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Kleiner Verlag - grosse Bücher

(Keystone)

Der Zürcher Diogenes Verlag feiert sein 50-jähriges Bestehen. Rechtzeitig zum Jubiläum wurde Gründer Daniel Keel zum erfolgreichsten europäischen Verleger gekürt.

"Er lag auf dem Kanapee im purpurnen Salon und schlief. Um ihn standen die leeren Flaschen. Er hatte enorm viel getrunken, zum Abschluss gar zwei Flaschen vom Duft des rothaarigen Mädchens. Wahrscheinlich war das zuviel gewesen, denn sein Schlaf, wiewohl von todesähnlicher Tiefe, war diesmal nicht traumlos, sondern von geisterhaften Traumschlieren durchzogen. Diese Schlieren waren deutlich erkennbare Fetzen eines Geruchs."

Ein Ausschnitt aus dem Buch "Das Parfüm" von Patrick Süskind. Weltweit 10 Mio. mal verkauft und in 37 Sprachen übersetzt. Vom Diogenes Verlag in Zürich verlegt. Das war 1985. Für den Verlag bedeutete das Buch den Durchbruch und rettete ihn vor dem Konkurs.

Neben Süskind verlegt Diogenes Autoren wie Alfred Andersch, Friedrich Dürrenmatt, John Irving, Patricia Highsmith, Donna Leon, Ingrid Noll oder Bernhard Schlink.

Literat als Gründer

Hinter diesen Erfolgsautoren steht kein Buch-Imperium, sondern eine kleine Firma mit 69 Mitarbeitenden. Der Verlag feiert diese Tage sein 50-jähriges Bestehen.

Gründer ist Daniel Keel. Zum Firmen-Jubiläum wurde er von der deutschen "Zeit" zum erfolgreichsten europäischen Verleger gekürt. Über den Menschen Keel schreibt die "Zeit": "Er ist scheu. Er spricht leise. Er sieht manchmal ein klitzekleinbisschen aus wie eine weltweise Schildkröte, die gerade den Kopf aus ihrem Panzerhause gesteckt hat, interessiert, aber auch ein wenig indigniert den Branchenzirkus betrachtend, um sich ... wieder zurückzuziehen. Zum Lesen."

Seine Nase entscheidet

Und der 71-jährige Keel muss viel lesen. Zwar nicht mehr alles alleine, wie er in einem seiner seltenen Interviews der "Weltwoche" versicherte. Der Verlag prüft pro Jahr über 4000 Manuskripte.

Und immer noch ist es seine Spürnase, die entscheidet, was herausgegeben wird. "Ich dachte, wenn es mir gefällt, wird es noch ein paar tausend anderen auch gefallen", sagte Keel weiter.

Gefallen haben ihm bisher über 3500 Bücher von 700 Autorinnen und Autoren, die alle im selben, charakteristischen Cover in die Regale der Buchhändler gelangten.

Rechnender Kompagnon

Keels Gegenpart ist Rudolf C. Bettschart. Am selben Oktobertag 1930 in Einsiedeln geboren, kannten sie sich von Kindsbeinen an. Die Anekdote will, dass Keel die Aufsätze für beide schrieb und Bettschart die Rechnungs-Prüfungen übernahm.

Von 1954 an kümmerte er sich jedenfalls um die Buchhaltung und Vermarktung des Verlages. Als Teilhaber besitzt er jene 49 Prozent des Verlages, die nicht Keel gehören.

Bestseller subventionieren

Der Umsatz des Verlages liegt heute, so schätzte die "Sonntags Zeitung", bei 65 Mio. Franken pro Jahr. Diogenes ist heute der grösste rein belletristische Verlag.

Er will aber nicht nur Bestseller drucken. Ziel sei es immer gewesen, alle Bücher von Autoren herauszugeben, sagt Keel. Und: "Drei Viertel unserer Bücher sind in den roten Zahlen, aber die andern können das mittragen", erklärte Keel der "Weltwoche".

Abschlussparty ohne Glamour

Dass der Diogenes-Verlag auf 50 Jahre Literatur zurückschauen kann, freut die Mitarbeitenden, Buchhändlerinnen und Buchhändler, die Feuilletonisten und Literaten. Aber gross gefeiert wird nicht.

"Das Geld das wir sparen, geht an hungernde Kinder", sagte Diogenes-Pressesprecherin Ruth Geiger gegenüber swissinfo.

Philippe Kropf


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