtpolizei und machte «zusammenhanglose Aussagen». Daraufhin wurde er in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Am Mittwoch bescheinigte ein Arzt, dass er keine Gefahr mehr für sich selbst oder andere darstelle, und er durfte die Klinik verlassen.
Die psychiatrische Abteilung in Winterthur hat eine externe Untersuchung eingeleitet, die die Abläufe und Verantwortlichkeiten untersuchen wird, die zur Entlassung des Mannes geführt haben.
Corine Mauch, 17 Jahre lange Stadtpräsidentin von Zürich, übergab am Dienstag die Schlüssel zu ihrem Büro.
In ihrer letzten Rede als Stadtpräsidentin zeigte sich Mauch, die am Donnerstag 66 Jahre alt wurde, zufrieden mit der Entwicklung der grössten Stadt der Schweiz, die während ihrer Amtszeit um 70’000 Einwohner:innen und 10’000 städtische Wohnungen gewachsen sei.
«Mauch hat 17 Jahre lang die Geschicke Zürichs diktiert«, schrieb die Neue Zürcher Zeitung am Mittwoch. «Sie kam als Politikerin, die kaum einer kannte und die zunächst unbeholfen auftrat. Sie ist die allererste Frau in der Liste von Stadtpräsidenten und Bürgermeistern, die bis ins Spätmittelalter zurückreicht. Mauch stand rasch für Weltoffenheit. In ihrer Zeit entwickelte sich die Stadt zu einer der begehrtesten Metropolen der Welt: top in der Lebensqualität, aber auch top bei den Lebenshaltungskosten.»
Mauch, Mitglied der Sozialdemokratischen Partei, wird von ihrem Parteikollegen Raphael Golta abgelöst.
Die kommende Woche
Die dreiwöchige Sommersession des Parlaments beginnt am Montag in Bern und dauert bis zum 19. Juni.
Am Dienstag veröffentlicht das Bundesamt für Statistik das nominale Lohnwachstum für 2026.
Am Donnerstag werden die Gewinner:innen der Schweizer Musikpreise vom Bundesamt für Kultur bekannt gegeben.
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