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Volksschauspieler Walter Roderer ist 85

Walter Roderer als Polizist. Oktober 1990 vor dem Opernhaus in Zürich. Keystone

Über 45 Jahre stand er auf der Theaterbühne oder vor der Kamera: Der Kabarettist Walter Roderer feierte am 3. Juli seinen 85. Geburtstag.

Im Herbst startet er eine Schweizer-Tournee, obwohl er 1993 eigentlich seinen Abschied von der Bühne gegeben hatte.

Eigentlich hat er fast alles erreicht, was man sich erträumt: Mit 1288 Aufführungen des «Mustergatten» ist er internationaler Rekordhalter unter den Theatermachern, als «Ein Schweizer namens Nötzli», wo er als bünzliger Buchhalter glänzt, beteiligt am dritterfolgreichsten Schweizer Film aller Zeiten. An seinem Wohnort ist sogar ein Weg nach ihm benannt.

Nach Regen die Sonne

In den letzten Jahren häuften sich indes die Schicksalsschläge. 1996 starb seine erste Frau Lenke, im Februar 2004 hatte er seinen zweiten Herzinfarkt, im Monat darauf verlor seine langjährige Bühnenpartnerin und zweite Frau Ruth Jecklin den Kampf gegen den Krebs.

Doch nachdem ein Nostalgie-Abend Roderers auf dem «Gesundheitsschiff» beim Publikum gut angekommen war, packten ihn wieder Heiterkeit und Tatendrang.

Er bereiste Thailand, Indien und Italien, spielte eine Doppel-CD mit Texten von Werner Wollenberger ein und erfüllte sich mit einem Bentley den letzten übrig gebliebenen Bubentraum.

Heiteres Wiedersehen mit Humoristen

Ausserdem nahm er die Arbeit an seinem zweiten Buch, der Reflexionen-Sammlung «Gseit isch gseit» wieder auf.

Ab Oktober geht er sogar wieder auf Tournee: Mit «Heiteres Wiedersehen mit Walter Roderer», einem Programm bestehend aus Anekdoten, Filmeinspielungen und einer Fragestunde für das Publikum. Geplant sind 40 Vorstellungen.

Dabei hatte er eigentlich 1993 seinen Abschied von der Bühne gegeben. Nicht ganz freiwillig möglicherweise: Nachdem er an Christoph Blochers Anti-EWR-Kampagne mitgewirkt hatte, brachte er die Säle nicht mehr so voll, wie er es sich gewohnt war.

Scheinheiliger Pfarrer

Die Luxuskarosse war ihm nicht in die Wiege gelegt, die Showkarriere nicht am Bettrand gesungen worden, als Walter Roderer am 3. Juli 1920 in St. Gallen als Sohn eines Textilkaufmannes geboren wurde.

Schon als Gymnasiast dürfte er so ein heimlifeisser «Herr Schüüch» gewesen sein, wie es später seine Paraderolle wurde. So getraute er sich nicht zuzugeben, dass er Schauspieler werden wollte und gab deshalb Pfarrer als Berufswunsch an – nicht ohne heimlich dennoch Sprechunterricht zu nehmen.

Nach der Matura studierte er in Zürich vier Semester Germanistik. Als sein Vater seinen Posten verlor, musste er indes das Studium aus finanziellen Gründen aufgeben.

Räuber macht ein Theater (auf)

Nebenrollen am Zürcher Schauspielhaus brachten nur 30 Franken pro Abend, so dass er nebenbei in der Fabrik und als Vertreter von Bodenwichse arbeiten musste.

Am Stadttheater Chur, wo er Schillers 7. Räuber gab, überwarf er sich mit dem Regisseur, worauf ihn der Direktor mit der – gar nicht so nett gemeinten – Aufforderung entliess, er solle doch sein eigenes Theater aufmachen.

Dass das gar nicht so absurd war, zeigte sich 1957. Nachdem er fürs Cabaret Fédéral entdeckt und durch kleine aber wirkungsvolle Rollen in Schweizer Filmen wie «Oberstadtgass» bekannt geworden war, gründete er ein eigenes Tourneetheater.

Fast vier Jahrzehnte lang war er Intendant, Dramaturg, Regisseur und Hauptdarsteller seines kleinen Unternehmens. Mit Komödien wie «Der Mustergatte», «Der verkaufte Grossvater» und dem verfilmten «Buchhalter Nötzli» füllte er Theater- und Beizensäli in praktisch jeder Gemeinde der Schweiz.

swissinfo und Irene Widmer, sda

Walter Roderer wurde am 3. Juli 1920 in St. Gallen geboren.
Zu seinen erfolgreichsten Stücken gehören «Der Mustergatte», «Ein Schweizer namens Nötzli», «Der verkaufte Grossvater».
Roderer stand über 45 Jahre auf der Bühne und vor der Kamera.
Er war Intendant, Dramaturg, Regisseur und Hauptdarsteller.
Im Herbst 2005 geht er erneut auf Tournee.

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