Navigation

Sprunglinks

Hauptfunktionen



Trotz Gewittern nimmt die Waldbrandgefahr weiterhin zu.

Trotz Gewittern nimmt die Waldbrandgefahr weiterhin zu.

(Keystone)

Der Hochsommer hat die Schweiz fest im Griff: Rekordtemperaturen, Wassermangel und gewaltige Gewitter prägen das Wetter und setzen Mensch und Natur zu.

Sie hinterliessen Schäden, nicht aber die gewünschte Abkühlung. Die heftigen Gewitter, die in den letzten Tagen über Teilen der von der Sonne aufgeheizten Schweiz niedergingen.

Anders als in einigen Nachbarländern forderten die Unwetter bisher in der Schweiz keine Todesopfer. Überhaupt waren die Gewitter nicht so stark, wie von den Meteorologen befürchtet.

Als Grund dafür nennen die Wetterfachleute den Föhn, der stärker als erwartet geblasen habe und so die Gewitter unterdrückt hätte. So sei die gefährliche Front über Deutschland und Frankreich statt über die Schweiz gezogen.

Wegen der schlechten Wetteraussichten wurde am Mittwoch die Premiere des Musicals "Dällenbach Kari" auf der Seebühne in Thun verschoben.

Wassermangel

Obwohl die Gewitter lokal und kurzfristig grosse Regenmengen produzieren, herrscht in vielen Seen und Fliessgewässern Wassermangel. Verantwortlich dafür ist die grosse Trockenheit seit Jahresbeginn und die hohe Verdunstung.

Bei Temperaturen deutlich über 30 Grad und fast maximaler Sonneneinstrahlung sei die potenzielle Verdunstung extrem hoch. Den Böden werde die letzte Feuchtigkeit entzogen, berichtete das Schweizer Fernsehen.

Nach dem Wallis hat auch der Kanton Waadt ein Feuerverbot erlassen. Jegliches Feuer im Wald und am Waldrand ist verboten. Das Verbot gelte für alle Feuerstellen.

Die Waadtländer Polizei erinnert daran, Zigaretten sorgfältig auszudrücken und korrekt zu entsorgen. Erlaubt bleibt das Grillen in einer Entfernung von mehr als zehn Metern vom Waldrand. Im Gegensatz dazu ist im Wallis jedes Feuer im Freien untersagt.

Ab Sonntag gilt in den Kantonen Waadt und Freiburg zudem ein Wasserentnahmeverbot in Flüssen, weil die bereits geschwächten Flüsse geschützt werden müssen.

Geringere Atomstromproduktion

Die Hitze beeinträchtigt auch die Stromproduktion. Die Kernkraftwerke Beznau im Aargau und Mühleberg im Kanton Bern mussten ihre Leistungen wegen der bereits hohen Temperatur der Aare leicht drosseln. Auf diese Weise soll vermieden werden, dass sich der Fluss weiter erwärmt und Fische und Natur gefährdet werden.

So ist die Leistung von Mühleberg am Mittwoch um 5 bis 10% verringert worden. Leistungseinbussen seien aber im Hochsommer nicht aussergewöhnlich und hätten keinen Einfluss auf die Stomversorgung, sagte ein Sprecher der Bernischen Kraftwerke AG.

Hitzerekorde

Erwartungsgemäss hatte die Hitze am Mittwochnachmittag einen neuen Jahresrekord erreicht: In Basel wurden 35,7 Grad gemessen, wie die Wetterdienste SF Meteo und MeteoSchweiz übereinstimmend mitteilten. In den nächsten Tagen werden sogar noch höhere Temperaturen erwartet.

Im vergangenen Jahr wurde der Höchstwert von 36,2 Grad am 20. August in Genf gemessen. Die höchste je in der Schweiz gemessene Temperatur waren jene 41,5 Grad, die im Hitzesommer 2003 in Grono im Bündner Südtal Misox erreicht wurden.

Gefährlich für alte Menschen

Die Hitzewellen machen den Menschen verschieden stark zu schaffen. Das drückt sich auch in der Zahl der Sterbefälle aus, wie eine vergleichende Studie in neun europäischen Städten ergab.

Danach wirken sich langanhaltende Hitzewellen am stärksten auf die Sterblichkeit aus, und die älteren Menschen, vor allem die Frauen, sind am meisten gefährdet.

Untersucht wurde der Zusammenhang zwischen Hitzewellen und einer Zunahme der Sterbefälle bei über 65-Jährigen, wird in der jüngsten Ausgabe des Journals "Environmental Health" berichtet.

Die Folgen der Hitzewellen gemessen nach Intensität, Dauer und Zeitpunkt im Sommer, erwiesen sich als bemerkenswert unterschiedlich: Während es in München nur 7,6% mehr Sterbefälle in der Hitzeperiode gab, waren es in der norditalienischen Metropole Mailand sogar 33,6% mehr.

Hielt die Hitzewelle an und war äußerst intensiv, führte das an einigen Tagen sogar zu einer eineinhalb- bis dreifach erhöhten Sterblichkeit, besagt die Studie.

Qual für Tiere

Für Nutztiere wie Kühe, Schweine, Hühner, Schafe und Pferde wird die Hitzezeit zur Qual. Sie dürfen in diesen Tagen nicht schutzlos der Sonne ausgeliefert werden und müssen genügend Trinkwasser zur Verfügung haben.

Am widerstandsfähigsten sind Ziegen, die hitzeresistent sind und eher auf Nässe empfindlich reagieren. Besonders hitzeanfällig sind dagegen Schweine und Hühner.

Gut haben es hingegen Zootiere. Gehege und Gebäude in Tiergärten sind laut Olivier Pagan, dem Direktor des Basler Zollis, stets auch für die Extreme geplant.

Bei den gegenwärtigen fast tropischen Temperaturen halten es die Fische in einheimischen Seen, Teichen und anderen Gewässern wie kluge Menschen: alles einen Gang gemächlicher.

Ein weiteres natürliches Fisch-Rezept von Forelle, Karpfen, Hecht, Schleie und Co. unbeschadet die nächsten Wochen zu überstehen: weniger fressen!

Etienne Strebel, swissinfo.ch und Agenturen

Trockenheit

Von der grossen seit Anfang 2010 registrierten Trockenheit, sind vor allem das westliche Mittelland und das Wallis betroffen.

In Bern fielen seit Jahresbeginn 375 Liter Regen pro Quadratmeter.

Normal wären bis Mitte Juli rund 540 Liter. Auf jedem Quadratmeter fehlen 165 Liter Regen oder 16 Giesskannen.

Infobox Ende


Links

Neuer Inhalt

Horizontal Line


subscription form Deutsch

Aufruf, den Newsletter von swissinfo.ch zu abonnieren

Melden Sie sich für unseren Newsletter an und Sie erhalten die Top-Geschichten von swissinfo.ch direkt in Ihre Mailbox.

swissinfo DE

Aufruf, der Facebook-Seite von swissinfo.ch beizutreten

Treten Sie unserer Facebook Seite auf Deutsch bei!

×