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Trockener Boden

Heute in der Schweiz

Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland

Die Schweiz ist das Wasserschloss Europas. Ich erinnere mich, wie ich diese beruhigende Tatsache in der Schule gelernt habe. Wasser ist ein kostbares Gut, mit dem man sparsam umgehen sollte. Aber in der Schweiz, so hiess es, seien die Reserven mehr als ausreichend.

Heute gehe ich auf die Vierzig zu, und die Lage sieht anders aus. Selbst hier wird das Wasser langsam knapp – mit konkreten Folgen, die wir in diesem Briefing näher anschauen.

Gute Lektüre!

Wegen der Trockenheit werden Wasser und Futter knapp: Viele Älpler:innen treiben ihre Tiere bereits zurück ins Tal.
Wegen der Trockenheit werden Wasser und Futter knapp: Viele Älpler:innen treiben ihre Tiere bereits zurück ins Tal. Keystone / Jean-Christophe Bott

Einschränkungen beim Wasserverbrauch, Kühe, die vorzeitig die Alp verlassen, und Bergsteiger in Gefahr: Die Medien beleuchten die Folgen einer der schlimmsten Dürren, die je in der Schweiz verzeichnet wurden.

Die Schweiz verzeichnet eines der stärksten Niederschlagsdefizite seit Messbeginn 1864. Zahlreiche Kantone und Gemeinden schränken die Wasserentnahme, das Bewässern oder das Füllen von Schwimmbecken ein, um Fliessgewässer und Grundwasser zu schützen. Auch die Fische leiden: Zu ihrem Schutz werden Notabfischungen organisiert. Der Kanton Solothurn hat sogar beschlossen, das Baden in bestimmten Gewässern zu verbieten, während andere Behörden auf Sensibilisierung setzen.

Die Trockenheit macht sich auch auf den Alpen bemerkbar. Wasser und Futter werden bereits knapp. Das zwingt einige Landwirt:innen, ihr Vieh früher als geplant ins Tal zu bringen und manchmal sogar mehr Tiere zu schlachten. Die politische Reaktion liess nicht lange auf sich warten: Der SVP-Nationalrat Ernst Wandfluh will eine Motion einreichen. Damit soll der Bund dazu angehalten werden, in zusätzliche Wasserspeicher in den Bergregionen zu investieren.

«Das Matterhorn wird auch nächstes Jahr noch da sein.» Mit diesen Worten empfiehlt Pierre Mathey, Geschäftsführer des Schweizer Bergführerverbands, den Alpinist:innen, die für diesen Sommer geplanten Besteigungen zu verschieben. Problematisch sind hier die Hitze und der Schneemangel: Steinschläge häufen sich und gefährden selbst die erfahrensten Bergsteiger.

Demonstration
Die Wohnungsknappheit führt in der Schweiz regelmässig zu Demonstrationen, insbesondere in Zürich, wo sie besonders akut ist. Keystone / Ennio Leanza

Die Verschärfung der «Lex Koller», die den Zugang ausländischer Käufer zum Schweizer Immobilienmarkt einschränken soll, sorgte in der Vernehmlassung für Diskussionen. Die Reform spaltet Politik und Wirtschaft, und ihre Wirksamkeit überzeugt nicht.

Die Gesetzesreform findet bei den Parteien an den Rändern des politischen Spektrums Anklang. Die SP und die SVP begrüssen das Vorhaben, das als Antwort auf die Wohnungskrise die Beschränkungen verschärfen will. Sie sind der Meinung, dass ausländisches Kapital auf dem Immobilienmarkt den Preisanstieg anheizt.

Wirtschaftsnahe Parteien und Verbände befürchten hingegen gravierende Auswirkungen. Die Grünliberale Partei fürchtet eine Schwächung der Attraktivität des Landes, während die Mitte erhebliche Risiken für den Wirtschaftsstandort, den Immobilienmarkt und den Tourismus sieht. Auch die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB) hält das Projekt für kontraproduktiv.

Peinlicher für die Regierung: Die von ihr selbst in Auftrag gegebene Wirkungsanalyse kommt zu einem harschen Fazit. Sie kommt zum Schluss, dass die vorgeschlagenen Massnahmen «nicht geeignet sind, die Probleme des Wohnungsmarktes in irgendeiner Weise signifikant zu mildern. Im Gegenteil besteht das Risiko, dass diese Probleme noch verschärft werden». Angesichts dieser Schlussfolgerungen werfen einige Stimmen dem Bundesrat vor, er habe eher ein politisches Signal im Hinblick auf die Abstimmung über die 10-Millionen-Initiative senden wollen, als auf die Wohnungskrise zu reagieren.

Auslandrenten
Ein Rentner fischt in Cran Canaria (Symbolbild). Keystone

Ob in Thailand, in der Karibik, in Ungarn oder in Spanien: Immer mehr Schweizer:innen wandern im Ruhestand aus. Oft aus finanziellen Gründen, aber nicht nur. 20 Minuten zeigt die Geschichte von sieben von ihnen.

«In der Schweiz würde ich verarmen – hier besitze ich vier Autos.» Der in Ungarn lebende Rentner Helmut erklärt, warum er die Schweiz verlassen hat. Dass sich 20 Minuten für die ausgewanderten Rentner:innen interessiert, liegt auch daran, dass sie im Zentrum der Aktualität stehen: Die AHV hat 40 Millionen Franken zu viel ins Ausland überwiesen, da einige Todesfälle oder Wegzüge nicht gemeldet wurden.

Andere Erfahrungsberichte zeigen, dass die Beweggründe nicht nur finanzieller Natur sind. «In Europa werden alte Menschen einfach beiseitegeschoben – hier ist das noch nicht so», sagt der 66-jährige Alfred. Er lebt seit acht Jahren mit seiner aus Thailand stammenden Frau in Thailand.

Doch es ist nicht alles rosig, wenn man ans andere Ende der Welt zieht. Der 67-jährige Markus, der ebenfalls nach Thailand ausgewandert ist, um in der Schweiz keine Ergänzungsleistungen beantragen zu müssen, hat Mühe, die Sprache zu lernen. Ausserhalb der Beziehung zu seinem Mann hat er bisher nur wenige soziale Kontakte.

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