The Swiss voice in the world since 1935
Top Stories
Schweizer Demokratie
Newsletter
Ein Schild

Die Woche in der Schweiz

Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland

In den meisten Kantonen haben die Schulferien begonnen, und die Schweiz befindet sich im Ferienmodus. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir ins berühmte Sommerloch (auch bekannt als Saure-Gurken-Zeit) geraten sind.

Die Fussball-WM, aber auch die Hitzewelle haben in der Schweiz für reichlich Diskussionen gesorgt.

Viel Spass beim Lesen!

Fussballer auf dem Rasen
2014 hatte die Schweiz bei ihrem letzten WM-Duell gegen Argentinien letztlich den Kürzeren gezogen. Kann sich das Blatt diesmal wenden? Das Urteil fällt in der Nacht von Sonntag auf Montag. Keystone

Das Fussballfieber in der Schweiz ist in den letzten Tagen noch weiter angestiegen. Und das aus gutem Grund: Die Nationalmannschaft hat sich für das Viertelfinale der WM qualifiziert. Das ist seit 1954 nicht mehr vorgekommen, als die Schweiz selbst WM-Gastgeberin war.

Die Nati qualifizierte sich gegen Kolumbien im Elfmeterschiessen, nachdem in den 120 Minuten kein einziges Tor gefallen war. Ein langweiliges Spiel, das bei der internationalen Presse wenig Anklang fand. So schrieb die britische Daily Mail: «Das Achtelfinale bot unvergessliche Spiele, aber dieses hier war das schlechteste von allen.» Ein Sieg ohne grossen Glanz also, aber immerhin ein Sieg.

Die Schweiz trifft nun auf eine weitere südamerikanische Mannschaft, die jedoch von ganz anderem Kaliber ist: Argentinien mit Lionel Messi, dem amtierenden Weltmeister. Nach einem Glückstreffer gegen Ägypten schreitet Argentinien mit selbstbewusst voran. Der Anpfiff erfolgt am Sonntag um 3 Uhr (Schweizer Zeit).

Diese Woche hat die WM die Schweiz auch über Gianni Infantino eingeholt. Der FIFA-Präsident steht im Zentrum eines neuen Skandals, nachdem die rote Karte für einen US-amerikanischen Spieler am Vorabend des Achtelfinals USA-Belgien auf wundersame Weise zurückgenommen wurde. Eine beispiellose Intervention, die nach einem direkten Anruf von Donald Trump erfolgte, den belgischen Fussballverband verblüffte und in Europa einen heftigen Aufschrei auslöste. Eine Gruppe von Europaabgeordneten fordert sogar die Einleitung einer Untersuchung gegen den FIFA-Präsidenten. Doch die Fussballgötter haben die Gerechtigkeit bereits wiederhergestellt: Belgien hat die USA mit 4:1 vom Platz gefegt.

Trockener Rasen
Ein kurzer Blick auf den Boden genügt, um zu erkennen, dass die Trockenheit langsam zum Problem wird. Keystone / Peter Schneider

Neben dem Fussball hat sich die Hitze als das andere grosse Schweizer Thema der Woche durchgesetzt. Kaum hat man die Hitzewelle vom Juni verdaut, wird das Land erneut von einer Hitzewelle heimgesucht, die von einem starken Hochdruckgebiet über Westeuropa herangeführt wird. Meteoschweiz hat für den Grossteil des Landes eine Hitzewarnung der Stufe 3 ausgegeben.

In der Schweiz wie auch anderswo in Europa gilt die Sorge vor allem dem Risiko einer anhaltenden Dürre. «Ihr Ausmass ist bereits jetzt aussergewöhnlich. Die Grundlagen dafür wurden durch einen trockenen Frühling gelegt. Und die erste Hälfte des Sommers ist noch nicht einmal vorbei», erklärte der Meteorologe Klaus Marquardt gegenüber dem Blick.

Neben den offensichtlichen Auswirkungen auf die Ernten lässt die Trockenheit auch die Brandgefahr ansteigen. So sind innerhalb von weniger als einer Woche nicht weniger als sieben Brände auf den Feldern im Kanton Waadt ausgebrochen. Mehrere Kantone haben bereits Feuer im Wald verboten, während lokale Einschränkungen nun auch das Befüllen von Schwimmbädern und das Bewässern von Gärten betreffen.

Die Hitze hat schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit. Neue Zahlen zeigen, dass die letzte Hitzewelle 200 zusätzliche Todesfälle verursacht hat, wobei Menschen über 65 besonders gefährdet sind. Auch die Tiere stehen unter Druck: Die Hitzewelle lässt die Temperaturen in Flüssen und Seen gefährlich ansteigen, was Fische gefährdet und mehrere Kantone zu Sofortmassnahmen veranlasst; Jungvögel springen aus ihren zu heissen Nestern, bevor sie fliegen können; Igel leiden und kommen dehydriert und ausgehungert in die Auffangstationen.

Ein Warnschild
Achtung: Wer sich daran versucht, wird gestochen! Keystone / Gaetan Bally

Nicht alle Tiere vertragen die Hitze gleich gut. Während sich manche nur schwer daran anpassen können, kommen andere damit zurecht oder nutzen die Erwärmung sogar, um ihr Verbreitungsgebiet auszuweiten. Und das nicht immer zu unserer grössten Freude…

Der Rotmilan ist das perfekte Beispiel dafür: Sein Bestand explodiert seit den 1970er-Jahren, mit einer der weltweit höchsten Populationsdichten im Kanton Freiburg und in der Waadtländer Broye. Der Klimawandel und die Zersiedelung des Schweizer Mittellands bieten ihm Wühlmäuse und Insekten in Hülle und Fülle, weit mehr als in Frankreich, Spanien oder Deutschland. Die milderen Winter veranlassen ihn nun dazu, zu bleiben, anstatt zu ziehen. In der Schweiz konzentrieren sich heute etwa 10% des weltweiten Bestands dieses Raubvogels.

Weitaus kleiner als ein Raubvogel, aber in anderer Hinsicht problematisch, breitet sich die Eichenprozessionsraupe immer weiter aus. Ihre Brennhaare, die leicht vom Wind verweht werden, lösen starke allergische Reaktionen aus. Laut der Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft steht diese Ausbreitung in direktem Zusammenhang mit der Klimaerwärmung, die ihre Vermehrung begünstigt. Die Art besiedelt mittlerweile mehrere Hektar Wald in der Ostschweiz, einer Region, in der sie bisher so gut wie nicht vorkam.

Beschädigtes Gebäude
Das Ergebnis eines Überfalls auf ein Waffenfachgeschäft in Sion. Police cantonale valaisanne

Seit Beginn des Sommers sieht sich die Schweiz mit einer Serie von Einbrüchen in Waffengeschäfte konfrontiert, die in bisher ungekanntem Tempo verübt werden. Innerhalb weniger Wochen wurden mindestens sechs Geschäfte in mehreren Kantonen ins Visier genommen, fast immer von sehr jungen Tätern, überwiegend aus Frankreich. Die Behörden sprechen von einem besorgniserregenden Trend.

Die Ermittlungen zeigen, dass diese Überfälle nicht spontan erfolgen: Kriminelle Netzwerke rekrutieren Jugendliche über TikTok, Snapchat oder Instagram, um schnelle und riskante Aktionen durchzuführen. Die Vorgehensweisen werden immer gewagter: Einbrüche mit Sprengstoff, Fluchtfahrten mit über 200 km/h, in den Bergen zurückgelassene Autos und Verdächtige, die anschliessend versuchen, mit Bus oder Zug unterzutauchen.

Das Fedpol bestätigt, dass diese Einbrüche von internationalen Gruppen orchestriert werden, die die Straftaten an oft minderjährige «Soldaten» delegieren, die vom schnellen Geld angelockt werden. Einige der gestohlenen Waffen sind bereits in Frankreich im Zusammenhang mit städtischer Gewalt wieder aufgetaucht, was die Besorgnis der Schweizer Behörden noch verstärkt.

Zerstörung von Geldautomaten mit Sprengstoff, Diebstähle von Luxusautos, Homejackings: Kriminalität aus Frankreich trifft die Schweiz regelmässig. Doch die Täter bleiben nicht immer ungestraft, wie der Ausgang eines vielbeachteten Falls zeigt: Fünf Personen wurden in Frankreich wegen des Einbruchs mit Freiheitsberaubung gegen Alain Prost in Nyon unter Anklage gestellt. Drei Volljährige befinden sich in Untersuchungshaft, zwei Minderjährige unter richterlicher Aufsicht, und allen droht eine Freiheitsstrafe von bis zu 30 Jahren.

Spektakel von Basel Tattoo
Jedes Jahr versprüht Basel anlässlich des Basler Tattoos einen Hauch von keltischem Flair, wie hier bei der Ausgabe 2025. Keystone / Georgios Kefalas

Die kommende Woche

Die analoge Mondmission «Asclépios VI» beginnt dieses Wochenende am Sasso San Gottardo. Zwei Wochen lang wird dort ein internationales Studententeam das Leben in einer unterirdischen Mondbasis simulieren, um wissenschaftliche Experimente durchzuführen.

Beeinflussen die internationalen Spannungen bereits das Reiseverhalten? Einige Anhaltspunkte dazu liefern diese Woche zwei Schlüsselindikatoren des Schweizer Tourismus für den Monat Juni: die Passagierzahlen des Flughafens Zürich und die neuesten Zahlen zu den Hotelübernachtungen des Bundesamtes für Statistik.

Kulturell geht es nach Basel, wo am Freitag das Basel Tattoo seine Pforten öffnet. Eine Woche lang verleihen Dudelsäcke, Blaskapellen und Militärparaden der Stadt am Rhein einen Hauch von Edinburgh.

Meistgelesen
Fünfte Schweiz

Meistdiskutiert

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

Mehr: JTI-Zertifizierung von SWI swissinfo.ch

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft