Köniz will Zukunft der «Heitere Fahne» langfristig sichern
Die Gemeinde Köniz will die historische Brauereiwirtschaft in Wabern kaufen, in welcher sich die Kulturinstitution "Heitere Fahne" befindet. Zudem plant sie die Gründung einer Stiftung zur langfristigen Sicherung des Kulturortes.
(Keystone-SDA) Das haben die Gemeinde und die «Heitere Fahne» am Dienstag mitgeteilt. Köniz will eine Million Franken in die Stiftung einschiessen und ihr die Liegenschaft für 60 Jahre im Baurecht abgeben, wie die Gemeindepräsidentin Tanja Bauer (SP) auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagt.
Die ehemalige Brauereiwirtschaft der Gurtenbrauerei im historischen Ortskern von Wabern sei in einem schlechten Zustand, heisst es von der Gemeinde weiter. Dach, Terrasse und Statik müssten grundlegend saniert werden. Eine Voraussetzung hierfür sei eine langfristige Lösung.
Diese wurde nun gefunden. Das Kollektiv «Frei_Raum», das die «Heitere Fahne» betreibt, zeigt sich erfreut über die jüngsten Entwicklungen: «Wir verstehen sie als grosse Anerkennung unserer Arbeit.» Verbesserungen zum Erhalt der Liegenschaft seien dringend nötig. Das Kollektiv, das mithilfe von Stiftungsgeldern unter anderem bereits das Dach des Theatersaals sanierte, möchte bald auch die Hindernisfreiheit und den Lärmschutz verbessern.
Zunächst kommt das Vorhaben ins Könizer Parlament. Sagt dieses Ja, werden die Stimmberechtigten über die Gründung der Stiftung und den Erwerb der Liegenschaft abstimmen können. Das könnte bereits am 28. Februar 2027 der Fall sein.
Landabtausch Ergebnis eines langen Prozesses
Teil des Projekts ist ein Landabtausch. Köniz übernimmt die Parzelle der historischen Brauereiwirtschaft im Tausch mit einem Grundstück an der Kirchstrasse 114 im Gurtenbühl, auf welchem ein Miethaus steht. Zusätzlich bezahlt sie der jetzigen Eigentümerin einen Betrag von 1,2 Millionen Franken als Ausgleich, wie Bauer weiter sagt. Die Parzelle der Brauereiwirtschaft hat einen Schätzwert von 2,7 Millionen Franken.
Die noch zu gründende «Stiftung Ortskern Wabern» wird öffentlich und gemeinnützig und somit steuerbefreit. Stiftungstätigkeit und Zweck werden von der Gemeinde Köniz als Stifterin definiert.
Die nun vorgeschlagene Lösung sei das Ergebnis eines jahrelangen Prozesses. Sie sei sowohl für die Gemeinde als auch für die bisherige Eigentümerin der Brauereiwirtschaft eine Win-win-Situation, sagt Bauer.
«Der Ort ist für Wabern strategisch sehr wichtig.» Dabei gehe es nicht um die «Heitere Fahne» allein. Diese habe als Kulturverein künftig einen Mietvertrag mit der Stiftung. Es werde auf dem Areal «weitere Player» geben.
Stiftung braucht 6 bis 10 Millionen Franken
Die Stiftung schätzt den Sanierungsbedarf auf sechs bis zehn Millionen Franken. Nebst der Million der Gemeinde Köniz hätten sie bereits die Zusage einer privaten Stiftung, sagt der designierte Stiftungsrat Mario Tuor auf Anfrage.
«Wir befinden uns in Vorabklärungen. Formell gibt es unsere Stiftung ja noch gar nicht», sagt Tuor weiter. Es bestehe die Möglichkeit einer Etappierung. So sei etwa die Sanierung der akut einsturzgefährdeten Terrasse dringend, anderes könne warten. «Wir sind davon abhängig, wie viel Geld da ist.» Als frühestmöglichen Baubeginn nennt Tuor das Jahr 2028.
Einst Waberns Mittelpunkt
Das Brauereiwirtschaftsgebäude wurde gemäss der Gemeinde Köniz zwischen 1850 und 1874 erbaut. Es ist als schützenswertes K-Objekt im Schweizer Bauinventar erfasst. Der originale Theatersaal war jahrzehntelang der gesellschaftliche Mittelpunkt von Wabern. Hier sei gefeiert, diskutiert und das Miteinander gepflegt worden.
Ab den 1980er-Jahren machte dem Ort der Strukturwandel zu schaffen. Erst verlor er an Anziehungskraft, später stand das Haus leer, ehe das Kollektiv «Frei_Raum» im Jahr 2013 übernahm. Dieses gründete die «Heitere Fahne» und etablierte sie als inklusiven Kultur- und Begegnungsort.