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Beziehungen zu Apartheid-Regime aufarbeiten

SEK-Präsident Wipf zu Südafrika: Zu wenig mutig gewesen. Keystone

Die Schweiz sollte ihre Beziehungen zum seinerzeitigen Apartheid-Regime in Südafrika aufarbeiten. Diese Ansicht vertritt der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK). Delegationen von SEK und Schweizer Bischofskonferenz kehrten soeben aus Südafrika zurück.

«Wir waren zu wenig mutig, haben nicht genügend auf die Stimmen gehört, die sich gegen die Apartheid wandten», räumte Thomas Wipf, Präsident des SEK-Rates, am Mittwoch vor den Medien unumwunden ein. Deshalb sollte durchleuchtet werden, welche Rolle der Kirchenbund selber sowie auch die Schweiz, Schweizer Banken und Unternehmen in den Jahren der Apartheid spielten.

Suche nach Wahrheit, nicht Rache

Dabei gehe es nicht darum, sich schuldig zu fühlen; das Geschehene müsse auch als Teil einer bestimmten Zeit gesehen werden. Wichtig, so Wipf, sei es, die Geschichte zukunftsgerichtet aufzuarbeiten.

«Nicht der Rachegedanke soll im Vordergrund stehen: die Suche nach der Wahrheit soll den Weg in die Zukunft frei machen», sagte Wipf. Wie die Umsetzung der Idee konkret aussehen soll, ist allerdings noch unklar.

Wipf war mit den Delegationen von SEK und Bischofskonferenz (SBK) am Mittwochmorgen von einem mehrtägigen Besuch am Kap zurückgekehrt. Eingeladen waren sie vom Kirchenrat des Südlichen Afrika (SACC) beziehungsweise von der südafrikanischen Bischofskonferenz.

Bischofskonferenz: Gleiche Erkenntnisse

Die Einladungen an SEK und Bischofskonferenz waren unabhängig von einander eingegangen, wie der St.Galler Bischof Ivo Fürer erklärte. Es habe aber diverse gemeinsame Programmpunkte gegeben.

Die Schweizer Delegationen trafen sich mit Vertretern kirchlicher und politischer Organisationen sowie von Hilfswerken und besuchten verschiedene Townships. Die Erkenntnisse der beiden Delegationen decken sich laut Fürer generell. Was die Bischofskonferenz daraus für Schlüsse ziehen werde, müsse aber noch diskutiert werden.

Schrei nach Solidarität

Im Verlaufe der Reise sei deutlich geworden, dass die Apartheid zwar offiziell und in den Köpfen der Menschen überwunden sei, nicht aber in den Herzen, sagte Wipf. Es sei gleichsam ein Schrei nach Solidarität zu hören gewesen, eine Bitte um Unterstützung auf dem schwierigen Weg.

Auch Jahre nach Abschaffung der Apartheid sei die Situation im Land alarmierend: Die Armut sei gross, die Verschuldung – ein Erbe der Apartheid – hindere den Wiederaufbau.

Immer wieder der Schuldenerlass

Das Thema Schuldenerlass sei im Laufe des Besuchs immer wieder angesprochen worden, wenn sich auch die südafrikanische Regierung mit Blick auf ihre Kreditwürdigkeit gegen eine solche Massnahme ausgesprochen habe.

Das grösste Problem im Land sei allerdings Aids. Die verheerende Krankheit habe in Südafrika die Dimensionen einer eigentlichen Epidemie: rund 20 Prozent der erwachsenen Bevölkerung seien mittlerweile davon betroffen.

swissinfo und Agenturen

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