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Vatikan-Kritiker Küng erhebt schwere Vorwürfe

Der Schweizer Theologe Prof. Hans Küng. Keystone

Der in Deutschland lebende Schweizer Theologe Hans Küng hat die Vatikan-Erklärung "Dominus Jesus" zum Universal-Anspruch der römisch- katholischen Kirche scharf kritisiert.

Diese sei eine Mischung aus «mittelalterlicher Rückständigkeit und vatikanischem Grössenwahn».

Küng sagte dies am Mittwoch (06.09.) in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Der Vatikan hatte am Dienstag (05.09.) die katholische Religion als die «einzig wahre» bezeichnet und das Primat des Papstes betont. Andere Religionen liessen «einen Strahl jener Wahrheit» erkennen. Dies hatte Proteste anderer Religionsgemeinschaften hervorgerufen.

«Es ist eine Heuchelei, wenn man auf Papstbesuchen ständig von Dialog und Verständigung redet», dabei aber «den ungeheuren Absolutheitsanspruch verschweigt, den man schon immer hatte und jetzt wieder hervorholt».

Küng ist Präsident der «Stiftung Weltethos», Tübingen, die für eine enge Verantwortungs-Gemeinschaft der Religionen eintritt.

Küng sagte weiter: «Man erkennt daraus, was hinter des Papstes und Ratzingers Schuldbekenntnissen und ihrer Bejahung des ökumenischen Dialoges steht.» Die neue Erklärung aus dem Vatikan betont den Vorrang der katholischen Kirche vor anderen Glaubensgemeinschaften. Sie wurde vom deutschen Kurienkardinal Joseph Ratzinger unterschrieben und von Papst Johannes Paul II. autorisiert.

«Man will die katholische Kirche wieder zu Pius IX. und zum I. Vatikanischen Konzil zurückführen», sagte der katholische Theologe. «Aber Johannes XXIII. und das II. Vatikanische Konzil lassen sich nicht auslöschen.» Liesse man in der katholischen Kirche wie in seiner Schweizer Heimat über die kontroversen Fragen Volksabstimmungen zu, «dann würde sofort klar, wo die Mehrheiten sind», betonte Küng.

«Papsttum Hauptursache für Spaltung der Christenheit»

Nach seinen Worten hatte das Papsttum durch Jahrhunderte Verdienste um die Einheit der Kirche des Westens erworben. «Heute aber ist das Papsttum die Hauptursache für die Spaltung der Christenheit.» Auf die Frage, was ihn trotz häufiger scharfer Kritik weiter in der katholischen Kirche halte, sagte der 72-Jährige: «Ich bin nicht um das Papstes willen in der Kirche, sondern um der Kirchengemeinschaft willen, in der ich mitten drin stehe.»

Küng ist seit den 50er Jahren ein leidenschaftlicher Kritiker der Amtskirche. 1979 wurde ihm die kirchliche Lehrbefugnis entzogen, weil er die Unfehlbarkeit des Papstes in Glaubens- und Sittenfragen angezweifelt hatte. Weltweit gilt er als ein führender Vertreter des Dialogs zwischen den Religionen.

swissinfo und Agenturen

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