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Heute in der Schweiz

Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland

Nun denken die meisten ans "Danach". Aber erst ein Impfstoff wird Covid-19 ein Ende setzen. Wer meint, das Virus werde so schnell verschwinden, wie es kam, irrt sich. Die Schweiz ist weit von einer "Herdenimmunität" entfernt. Das dürfte in Ihrer Wahlheimat nicht anders sein.

Herzliche Grüsse aus Bern.

Keystone / Pieter Stam De Jong

Bin ich infiziert worden, ohne etwas davon zu merken? Und wenn ja, wie lange bleibe ich immun? In den meisten Ländern hat sich bisher erst ein kleiner Teil der Bevölkerung angesteckt. Nur eine Minderheit ist immun. Aber wie lange?

In der Schweiz sind «erst» rund 26’000 Personen auf das Coronavirus positiv getestet worden. Die Dunkelziffer dürfte laut einer Studie zwar fünf Mal höher sein. Aber selbst, wenn in der Schweiz 125’000 Personen infiziert worden sind, entspräche dies nur 1,5 Prozent der Bevölkerung.

Die langfristige Kontrolle des Virus hängt davon ab, ob die Mehrheit der Menschen durch Infektion und Genesung oder durch Impfung immun wird. 

Soll man also so viel wie möglich testen, wie einige Epidemiologen fordern? «Nein, Corona-Tests kosten viel und bringen wenig«, sagt ein Infektiologe eines Schweizer Kantonsspitals.

  • «Mit Tests nach Infizierten zu suchen, bringt kaum Nutzen», sagt der Chefarzt am Kantonsspital St. Gallen in der Tageszeitung BlickExterner Link.
  • Eine Studie bringt laut MedienExterner Link der Tamedia-Gruppe etwas Licht auf die Dunkelziffer der Infizierten in der Schweiz. (Paywall)
  • Die Universität Bern erhöht die Testkapazität für Corona-Verdachtsproben, berichtet sie auf ihrer WebsiteExterner Link.
  • Die Pandemien der letzten 150 Jahre kamen in drei Wellen. Die zweite war jeweils die stärkste, berichten MedienExterner Link der CH-Media-Gruppe. (Paywall)
sda-ats

Noch werden täglich einige hundert Neuinfektionen bestätigt. Aber Antworten auf die Frage, was nach dem Virus auf uns zukommt, interessieren immer mehr. Zum Beispiel in den Spitälern und Arztpraxen, wo alle nicht dringlichen Behandlungen aufgeschoben wurden.

Im Kantonsspital Baden zum Beispiel können derzeit nur vier von zehn Operationssäle betrieben werden, berichtet Chefarzt Antonio Nocito in seinem Gastbeitrag in der Neuen Zürcher Zeitung. Der Chirurg scheint den frühen Feierabend, den er dem Virus verdankt, nicht nur zu geniessen.

Weil nicht nur die Operationen, sondern auch die Prävention und Diagnostik heruntergefahren wurden, werden manche Eingriffe immer dringlicher. Deshalb sagt der Chefarzt voraus: «Wenn die Schweiz wieder in den Normalmodus übergehen wird, beginnt in den Spitälern und Kliniken die grosse Hektik«.

  • Nocitos Gastbeitrag finden Sie hierExterner Link. (Paywall)
  • Groteske Situation in einigen Spitälern: Sie sind halb leer und beantragen Kurzarbeit, berichtete der Tages-AnzeigerExterner Link. (Paywall)
  • Gebären in der Zeit der Corona-Krise. Der Bericht einer Frauenärztin, die selber im neunten Monat schwanger ist, finden Sie in dieser LokalzeitungExterner Link. (Paywall)

Keystone / Peter Klaunzer

Trotz gebetsmühlenartigen Appellen der Behörden, nicht arbeiten zu gehen, wenn die Hygiene- und Abstandsregeln nicht eingehalten werden können: Manche Arbeitnehmende – sogar Risikopatienten – erscheinen weiterhin am Arbeitsplatz. Mehr als die Krankheit fürchten sie Arbeitslosigkeit.

Gefährdete Personen können zur Arbeit aufgeboten werden, sofern der Arbeitgeber die Schutzmassnahmen gewährleisten kann. Es braucht wenig Vorstellungsvermögen, um zu verstehen, dass dies zum Beispiel in Pflegeberufen oder in der Baubranche schwierig einzuhalten ist.

In einigen Medien berichten Betroffene, dass der Druck der Arbeitgeber auf die Belegschaft, zur Arbeit zu kommen, zugenommen habe,. Weil sie fürchteten, die Stelle zu verlieren, bleiben auch stark gefährdete Arbeitnehmende nicht zuhause.

Ein Logistiker, der die Missstände auf einer Baustelle des Pharmakonzerns Roche dokumentierte und auf Facebook veröffentlichte, erhielt von seinem Chef laut der Gewerkschaftszeitung die fristlose Kündigung.

  • Nun wehrt sich der entlassene Logistiker mit der Unterstützung der Gewerkschaft Unia vor Gericht, berichtet work.chExterner Link.
  • Dass der Sicherheitsabstand auf der Roche-Baustelle nicht eingehalten wurde, sehen Sie hierExterner Link.
  • Die Zeugenaussagen von Risikopatienten, die arbeiten gehen, obwohl die Schutzmassnahmen nicht eingehalten werden können, finden Sie auf watson.chExterner Link.

Seit dem 16. März dürfen Prostituierte ihrer Tätigkeit nicht mehr nachgehen und haben daher kein Einkommen mehr. Anne-Camille Vaucher

Hygiene-Massnahmen und Abstandsregeln lassen sich auch in jenem Beruf nicht anwenden, wo Körperkontakt angeboten wird: im Sexgewerbe. Seit dem 16. März ist die Ausübung der Prostitution wegen des Ansteckungsrisikos verboten.

Weil die Gesellschaft Sexarbeit stigmatisiert, wagen viele nicht, Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Einige tauchen unter. Aber «je versteckter die Prostitution, umso gefährlicher ist sie», sagen Fachleute. Die Betroffenen setzten sich nicht nur dem Ansteckungs-, sondern auch dem Gewaltrisiko aus.  

Einige ihrer Kolleginnen seien wegen der Coronakrise obdachlos geworden, als ihre Etablissements geschlossen wurden. Andere seien in ihre Herkunftsländer zurückgekehrt, oder könnten vorübergehend bei einem Freund oder Kunden unterkommen, erzählt eine Prostituierte.

Meine Kollegin, Katy Romy, hat sich im Rotlicht-Milieu umgesehen, mit Prostituierten und Fachleuten geredet, die den Prostituierten in dieser Krise unter die Arme greifen.

  • Die Reportage über die prekäre Situation von Prostituierten finden Sie bei uns.
  • Über die Auswirkungen des Berufsverbots für Sexarbeiterinnen berichtete auch das Schweizer Fernsehen SRF.
  • Eine Masseurin, die in ihrem Erotikbetrieb trotz des behördlichen Verbots weiterhin Freier empfing, erhielt einen Strafbefehl, berichtet die Zeitung BlickExterner Link.
Mann am Flughafen wartet auf Ab flug
Keystone / Armando Babani

Sollte der Bund auch ein Hilfspaket für Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer schnüren? Das wollten wir letzte Woche von Ihnen wissen.


Auf den Sozialen Medien und in unserer App gab es nach dem Artikel «Kein Geld, kaum Hilfe, aber ein Koffer voller Hoffnung» viele Kommentare zum Thema, ob Schweizerinnen und Schweizer im Ausland Hilfe vom Bund beanspruchen können sollen, wenn sie wegen der Pandemie in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten.

Die Meinungen gehen weit auseinander. Auf der einen Seite die Befürworter, die vor allem die fehlenden Strukturen in ihren Aufenthaltsländer in den Vordergrund rücken. «Wer unverschuldet in Not gerät, sollte Hilfe bekommen», schreibt etwa Urs P. Diethelm in unserer App.

Anderer Meinung ist etwa Chris Bruhwiler aus Thailand: «Als Auslandschweizer sind wir selbst verantwortlich. Es wäre unfair, von der Schweiz Hilfe zu erwarten, denn es gibt genügend Hilfsbedürftige im Inland.» Ebenfalls aus Thailand meldet sich Hans-Jörg Jäger und stimmt dieser Aussage zu: «Zuerst der Schweiz den Rücken kehren und dann Hilfe beantragen und natürlich keine Steuern bezahlen!? Wie soll das gehen? Was sollen die Schweizer in der Schweiz denken?»

Jäger hätte möglichst schnell Rücklagen gebildet. So sollte er sechs Monate überstehen, ohne jemanden von seinen 25 Angestellten entlassen zu müssen. Und dies, obwohl das Hotel leer steht und das Restaurant für die Öffentlichkeit gesperrt ist.

Schweizerinnen und Schweizer im Ausland sind zu Zeiten von Corona besonders gefordert. Doch es gibt Institutionen, die ihnen weiterhelfen: Die Auslandschweizer Organisation ASO hat die sieben wichtigsten Fragen zu Covid19 zusammengestellt. Und auch der Verein Soliswiss hat in einem Fachartikel die Möglichkeiten aufgelistet, die Auslandschweizer haben, um finanzielle Unterstützung zu erhalten.

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Debatte
Gastgeber/Gastgeberin Melanie Eichenberger

Sollte der Bund auch ein Hilfspaket für Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer schnüren, die wegen der Pandemie in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten sind?

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