Bush bekräftigt seine Entschlossenheit zum Handeln
US-Präsident George Bush hat bei seiner Rückkehr nach Washington die Entschlossenheit zum Handeln nach den Terroranschlägen bekräftigt. Zugleich rief er die Bevölkerung auf, am Montag an die Arbeit zu gehen. Die New Yorker Börse nimmt heute Montag ihren Handel wieder auf.
Sicherlich hätten die Anschläge Wirkung auf die Wirtschaft gezeigt, sagte Bush, der zuvor über das Wochenende in Camp David mit seinen Sicherheitsberatern Vergeltungsmassnahmen erörtert hatte. «Das ist keine Frage, aber die Märkte eröffnen morgen, die Leute gehen an die Arbeit. Wir werden es der Welt zeigen.»
Die internationalen Finanzmärkte warten mit Spannung auf die Wiedereröffnung der Wall Street, die seit den Anschlägen auf New York und Washington vom vergangenen Dienstag geschlossen geblieben war.
Die Tokioter Börse ist am Montag auf ein neues 17-Jahres-Tief eingebrochen. Der Nikkei-Index sackte um 5,04% auf 9504,41 Punkte ab.
Wirbel um Bin Laden
Als Hauptverdächtiger für die Anschläge gilt in den USA der moslemische Extremist Osama Bin Laden. Dieser sagte der afghanischen Nachrichten-Agentur AIP, er lebe in Afghanistan und habe mit den Anschlägen nichts zu tun.
Die USA riefen die afghanische Taliban-Miliz dazu auf, sich an der Zerschlagung des internationalen Terrorismus zu beteiligen. Colin Powell warnte die Taliban-Führung im Sender CNN, ihr drohe der Zorn der USA, falls sie Bin Laden nicht ausliefern würde.
Eine hochrangige Delegation der pakistanischen Regierung ist am Montagvormittag (Ortszeit) in der afghanischen Hauptstadt Kabul eingetroffen. Sie soll das regierende Taliban-Regime zur Auslieferung Bin Ladens auffordern. Fernsehberichte, wonach Pakistan den regierenden Taliban ein dreitägiges Ultimatum zur Auslieferung Bin Ladens gestellt habe, bestätigte die Regierung nicht.
Kurz vor den Anschlägen in den USA sind einem Medienbericht zufolge etwa ein Dutzend mutmassliche Anhänger Bin Ladens nach Japan eingereist. Die japanische Regierung sei von einem ausländischen Geheimdienst über die Einreise informiert worden.
Bisherige Verhaftungs-Versuche scheiterten
Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton hat 1998 den Geheimbefehl unterzeichnet, Bin Laden gefangen zu nehmen und sein Terrornetzwerk zu zerschlagen. Dies meldet die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf die Aussagen eines ehemaligen Regierungs-Vertreters.
Mehrere Versuche seien gescheitert, den saudiarabischen Millionär in Afghanistan zu ergreifen. Zwar seien an den Aktionen keine Amerikaner beteiligt gewesen. Organisiert worden seien die Bemühungen aber vom Geheimdienst CIA und anderen US-Stellen.
Flüchtlingsdrama
Afghanistan bereitet sich auf einen möglichen US-Vergeltungsschlag vor. Die Taliban-Regierung bat die Organisation Islamischer Staaten um Hilfe für den Fall eines Angriffs. Bereits bahnt sich ein Flüchtlingsdrama an. Iran und Pakistan schlossen die Grenzen.
Vize-Präsident Dick Cheney erklärte, der Kampf gegen den Terrorismus könne «lange Zeit, vielleicht Jahre» dauern. Im Fernsehsender NBC sagte er: «Es ist wichtig, dass die Menschen wissen, dass es eine langfristige Unternehmung ist.»
USA sollen nicht in Falle tappen
Gleichzeitig mehren sich die Stimmen, die vor einer unangemessenen Reaktion warnen. Zuletzt rief der libysche Revolutionsführer Moammad el Gaddafi die USA zur Besonnenheit auf. Kein Racheakt regle das Problem des Terrorismus.
Frankreichs Aussenminister Hubert Védrine sagte, die USA sollten auf die Terroranschläge stark, aber gerechtfertigt reagieren. Die USA sollten nicht in eine Falle tappen, welche die Hintermänner des Anschlags gelegt hätten, um den Westen gegen die islamische Welt aufzubringen.
Weitere Verhaftungen
Fünf Pakistaner, die Anschläge auf US-Einrichtungen im Fall eines US-Angriffs auf Afghanistan planten, wurden in der chinesischen Enklave Macao festgenommen. Die US-Vertretung in Honkong wurde aus Sicherheits-Gründen geschlossen.
In den USA selbst wurden zwei weitere Haftbefehle gegen wichtige Zeugen ausgestellt. Einem entsprechenden Gesetz zufolge können in den USA wichtige Zeugen auch dann festgenommen werden, wenn sie selbst keiner Straftat bezichtigt werden.
Rund 5’000 Vermisste
In den Trümmern der Twin Towers des World Trade Center gingen die Bergungs-Arbeiten über das Wochenende weiter. Zuletzt waren am Mittwoch Überlebende aus den Schuttbergen gerettet worden. Nach Angaben von Bürgermeister Rudolph Giuliani werden noch 4’957 Menschen vermisst.
115 der 190 geborgenen Toten wurden identifiziert. Die Zahl der Schweizer, zu denen nach dem Anschlag kein Kontakt bestand, liegt unverändert bei 150.
Neben dem Schweizer Ehepaar, das in einem der beiden Flugzeuge sass, die in das World Trade Center rasten, rechnet das Schweizer Aussenministerium (EDA) mit sechs weiteren Schweizerinnen und Schweizern, die durch die Anschläge ums Leben kamen.
Wiederaufbau des WTC wird geprüft
Die Stadt New York setzt eine Kommission ein, die den möglichen Wiederaufbau des World Trade Centers (WTC) prüfen soll. Den Vorsitz werde Bürgermeister Rudolph Giuliani haben, teilte der Vorsitzende des Stadtrates am Sonntag mit.
Michael Jackson singt für Terror-Opfer
US-Popstar Michael Jackson hat zusammen mit anderen Musikern ein Lied aufgenommen, dessen Erlös den Familien der Opfer der Terror-Anschläge zu Gute kommen soll. Der Text des Songs «What more can I give» (Was kann ich mehr geben) stamme aus seiner eigenen Feder und solle helfen, Trost zu finden, liess Jackson am Sonntag erklären.
swissinfo und Agenturen
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