Keine Lösung im Sprachenstreit
Die Erziehungsdirektoren-Konferenz (EDK) hat am Freitag (03.11.) nicht entschieden, welche Fremdsprache an Schweizer Schulen künftig zuerst unterrichtet werden soll. Zuerst soll eine nationale Konsultation zu den Empfehlungen durchgeführt werden.
Wie erwartet fiel die Konsultativ-Abstimmung zur Frage der Einstiegs-Fremdsprache äusserst knapp aus. 13 Kantonsvertreter sprachen sich für eine zweite Landessprache als Einstiegssprache aus. Den Antrag «Wahlfreiheit bezüglich erster Fremdsprache unterstützten 12 Kantone.
Dieses Ergebnis reiche nicht aus als Grundlage für eine tragfähige Empfehlung, erklärten die EDK-Verantwortlichen. In der Konsultation will die EDK nun das Gespräch mit den Bundesorganen aufnehmen. Zudem soll auch eine Umfrage bei den Lehrer-Organisationen erfolgen.
Bis zum Abschluss des Konsultations-Prozesses sollen die Kantone allfällige Umsetzungs-Massnahmen lediglich auf Vesuchsbasis treffen. Der formelle Erlass der Empfehlungen im Sinne des Schulkonkordats soll bis Mitte 2001 erfolgen.
Der Hintergrund
Die kantonalen Erziehungs-Direktoren wollen in der Schweiz in Zukunft eine erste Fremdsprache bereits ab der 3. und eine zweite ab der 5. Primarklasse unterrichten lassen. Ob allerdings die erste Fremdsprache Englisch oder eine zweite Landessprache sein soll – darüber wird noch diskutiert.
Zürcher Vorpreschen
Ernst Buschor, Zürcher Erziehungsdirektor, hatte Mitte September mit der Ankündigung, dass im Kanton Zürich Englisch künftig ab dem 3., Französisch dagegen erst ab dem 5. Schuljahr gelernt wird, für nationales Aufsehen gesorgt.
Unter den Gegnern des Frühenglischen ist José Ribeaud, ehemaliger Chefredakteur der Freiburger Zeitung «La Liberté». Er kann gemäss einem in der Weltwoche publizierten Artikel in den Zürcher Plänen nur entweder Provokation oder Leichtsinn sehen. Für ihn ist mit diesem Entscheid die Willensnation Schweiz in Frage gestellt.
Ruth Dreifuss: Zuerst sollen die Kinder Französisch lernen
In einem am Donnerstag (02.11.) veröffentlichten Interview mit der «Neuen Luzerner Zeitung» sagt Ruth Dreifuss, Englisch dürfe nicht wie eine Dampfwalze über die ganze Welt rollen und den Reichtum der Sprachen zerstören. Sie sei für einen frühen Sprachunterricht, aber zuerst sollten die Schweizer Kinder Französisch lernen.
Frühenglisch sei für sie durchaus ein Thema. «Es nervt mich allerdings ein wenig, wenn Politiker zu wissen vorgeben, was das Beste für die Kinder sei», sagte Dreifuss weiter. «Das ist Sache der Pädagogen, nicht der Politiker.»
swissinfo und Agenturen
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