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Das Comeback der Syphilis

Treponema Pallidum: Das Syphilis-Bakterium.

Anlässlich des Welt-Aids-Tages präsentiert die Schweiz ihr neues HIV-Bekämpfungsprogramm. Dieses beinhaltet sexuell übertragbare Krankheiten, darunter auch Tripper und Syphilis. Letztere hat sich in den letzten 10 Jahren verstärkt ausgebreitet.

Syphilis ist keine Landsknechts-Krankheit aus dem 30-jährigen Krieg. Das jahrhundertealte Leiden galt vor kurzem noch als besiegt. Die Zunahme der Erkrankungen in der Schweiz spricht jedoch eine andere Sprache.

So hat die Krankheit 2010 stärker zugenommen als in früheren Jahren. Das Bundesamt für Gesundheit hat am 29. November für das laufende Jahr 1026 Syphilis-Fälle registriert. Das ist deutlich mehr als 2009 (716 Fälle) und 2008 (665).

"Die Zahl der Syphilis-Erkrankungen hat sich in den letzten Jahren in vielen Ländern erhöht. Es gibt von Zeit zu Zeit Syphilis-Ausbrüche, deshalb ist es nicht klar, was im Moment in der Schweiz geschieht", sagt Nicola Low, Oberärztin ISPM vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern, gegenüber swissinfo.ch.

Tatsächlich könne eine statistische Täuschung nicht ganz ausgeschlossen werden, heisst es beim Bundesamt für Gesundheit (BAG). Auch die Meldesysteme in den einzelnen Ländern liessen sich nicht einfach vergleichen.

Richtiger Zeitpunkt

So kommt das neue Programm zum richtigen Zeitpunkt, denn die Syphilis verbreitet sich in der Schweiz bedeutend stärker als in den anderen europäischen Ländern: Derzeit kommen in der Eidgenossenschaft auf 100'000 Einwohner 11,7 gemeldete Syphilis-Fälle. Der europäische Durchschnitt ritzt dagegen nicht einmal die 5er-Marke.

"Wir machen bei unseren sexuell aktiven HIV-Patienten mindestens einen Syphilis-Test pro Jahr", erklärt Professor Hansjakob Furrer von der Universitätsklinik für Infektologie am Berner Inselspital. "Syphilis tritt sehr oft bei Männern auf, die Sex mit Männern haben."

Tatsächlich lag der Männeranteil 2009 bei über 80'%. "Diese Gruppe muss wirklich vorsichtig sein", sagt auch Low.

Die Patienten haben sehr oft keine Kenntnis von ihrer Infektion, da die klinischen Symptome kaum wahrnehmbar sind. Denn kleinere Wunden, bei denen die Syphiliserreger auch übertragen werden können, sind meistens nicht schmerzhaft.

"Syphilis wird oft durch Oralverkehr übertragen. Deshalb genügen Kondome nicht, um sich zu schützen. Wenn Sie Syphilis in der zweiten Phase haben, befinden sich in Ihrem Mund hochinfektiöse Läsionen", erklärt Furrer.

Besonderes Risiko für HIV-Positive

"Wenn Sie mit HIV infiziert sind und an Syphilis erkranken, dann ist es eher wahrscheinlich, dass die Krankheit auch Ihr zentrales Nervensystem schädigen wird – das ist sonst relativ selten" sagt Low.

Ausserdem sehen wir in unserer Praxis im massiven Anstieg der Syphilis-Erkrankungen, dass offenbar mehr ungeschützter Sex praktiziert wird", so Furrer.

"In den 1990er-Jahren kannte fast jedermann eine Person, die an Aids litt oder daran gestorben war. Dies war mit ein Grund, sich zu schützen und Kondome zu benützen. In diesen Jahren ging auch die Syphilis zurück."

Er weist darauf hin, dass nach dem Jahr 2000 nur sehr wenige junge Menschen jemals einen Aids-Patienten persönlich getroffen hätten. Sie hätten auch praktisch niemanden gekannt, der daran gestorben war. "Dies dank der neuen Therapien gegen HIV, welche die Anzahl der Neuerkrankungen und die Mortalität massiv reduziert haben."

Und genau dies sei mitverantwortlich, dass die Menschen weniger vorsichtig wurden.

Voreilige Einschätzung

Nach dem Rückgang der Erkrankungen stellte man 1999 die Meldepflicht für Syphiliserkrankungen ein. Man glaubte, damit auch Kosten sparen zu können. Dieser Schritt stellt sich jedoch im Nachhinein als voreilig heraus.

Nachdem man die Aufmerksamkeit von der vermeintlich besiegten Krankheit gelöst hatte, könnten in der Schweiz viele Syphilis-Ausbrüche übersehen worden sein, vermutet Furrer.

"Ärzte müssen Syphilis im Hinterkopf behalten, wenn sie mögliche Symptome sehen und von einem riskanten Sexualverhalten des Patienten Kenntnis haben." Zudem sei die Krankheit leicht durch einen Bluttest zu ermitteln, fügt er hinzu.

"Wenn Sie eine primäre Schädigung durch Syphilis sehen, ist diese relativ leicht zu diagnostizieren. Das Geschwür ist aber nicht schmerzhaft, und deshalb ist es vielen Patienten nicht bewusst, dass es sich um Syphilis handeln könnte, besonders wenn es ohne Behandlung wieder verschwindet."

Die Ärztin weist weiter darauf hin, dass unbehandelte Syphilis viele Risiken birgt. So könnten schwere neurologische Schäden oder Herzerkrankungen die Folge sein. Aber auch schwangere Frauen könnten ihre ungeborenen Kinder damit infizieren.

Nicola Low: "Weltweit ist die kongenitale Syphilis für den Tod von rund einer halben Million ungeborener Kinder verantwortlich. Eine Behandlung während der Schwangerschaft könnte viele retten."

Syphilis (Lues)

Erreger und Übertragung;Syphilis ist eine chronisch verlaufende sexuell übertragbare Erkrankung. Erreger ist das Bakterium Treponema pallidum. Übertragen wird Syphilis hauptsächlich bei sexuellen Handlungen durch Schleimhautkontakt. Die Krankheit kann während der Schwangerschaft und bei der Geburt auf das Kind übertragen werden. In den Stadien 1 und 2 ist Syphilis ansteckend bis hochansteckend.

1. Stadium: Syphilis äussert sich zu Beginn (10 Tage bis 3 Monate nach der Ansteckung) mit schmerzlosen Schleimhautgeschwüren und Lymphknoten-Schwellungen. Das Geschwür verschwindet nach 4 bis 6 Wochen ohne Behandlung.

2. Stadium: Grippeartige Symptome, Lymphknoten-Vergrösserung, meist mit Hautausschlag. Diese Symptome verschwinden auch ohne Behandlung nach ein paar Wochen bis 1 Jahr. Hauterscheinungen können auch in den folgenden Jahren wieder auftreten.

3. Stadium:Zerstörung des zentralen Nervensystems, Organen Muskeln, Haut. Neurologische Ausfälle führen zu Lähmungen und Demenz.

Vorbeugung mit Befolgen der "Safer-Sex-Regeln":
1. Eindringen immer mit Präservativ.
2. Sperma und Blut nicht in den Mund.

Heilung:Syphilis ist seit der Entdeckung des Penicillins heilbar. Dies führte im 20. Jahrhundert zu einem deutlichen Rückgang der Krankheit. Seit den 1990er-Jahren ist weltweit wieder ein Anstieg feststellbar (Laut WHO weltweit rund 12 Mio. Neuerkrankungen pro Jahr).

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swissinfo.ch


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