Milzbrand-Angst: Entwarnung
Wie in andern europäischen Ländern hat sich der erste Milzbrand-Verdacht in der Schweiz nicht erhärtet. Die Basler Behörden gaben Entwarnung. Das VBS ruft zu Besonnenheit auf.
Wie an den Vortagen kam es aber auch in der Schweiz am Mittwoch zu neuen Zwischenfällen wegen möglicher Milzbrand-Sendungen. In einer Poststelle in Chur wurde weisses Pulver gefunden, in Bern in einem Lift ein Drohbrief.
Entwarnung in Basel
Die Basler Behörden haben nach ersten Analysen am Mittwoch Entwarnung gegeben. Von 19 als verdächtig gemeldeten Postsendungen erwiesen sich inzwischen 14 als harmlos. Der Novartis-Mitarbeiter, der am Dienstag letzter Woche als erster in der Schweiz einen Brief mit verdächtigem Pulver erhalten hatte, ist nicht infiziert worden.
Der Basler Kantonsarzt erwartet nicht, dass bei den ausstehenden Analysen doch noch Milzbrand-Erreger gefunden werden. Die Basler Behörden halten zwar Vorsicht weiterhin für angebracht, nicht aber Angst oder gar Panik. Gemäss Auskunft des Bundesamts für Gesundheit sind bis Mittwoch alle bisherigen Milzbrand-Tests in der Schweiz negativ ausgefallen.
Poststelle in Chur geschlossen
In Chur wurde die Poststelle Kornquader geschlossen, nachdem eine Angestellte beim Leeren des Briefkastens weisses Pulver gefunden hatte, das an die Postsendungen gesprüht worden war. Die Chemiewehr stellte die mit Pulver behafteten Postsendungen sicher; eine Analyse ist im Gange. Die betroffene Angestellte wurde medizinisch betreut.
Wieder geöffnet war am Mittwoch die Post Flawil-Botsberg im Kanton St. Gallen, die am Vortag vorübergehend geschlossen war. Dort war aus einem Brief eine weisse Substanz gerieselt. Darauf waren Polizei und Chemiewehr aufgeboten worden. Das Ergebnis der mikrobiologischen Untersuchung des Briefinhalts war am Mittwoch noch nicht bekannt.
Post zieht nationales Sicherheitsnetz auf
Die Post hat mittlerweile aufgeteilt auf vier Landesregionen Sicherheitseinheiten mobilisiert. Mitarbeiter, die mit verdächtigen Sendungen konfrontiert sind, melden sich bei diesen. Von dort aus werden anschliessend wenn nötig die Behörden alarmiert, wie Postsprecher Antoine Sauci darlegte.
Die Mechanisierung und Informatisierung der Verteilkette der Post limitiere die Zahl der von Hand spedierten Pakete und Briefe, präzisierte er. Die allgemein gültigen Vorsichtsregelen beträfen deshalb hauptsächlich nicht-normkonforme Sendungen.
Drohung in Bern
In der Stadt Bern fand am Mittwoch ein Mitarbeiter der Kraft Foods Schweiz in einem Personenlift der Firma einen Brief, der sich gegen das Unternehmen richtete und mit Milzbranderregern drohte. Das Drohschreiben enthielt laut der Stadtpolizei Bern kein weisses Pulver.
Trotzdem traf die Feuerwehr alle notwendigen Sicherheitsmassnahmen. Der Drohbrief wurde sichergestellt und zur Analyse dem Veterinärbakteriologischen Institut der Universität Bern übergeben. Die Personen, die mit dem Brief in Kontakt kamen, werden vorsorglich medizinisch untersucht.
Ein Verfasser eines Milzbrand-Drohbriefs hat sich in Morges im Kanton Waadt selbst bei der Justiz angezeigt. Gegen den Mann wird Strafklage erhoben.
VBS ruft zur Besonnenheit auf
Das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) hat am Mittwoch zur Besonnenheit aufgerufen und Verhaltensregeln im Fall eines Milzbrand-Verdachts aufgestellt. Die Bevölkerung wurde angewiesen, in jedem Fall ruhig zu bleiben und überlegt zu handeln.
Der Inhalt des verdächtigen Behältnisses sei nicht zu schütteln oder auszuleeren, sondern in einem verschliessbaren Gefäss zu verwahren. Danach sollten die Hände mit Wasser und Seife gereinigt werden.
Anschliessend müssten die Polizei und am Arbeitsplatz gegebenenfalls der Sicherheitsverantwortliche informiert werden. Das VBS erinnerte daran, dass eine Erkrankung auch nach dem Kontakt mit dem Erreger durch frühzeitige Behandlung mit Antibiotika behandelt werden könne.
Wer sich wegen Milzbrand sorgt, kann bei der Hotline des AC-Labors in Spiez
(033-228 16 29) weitere Auskünfte einholen.
swissinfo und Agenturen
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