Kritiker-Flop «Ladies First» ist bei Zuschauern top
Streaming-Hit Sacha Baron Cohen werde zu Beginn bewusstlos geschlagen, das wünsche man sich bei diesem Film auch vor dem Bildschirm, meinte ein Kritiker. Dennoch läuft die Anti-Macho-Komödie von Netflix auch in der Schweiz gut.
(Keystone-SDA) Die Filmstars Sacha Baron Cohen und Rosamund Pike spielen in der Netflix-Komödie «Ladies First» Seite an Seite: Cohen («Borat») mimt einen frauenfeindlichen Mann, der in einer Parallelwelt erwacht, in der Frauen das Sagen haben und sich wie Machos benehmen. Heisst etwa: In der Werbung sieht man viele sexualisierte Männerkörper, Cohen wird ständig übergangen und von den Chefinnen und Kolleginnen sexuell belästigt.
Die Gender-Komödie ist derzeit global bei Streaming-Fans grosses Gesprächsthema – und ziemlich umstritten. Doch das Publikum verschmäht den bei vielen Kritikern durchgefallenen Film keineswegs. In den ersten knapp zehn Tagen online sammelte er weltweit schon etwa 31 Millionen Abrufe. Das geht aus den Netflix-Wochencharts hervor.
So hatte der Film mit Pike («Gone Girl – Das perfekte Opfer») in der weiblichen Hauptrolle zwischen dem 25. und 31. Mai rund 18,8 Millionen Abrufe und lag damit bei Netflix weltweit auf Platz eins der Filmcharts. Zuvor – vom Starttag 22. Mai bis zum 24. Mai – waren es schon 11,9 Millionen Abrufe gewesen. Die Rom-Com (romantische Komödie) war in der vergangenen Woche in 42 Ländern der Nummer-eins-Film bei Netflix, darunter die Schweiz, Kanada, Marokko, Israel, Frankreich, Österreich und Schweden.
Der Film ist ein Remake der französischen Chauvi-Komödie «Kein Mann für leichte Stunden» (Originaltitel: «Je Ne Suis Pas Un Homme Facile») aus dem Jahr 2018 mit Vincent Elbaz und Marie-Sophie Ferdane.
In der englischsprachigen Neuverfilmung spielt Cohen den Vorzeigemacho namens Damien, Pike spielt die unter ihm leidende Angestellte Alex. Doch nachdem Damien gegen einen Laternenpfahl knallt, wacht er in der gendermässig umgedrehten Welt auf.
Kritiker sprechen von bequemem Feminismus
Trotz (oder gerade: wegen?) der Starbesetzung und des stets aktuellen Themas der Geschlechtergerechtigkeit hagelt es Kritik aus vielen Richtungen.
Die «Financial Times» schrieb: «Sacha Baron Cohen wird gleich zu Beginn der Netflix-Komödie «Ladies First» bewusstlos geschlagen – ein Film, bei dem man sich hin und wieder wünscht, es möge einem selbst ebenso ergehen.»
Die «New York Times» meinte: «Der bequeme Feminismus des Augenzwinkerns und der Rollenumkehrungen nutzt sich rasch ab.»
Die «Süddeutsche Zeitung» schrieb: «Wehmut verspürt man als Zuschauer vor allem wegen der insgesamt grossartigen Besetzung. Neben Baron Cohen und Pike ist ein Who’s Who der britischen Theater- und Filmkunst vertreten. Doch auch die können diesen missglückten Film nicht retten.»