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Affäre Polanski: Vorwarnung oder nicht?

Laut alt-Bundesrat Christoph Blocher hätte Regisseur Roman Polanski gewarnt werden müssen. Dieser war vor einer Woche in Zürich festgenommen worden. Für Eveline Widmer-Schlumpf jedoch käme dies einer Begünstigung gleich.

Jemand hätte Polanski oder dessen Anwalt darauf aufmerksam machen müssen, dass ein US-Haftbefehl gegen ihn vorliege und dass er bei der Einreise in die Schweiz verhaftet werde, sagte Blocher in einem Interview des Internetfernsehens Teleblocher vom Freitag.

Der alt-Bundesrat war vor Eveline Widmer-Schlumpf Justizminister. Es gehe nicht an, jemanden zu einer Ehrung mit staatlicher Beteiligung einzuladen und ihn dann zu verhaften.

«Das macht man nicht; das kann man nicht machen», sagte Blocher. Eine solche Warnung wäre nicht verboten und auch rechtlich sauber gewesen. Polanski hätte dann unter einem Vorwand abgesagt. «Und der grosse Krach wäre uns erspart geblieben.»

Blochers Meinung hat Widerspruch ausgelöst. Die gegenwärtige Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf sagte gegenüber der SonntagsZeitung, eine Vorwarnung wäre Begünstigung resp. eine Verletzung des Amtsgeheimnisses.

Widmer-Schlumpf kritisierte weiter auch das Bundesamt für Kultur und die Organisatoren des Festivals. Diese hätten sich «schon die Frage stellen müssen, wie eigentlich die rechtliche Lage bei uns genau ist».

Eine Vorwarnung an Polanski wäre auch nach Darstellung des Direktors des Bundesamts für Justiz, Michael Leupold, im Schweizer Fernsehen strafbar gewesen.

In Kalifornien erklärte der Chefankläger Steve Cooley, bei Polanskis Verhaftung gehe es nicht um Rachsucht, sondern darum, ein noch offenes Verfahren zu beenden. Polanski hatte sich mit dem Opfer vor gut 15 Jahren auf eine Entschädigungszahlung von einer halben Million Dollar geeinigt.

Das geht aus Gerichtsunterlagen in Los Angeles hervor. Nicht daraus zu entnehmen ist allerdings, ob Polanski die zur Beilegung einer Zivilklage vereinbarte Summe je bezahlt hat.

Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger, auch eine Hollywood-Grösse, will von einer Vorzugsbehandlung für Polanski nichts wissen.

swissinfo.ch und Agenturen

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