620’000 waren im Basler Pharao-Grab
Die Tutanchamun-Ausstellung in Basel schliesst am Sonntag ihre Tore: In den vergangenen sechs Monaten schauten sich 620'000 Personen die ägyptischen Schätze an.
Der Besucher-Rekord bescherte der Region auch 40’000 zusätzliche Übernachtungen.
«Es war ein riesiger Erfolg», freut sich Peter Blome, Direktor des Basler Antikenmuseums. «Wir erwarteten 500’000 Besucherinnen und Besucher. Am Ende werden es 620’000 sein.»
Die Ausstellung «Tutanchamun – Das Goldene Jenseits» endet am Sonntag. Ein halbes Jahr lang konnten Interessierte Objekte aus der Grabkammer des Pharaonen Tutanchamun bewundern, welche das Ägyptische Nationalmuseum ausgeliehen hatte. Sie waren seit 25 Jahren erstmals wieder in Europa ausgestellt.
Neben 50 der bedeutendsten Kunstwerke waren auch Grabgegenstände aus den übrigen Königsgräbern der 18. Dynastie (15.-14. Jahrhundert v. Chr.) zu sehen.
Rekord an einem Herbst-Tag
Am meisten Leute kamen am vergangenen 25. September – 4845 Personen zwängten sich in die Ausstellungsräume. Am wenigsten Besucherinnen und Besucher kamen am 1. August: nur 1750 Billete wurden am Nationalfeiertag verkauft.
«Ja, an gewissen Tagen waren zu viele Besuchende in den Hallen. Ab 4500 Personen wird es eher zu voll, aber das ist der einzige Negativ-Punkt», sagt Blome.
2500 Schulklassen
67 Prozent der Besucherinnen und Besucher der Ausstellung stammten aus der Schweiz. Mit 17 Prozent stellen die Deutschen den grössten Anteil der ausländischen Besucher. Die Hälfte des Publikums war zwischen 35 und 54 Jahren alt.
Insgesamt 2500 Schulklassen aus der Schweiz, Deutschland und Frankreich mit 62’000 Kindern erhielten vom Hauptsponsor, einer Schweizer Grossbank, Gratis-Eintritte.
«Das enthusiastische Kind ist der zahlende Besucher der Zukunft», ruft der Museumsdirektor in Erinnerung.
Zufriedene Besucherinnen und Besucher
Beim Publikum hinterliess die Ausstellung einen überaus guten Eindruck, wie Erhebungen ergaben: 93 Prozent beurteilten die Schau als gut bis sehr gut. Der Anteil der Unzufriedenen sei so klein, dass er vernachlässigt werden könne, sagt Blome.
Eine positive Bilanz der Ausstellung zog auch der Basler Regierungsrat Ralph Lewin. Die Ausstellung sei nicht nur ein Höhepunkt in kultureller und gesellschaftlicher Hinsicht gewesen, sondern habe auch wirtschaftlich viel gebracht, unter anderem 40’000 Logiernächte.
Merchandising fürs «Läckerli»
Die Basler Tourismus-Verantwortlichen schätzen, dass wegen der Ausstellung ungefähr 14 Mio. Franken in die Kassen von Hotels und Restaurants geflossen sind.
Das lokale Gewerbe sprang denn auch schnell auf den «Tutanchamun»-Zug auf: Eine Brauerei lancierte ein Spezial-Bier und wer wollte, konnte «Tutanchamun»-Kräuter-Tee kaufen oder eine Uhr mit dem Gesicht des jungen Pharaos als Zifferblatt. Sogar das Basler «Läckerli», eine Biskuit-Spezialität, gab es in der entsprechenden Spezial-Version.
Keine roten Zahlen
Die Aussteller haben sich bisher über die Finanzierung der Ausstellung ausgeschwiegen und wollen vor allem nicht sagen, wie viel die Grossbank als Hauptsponsor eingeschossen hat. Direktor Blome sagt lediglich, es gebe «keine Roten Zahlen».
Auch die Präsenz in den Medien kann sich sehen lassen: Rund 2000 Artikel über die Ausstellung erschienen in Zeitungen und Magazinen auf der ganzen Welt.
Von Basel nach Bonn
Mit dem Abbau der Ausstellung wird am kommenden Montag begonnen. Die Schätze aus der Grabkammer des Pharaonen werden anfangs November für ein halbes Jahr in Bonn präsentiert.
Und den Hallen des Antikenmuseums in Basel wird nach den über 600’000 Besuchenden ein neuer Anstrich verpasst.
swissinfo, Robert Brookes und Agenturen
(Aus dem Englischen von Philippe Kropf)
Die meisten Leihgaben sind aus massivem Gold oder vergoldet.
Gold stand im Ägypten der Pharaonen für die Sonne. Sie repräsentierte den goldenen Lauf der Zeit.
Transportiert werden die zum Weltkulturerbe gehörenden Schätze in eigens angefertigten Kisten.
Die Kisten sind speziell gepolstert und teils klimatisiert.
Tutanchamun bestieg am Ende der 18. Dynastie (15.-14. Jahrhundert v. Chr.) im zarten Alter von neun Jahren den Thron der Unsterblichen und regierte neun Jahre lang, bevor er verstarb.
Als König von eher unbedeutendem Rang hat er seit seiner Entdeckung 1922 durch den Briten Howard Carter einen Siegeszug sondergleichen rund um die Welt angetreten.
Sein Grab ist das einzig vollständig erhaltene Pharaonengrab das bisher entdeckt wurde.
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