Heute in der Schweiz
Liebe Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer
Die Besetzung des Bundesplatzes durch die Klimajugend in den letzten Tagen führte mir vor Augen, wie unpolitisch meine Generation unterwegs war. Das heisst nicht, dass ich die Aktion per se befürworte, mutig finde ich es von den Jugendlichen aber trotzdem. Jetzt ist der Platz geräumt.
Herzliche Grüsse aus Bern
Die Aktion der Klimajugend ist beendet. Nach Verstreichen des letzten Ultimatums der Stadt Bern hat die Polizei die Protestierenden letzte Nacht – zum Teil bei starkem Regen – abtransportiert. Die Räumung lief weitgehend friedlich ab.
Diese Besetzung war akribisch geplant. Die Vorbereitungen auf die Aktionswoche seien schon seit Wochen gelaufen, schreibt etwa der Tages-Anzeiger. «Arbeitsgruppen schrieben Packlisten und erarbeiteten einen 27-seitigen Leitfaden, der die Demonstranten über die rechtlichen Konsequenzen ihres Tuns aufklärt», heisst es im Tagi weiter.
Ausserdem fällt auf, dass das Gesicht des Klimaprotests mehrheitlich weiblich ist. «Das ist ein bewusster Entscheid», wie Kim Teuscher, eine Sprecherin, im Tages-Anzeiger erklärt: Sobald auch Männer als Sprecher aufträten, würden diese deutlich häufiger zitiert.
Für grossen Ärger sorgte das Camp, weil Kundgebungen während der Session des Eidgenössischen Parlaments seit 1925 verboten sind. Umstritten ist dieses Verbot jedoch nicht. Aktuell läuft die letzte Woche der Herbstsession. Der Protest spaltete offensichtlich auch die Räte, wie verschiedene Videos auf Social Media oder in den Medien beweisen.
- «Es ist Absicht, dass Frauen den Protest anführen», schreibt Tamedia. HierExterner Link geht’s zum Artikel. (Paywall)
- So ist die Räumung vonstattengegangen, wie Watson.chExterner Link berichtet.
- HierExterner Link streiten sich eine Nationalrätin und ein Nationalrat.
- Brauchen wir jedes Jahr eine Klimapause, wie es während des Lockdowns der Fall war? Lesen Sie hier die Meinung von Katrin Schregenberger.
- Über die Hintergründe der Proteste berichtete meine Kollegin Katy Romy vorgestern.
Heute hat die Vereinigte Bundesversammlung alle wieder angetretenen Bundesrichter wiedergewählt. Zum ausserordentlichen Bundesanwalt wurde Stefan Keller gewählt – er soll dafür sorgen, dass es in der «Affäre Lauber» vorwärts geht.
Eine politisch motivierte Abwahlempfehlung gegen einen eigenen Richter ist ungewöhnlich, doch genau dies machte die Schweizerische Volkspartei (SVP) im Vorfeld zu den Bundesrichterwahlen. Deshalb forderte die Sozialdemokratische Partei (SP) sogar eine Verschiebung der Wahl auf Dezember.
Diese Forderung lehnte die Vereinigte Bundesversammlung jedoch ab. So war die Wahl trotz grosser Spannung relativ unspektakulär. Alle wieder Angetretenen wurden wiedergewählt.
Mehr zu reden gibt aber nach wie vor die «Affäre Lauber». Heute wurde der Staatsanwalt Stefan Keller vom Parlament gewählt. Er soll das Strafverfahren führen gegen den ehemaligen Bundesanwalt, Michael Lauber, und Gianni Infantino, Präsident des Internationalen Fussballverbands Fifa. In diesem Fall, der seit fast zwei Jahren festgefahren ist, könnte nun endlich etwas passieren.
- Meine Kollegin Marie Vuilleumier hat Remi Dupré dazu interviewt. Er ist Journalist in der investigativen Abteilung der französischen Zeitung Le Monde und Spezialist für juristische Angelegenheiten im Zusammenhang mit der Fifa.
- Wie Lauber an der Fifa scheiterte. Darüber haben wir im Mai berichtet.
- Die Meldung zu den heutigen Bundesrichter-Wahlen.
Der Einbezug der Privatwirtschaft in öffentliche Entwicklungshilfe ist ein globaler Trend. Die Schweiz folgt diesem nun mit ihrer neuen Strategie der internationalen Zusammenarbeit.
Ein Beispiel: Die Schweiz unterstützt in Indonesien Kleinbauern bei der nachhaltigen Kakaoproduktion. Dieses Programm wird aber nicht nur durch öffentliche Gelder finanziert, sondern auch mit Geld von grossen Firmen.
Solche Beispiele von «öffentlich-privaten Partnerschaften» machen jetzt Schule. Mit der neuen Strategie zur internationalen Zusammenarbeit 2021–2024 (IZA) will die Schweiz den Privatsektor verstärkt in die Entwicklungshilfe miteinbeziehen – der Anteil ko-finanzierter Projekte soll von derzeit 5% bis 2024 verdoppelt werden.
Laut der neuen Deza-Chefin Patricia Danzi ist der Einbezug der Privatwirtschaft in die Entwicklungshilfe ein Bedürfnis der Entwicklungsländer selbst, die nicht ewig von Hilfe abhängig sein wollen.
- Hier geht’s zum Artikel meiner Kollegin Sibilla Bondolfi.
- Es liegt zwar im Trend, vorsichtig sollte die Schweiz bei der Zusammenarbeit mit dem «Big Business» aber trotzdem sein, wie meine Kollegin Jessica Davis Plüss auf swissinfo.ch schreibt.
- Bei der Entwicklungshilfe will sich die Schweiz zukünftig auch geografisch fokussieren. Lesen Sie hier.
Noch etwas aus der Swissabroad-Community: Ein prominenter Auslandschweizer macht nämlich von sich reden. In der Nacht auf gestern wurde der Eishockey-Spieler Roman Josi zum weltbesten Verteidiger ausgezeichnet.
Das hat vor ihm noch kein Schweizer geschafft! Dabei wollte er als kleiner Junge lieber Fussball spielen als Eishockey, wie der Tages-Anzeiger schreibt. Der «Bärner Gieu» Roman Josi durchlebt gerade bewegte Zeiten.
Im Juli 2019 hat er geheiratet, im Oktober 2019 unterschrieb er in der NHL bei den Nashville Predators einen 72-Millionen-Dollar-Vertrag bis 2028, und im vergangenen Mai wurde er Mitbesitzer bei seinem Stammclub, dem Schlittschuhclub Bern SCB.
Ausserdem erwarten er und seine Ehefrau im Februar ihr erstes Kind. Josi ist bodenständig und beliebt. Bei ihm habe man nie das Gefühl, dass er gestresst sei. «Ich bin halt ein typischer Berner», sagt er.
- Der Artikel vom Tages-Anzeiger: http://s.swissin.fo/E4dSi04Externer Link (paywall)
- So wurde er zum Star. Ein Blick auf seine Karriere auf 20MinutenExterner Link.
- Hier Externer Linkbedankt sich Josi für die Auszeichnung (Englisch).
Und zum Schluss noch dies: Weg von Kommentaren hin zu Beiträgen, das sind unsere Bestrebungen bei SWI swissinfo. Aber was bedeutet das überhaupt?
So lief es bisher ab: Wir publizieren einen Artikel. Sie schreiben Kommentare. Wir filtern diese Kommentare und schalten eine Auswahl aufgrund unserer Richtlinien entweder frei oder lehnen sie ab. Das soll in Zukunft anders laufen.
Unser Ziel ist es, mit Ihnen in Kontakt zu treten, mit Ihnen zu diskutieren und Ihre Meinung abzuholen. Genau aus diesem Grund ist es nun nicht mehr nur auf unserer App SWIplus möglich, bei unseren Debatten mitzureden, sondern auch auf unserer Webseite.
Meine Kolleginnen und Kollegen von swissinfo.ch und ich fragen Sie regelmässig, was Sie über ein bestimmtes Thema denken oder wie ihre persönlichen Erfahrungen aussehen. Hier zeige ich Ihnen eine Auswahl unserer Fragen der letzten Wochen:
Mehr
Mehr
Mehr
Reden Sie mit, wir freuen uns auf Sie!
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards