Grippe wird unterschätzt
Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) lanciert erstmals eine nationale Kampagne für Grippe-Impfung. Eineinhalb Millionen Impfdosen stehen über die kommenden Wochen zur Verfügung. Der Nasalspray "Nasalflu" sollte allerdings nicht mehr verwendet werden. Er ist wegen Verdachts auf Gesichtslähmungen zurückgezogen worden.
Die Grippe werde oft unterschätzt, betont BAG-Direktor Thomas Zeltner. Jährlich stürben daran in der Schweiz bis zu 1’000 Menschen. Zudem sei die Krankheit für bis zu 5’000 Spitalaufenthalte und 300’000 Arztbesuche verantwortlich.
Das BAG will mit seiner ersten nationalen Informations-Kampagne den Anteil der Durchimpfung bei den über 65-Jährigen von heute 48% auf 60% bis ins Jahr 2005 erhöhen. Besonders angesprochen werden soll auch das Pflegepersonal sowie Aerztinnen und Aerzte.
Nasenspray potentiell gefährlich
Die Schweizer Firma Berna Biotech AG hatte auf die neue nasale Grippe-Impfung grosse Hoffnungen gesetzt: Das Produkt «Nasalflu» war vor Jahresfrist vom BAG als weltweit erster mit einem Nasenspray zu verabreichender Impfstoff zugelassen worden.
Im vergangenen August wurde jedoch bekannt, dass in der letzten Grippesaison rund 50 Fälle von vorübergehenden, halbseitigen Gesichts-Lähmungen als mögliche Nebenwirkung aufgetreten waren. Berna will nun auf eine Zulassung seines Impfstoffs für die bevorstehende Saison 2001/2002 verzichten.
Wissenschaftlich fundierter Aufschluss
Das Unternehmen hat mit den zuständigen Behörden in der Schweiz und in Deutschland eine gross angelegte klinische Studie in Auftrag gegeben. Diese soll wissenschaftlich fundierten Aufschluss zur Verträglichkeit von «Nasalflu» bringen. Das Ergebnis der mit rund 20’000 Menschen im EU-Raum durchgeführten Untersuchung soll im nächsten Frühling vorliegen.
Die Börse quittierte die Nachricht mit einem Kurssturz von über neun Prozent. Nach einem Verlust von 40 Franken war das Papier am Freitagmittag noch 390 Franken wert.
swissinfo und Agenturen
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