Die Schweizer Nati glaubt weiterhin an ihre Chancen
Nach der Niederlage beim Eröffnungsspiel gegen Tschechien hat die Schweizer Nationalmannschaft am Sonntag vor zahlreichem Publikum das Training wieder aufgenommen. Die Spieler zeigten sich alles andere als entmutigt.
Wie die Schweiz hat auch Portugal an der Euro vor vier Jahren das erste Spiel verloren. Die Portugiesen mussten damals gegen Griechenland eine Niederlage einstecken.
Doch wird die Schweiz die nötigen Ressourcen aufbringen, um wie die Portugiesen weiter zu kommen?
Nach der unglücklichen Niederlage vom Samstag gegen Tschechien haben am Sonntag in Freienbach im Kanton Schwyz die Schweizer Fussballer wieder trainiert.
Es herrschte friedliche Stimmung unter den Fussballfans, die die Farben der Nationalmannschaft trugen. Auch Trainer Köbi Kuhn und Ersatztorhüter Pascal Zuberbühler wurden freudig begrüsst.
Als sich nach dem kaltfeuchten Abend die Sonne wieder zeigte, schien fast vergessen, dass die Schweizer Nati das erste Spiel der Euro 2008 – auf das sie sich während zwei Jahren vorbereitet hatte- verloren hat. Und das damit ihre Chancen, den Viertelfinal zu erreichen, klein geworden sind.
«Wir müssen weiterkämpfen»
Auch im Hotel der Schweizer Nationalmannschaft in Feusisberg herrscht keine schlechte Stimmung. «Ich möchte allen versichern: Die Spieler sind nicht demoralisiert. Sie werden am Mittwoch bereit sein», sagt Köbi Kuhn.
Auch für Mittelfeldverteidiger Gelson Fernandes gibt es keinen Grund den Kopf hängen zu lassen: «Wir haben eine schwierige Nacht hinter uns und wir sind alle sehr enttäuscht. Wir haben keine Punkte gemacht, das ist klar. Doch nach meinen Berechnungen sind wir noch nicht ausgeschieden – wir müssen weiterkämpfen.»
«Trotz der Niederlage haben wir gegen Tschechien ein gute Leistung gezeigt», so Fernandes weiter. «Darauf müssen wir uns für unser nächstes Spiel gegen die Türkei stützten. Dieses Spiel ist für uns bereits das ‚Final‘ – denn wir müssen es gewinnen.»
«Nach vorne schauen»
Auch der Verteidiger Stephan Lichtsteiner ruft zu positivem Denken auf: «Wir müssen unbedingt nach vorne und nicht zurück schauen.» Auch wenn eine Mannschaft das Spiel dominiere und mehr Torchancen habe, könne sie am Ende trotzdem verlieren. Das gehöre dazu.
«Natürlich hätten wir die Euro 2008 mit einem Sieg beginnen wollen. Die Tschechen hatten zwei Chancen und erzielten ein Tor. Das reicht, um drei Punkte zu machen. Und das ist das, was zählt», sagt Verteidiger Patrick Müller.
«Die Spieler dürfen sich von der Niederlage nicht entmutigen lassen und müssen weiterhin an die Mannschaft glauben», so Müller weiter.
Alexander Frei bleibt beim Team
Sorgen wegen dem Ausfall von Alex Frei scheint er sich keine zu machen. Natürlich komme die Verletzung von Alex Frei ungelegen, sagt Müller. Doch gebe es andere Spieler, um ihn zu ersetzen und um Tore zu schiessen.
Frei, der nach seiner Knieverletzung während sechs Wochen nicht spielen darf, bleibt wunschgemäss während der Euro bei seinem Team in Feusisberg.
«Alex ist eine Leaderfigur. Ich bin froh, dass er entschieden hat, bei uns zu bleiben. Denn er ist wichtig für die Mannschaft», sagt Köbi Kuhn. Freis Klub Borussia Dortmund sei mit diesem Entscheid einverstanden.
Nach der Verletzung von Frei muss Kuhn nun die Zusammensetzung für das Spiel gegen die Türkei am Mittwoch neu definieren. Höchstwahrscheinlich wird Eren Derdiyok Frei ersetzen.
Der jüngste Spieler der Schweizer Nationalmannschaft und an der Euro überhaupt feiert am Tag nach dem Spiel gegen die Türkei, dem Land seiner Eltern, seinen 20. Geburtstag.
swissinfo, Mathias Froidevaux, Feusisberg
(Übertragung aus dem Französischen: Corinne Buchser)
Der Kapitän der Nationalmannschaft müsse etwa sechs Wochen pausieren, sagte am Sonntag Mannschaftsarzt Cuno Wetzel.
Nach einem Zusammenprall mit dem tschechischen Verteidiger Zdenek Grygera erlitt der 28-jährige Spieler von Borussia Dortmund einen Innenbandriss im linken Knie.
Frei war bereits in der vergangenen Saison mehrfach verletzt: Er hat eine Hüftoperation, zwei Muskelfasserrisse und eine Wadenverletzung hinter sich. Zuletzt trainierte er aber intensiv, um sich für die EM fit zu machen.
Seit dem 30. Mai ist Frei der Rekordtorjäger der Schweizer Nationalmannschaft. An diesem Tag traf er zwei Mal gegen Liechtenstein und hat damit 35 Tore in 60 Länderspielen erzielt.
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch