Gurtenfestival ist mit einigen Neuerungen erfolgreich gestartet
Das Gurtenfestival ist in vollem Gange - und das mit so einigen Neuerungen. So führt beispielsweise ein neuer Fussweg auf den Berner Hausberg, der das Partyvolk etwas aufteilen soll.
(Keystone-SDA) Proseccoflaschen und andere Getränke wurden am frühen Mittwochabend im vollgestopften Bus herumgereicht. Die Stimmung unter den Anreisenden fürs Gurtenfestival war ausgelassen, auch wenn es ein Kampf um jeden Quadratzentimeter zu sein schien.
Die Festivalgängerinnen und -gänger steuerten das Musikspektakel auf dem Berner Hausberg ab Blinzern zu Fuss über den neuen Zugang an. Eine halbe Stunde dauerte die kurze Wanderung im Schatten der Bäume. Der Weg ist ist etwas weniger steil, als man den üblichen Fussweg in Erinnerung hat, der neben der Gurtenbahn-Talstation in Wabern startet.
Verändertes Gästeverhalten
Rund 4700 Menschen bestritten am ersten, ausverkauften Festivaltag den neuen Weg, wie die Mediensprecherin Nadine Brönnimann der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte. Das entspreche einem guten Fünftel der Gäste, die so die bisherigen Zugänge entlasteten. «Damit haben wir unser Ziel von zehn Prozent übertroffen.»
Mit dem neuen Zugang reagiere man auf ein verändertes Gästeverhalten seit der Coronapandemie, das die bisherigen Routen von der Talstation in Wabern aus zunehmend beansprucht. «Früher hatten zwischen 60 und 70 Prozent der Gäste einen Viertagespass gekauft, stellten sich also nur einmal zum Festivalbeginn in die Schlange, um ihr Ticket einzulösen», so Brönnimann.
Heute sei es anders; die grosse Mehrheit kaufe sich einen Ein- oder Zweitagespass. «Rund die Hälfte der Besuchenden reisen jeden Tag neu an, und stellen sich an, um ihr Ticket in ein ‚Bändeli‘ einzulösen.» Ausserdem sei die Ära des Zeltens am Musik-Openair vorbei.
Und: Da nächstes Jahr die Seftigenstrasse in Wabern saniert werden soll, wo die Trams durchfahren, wäre der zweite Fussweg sowieso nötig geworden, so Brönnimann. «Wir haben das jetzt schon in die Hand genommen.»
Brönnimann betonte weiter, dass die Neuerung nicht in Zusammenhang mit der Überbelegung des Freitagabends an der letztjährigen Festivalausgabe stehe. Damals kam es an der Talstation zu langen Wartezeiten und Stau auf dem Fussweg, weil das Festival versehentlich tausende Tickets zu viel verkauft hatte.
Dank neuer Bühne doch ans Festival
Besucher Marco sagte, er wollte dieses Jahr ursprünglich nicht ans Festival kommen, weil es ihm nicht gefiel, wie die Organisatoren mit diesem Fehler umgegangen sind.
Doch dann entschied er sich um – ausschlaggebend war die Moderatorin Gülsha Adilji, die am Mittwoch eine Power-Point-Show mitbrachte, in der Mitmachende ihre Freundinnen und Freunde vorstellen und mit Glück verkuppeln können. «Pitch a (Single) Friend» heisst das Format, für das sich Marco und seine Kollegin Sophie anmeldeten.
Damit sind sie Teil einer weiteren Neuerung auf dem «Güsche»: Auf der neuen, kleinen Bühne «Forum» steht weniger die Musik und mehr das Wort im Zentrum. Mit Lesungen, Comedy-Einlagen, Live-Podcasts – oder eben Gülshas Verkupplungs-Show – setzt das Gurtenfestival hier auf neue Formate.
Man reagiere mit der neuen Bühne nicht auf eine spezifische Nachfrage vom Publikum, sondern man wage ein Experiment: «Wir probieren die Bühne jetzt aus und schauen, wie sie ankommt.»
Am Mittwochabend trotzte das Publikum dem Nieselregen, während die Freiwilligen ihre humorvollen Kurzpräsentationen hielten und Argumente dafür lieferten, warum ihre Freunde ein echter Fang sind. So eben auch auch Marco und Sophie, die sich gegenseitig für den Dating-Markt empfahlen. Sie seien zwar nervös gewesen, würden aber sofort wieder mitmachen, denn «das Publikum war toll und das Format sehr gut organisiert.»