Heute in der Schweiz
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Heute geht es im Briefing um Leben und Sterben. Die Lebensfreude nach einem gewonnenen Fussballspiel, die Lebensqualität in Schweizer Städten. Aber auch um die tödliche Gefahr von Hitzewellen – und um eine Schweizer Ärztin, die den Tod zu ihrem Lebensinhalt machte.
Leben Sie wohl,
herzliche Grüsse aus der Schweiz
Der Fussballtraum geht weiter: Mit einem Sieg im Penaltyschiessen steht die Nati erstmals seit den 1950er-Jahren wieder in einem WM-Viertelfinal.
Die Schweizer Männer-Nati schreibt Fussballgeschichte: In der Nacht auf heute hat sich die Mannschaft beim Penaltyschiessen gegen Kolumbien ins Viertelfinale der WM gekämpft. Das ist zuletzt in den 1950er-Jahren passiert.
Das Penaltyschiessen war ein dramatisches Ende eines mässig interessanten Spiels, nach 120 Minuten stand es immer noch 0:0. Nachdem der zweite Schweizer Schütze Manuel Akanji den Ball über das Tor hinausschoss, folgten bange Momente für die Schweizer Fans. Doch die Nati behielt die Nerven. Die nächsten Schweizer Schützen trafen alle, und Goalie Gregor Kobel parierte den vierten Versuch der Kolumbianer souverän. Den entscheidenden Penalty verwandelte schliesslich Rubén Vargas als fünfter Schütze.
Für das Viertelfinale verlässt die Nati Vancouver, es wird in Kansas City stattfinden. Gegner ist der amtierende Weltmeister Argentinien. Mit den Südamerikanern haben die Schweizer noch eine Rechnung offen. An der WM 2014 verloren sie im Achtelfinal nach Verlängerung 0:1. Und dieses Mal? «Wir gewinnen die WM», sind sich jedenfalls die Fans, die gestern bis spät in die Nacht feierten, einig. Für das Spiel müssen sie lange aufbleiben oder früh aufstehen: Es wird am Sonntagmorgen um 3 Uhr Schweizer Zeit angepfiffen.
Eine neue Hitzewelle trifft die Schweiz – ein Risiko, das immer noch unterschätzt wird. Neue Zahlen zeigen die tödlichen Folgen von Hitzewellen.
Gerade ist auf meinem Handy eine Warnung für eine «markante Hitzewelle» eingegangen, die am Wochenende mit Temperaturen von über 30 Grad Zürich heimsuchen soll. Auch für grosse Teile der Kantone Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Tessin sowie Waadt und Genf wurde erneut die Hitzewarnstufe drei ausgesprochen.
Dass Hitzeperioden ernstzunehmende Gefahren sind, zeigen die neuen Sterblichkeitszahlen des Bundes. Die letzte Hitzewelle hat in der Schweiz rund 200 zusätzliche Tote gefordert, wie SRF berichtet.
Von der Übersterblichkeit betroffen sind vor allem Menschen im Alter über 65 Jahre. Auf dem Totenschein steht jedoch nur in den seltensten Fällen «Hitze». Die Senior:innen sterben an Herzinfarkt, Kreislaufversagen oder Atemwegerkrankungen. Nur bei einem klassischen Hitzschlag mit Organversagen lässt sich Hitze als Todesursache feststellen. Doch die hohen Temperaturen verschärfen bestehende Erkrankungen.
Die Zahlen aber lügen nicht: «Die Sterblichkeit steigt genau dann an, wenn eine Hitzewelle da ist», schreibt SRF. Deshalb spreche man auch von Übersterblichkeit und nicht von Hitzetoten.
Kaum jemand hat den Umgang mit Sterben und Tod so geprägt wie Elisabeth Kübler-Ross. Heute wäre die Schweizer Ärztin 100 Jahre alt geworden.
Elisabeth Kübler-Ross hat sich ebenfalls mit dem Sterben befasst – und ist damit berühmt geworden. Die NZZ widmet der Schweizer Ärztin, die heute hundert Jahre alt geworden wäre, ein Porträt.
Als eine der ersten hat Kübler-Ross, die sich ihr Medizinstudium gegen den Willen ihres Vaters erkämpfen musste, sich mit Sterbenden befasst. Nicht nur über sie geforscht, sondern ihre Perspektive miteinbezogen.
Die «Grande Dame der Sterbeforschung» verbrachte den grössten Teil ihres Lebens als Auslandschweizerin in den USA, wohin sie mit ihrem amerikanischen Mann zog. Aus ihren Interviews mit Sterbenden ist das Buch «On Death and Dying» entstanden, das ein internationaler Bestseller wurde.
Als nach mehreren Schlaganfällen Kübler-Ross’ eigenes Ende nahte, sah sie dem Tod jedoch nicht gelassen entgegen. In den späteren Jahren ihres Lebens wandte sie sich zunehmend spirituellen und esoterischen Vorstellungen zu – ein Kurswechsel, der ihr auch Kritik einbrachte. In einem Auftritt in der Talkshow von Oprah Winfrey zürnte sie dem Tod. Doch wie in ihren beruflichen Begegnungen mit dem Tod stellte sie fest, dass Sterben erträglicher wird, wenn man darüber spricht. Kübler-Ross lebte zuletzt in Arizona und starb 2004 mit 78 Jahren.
Zürich und Genf gehören weiterhin zu den lebenswertesten Städten der Welt. Im neusten Ranking müssen beide aber Konkurrenz vorbeiziehen lassen.
Widmen wir uns zum Schluss nochmals dem Leben, und zwar der Lebensqualität. Die Economist-Gruppe hat ihr aktuelles Städteranking herausgegeben und die Schweiz ist gleich mit zwei Städten in den Top Ten vertreten. Zürich liegt auf Platz fünf, Genf dahinter auf Platz sechs.
Allerdings haben beide Schweizer Städte Plätze verloren, Zürich belegte im Ranking ein Jahr zuvor noch den zweiten Platz, Genf den fünften. Beide Städte erhielten in der Kategorie Kultur und Umwelt tiefere Bewertungen. Allerdings lasse der Bericht offen, warum die beiden Städte dort schlechter abschnitten, wie der Tages-Anzeiger festhält.
24 Heures führt den Rückfall Genfs vor allem auf das Aufholen anderer Städte zurück. So verbesserten sich etwa Sydney und Melbourne, während Tokio wieder in die Top Ten vorstiess. Die beste Lebensqualität findet man gemäss des Rankings in Kopenhagen, gefolgt von Wien und Melbourne.
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