Pocken-Impfstoff für Europa
Verschiedene Länder decken sich vor dem Hintergrund möglicher Anschläge mit biologischen Waffen beim Pharmakonzern Berna Biotech mit Pocken-Impfstoff ein.
Die aktuelle Weltlage habe dazu geführt, dass verschiedene europäische Regierungen bei der Berna Biotech um Pocken-Impfstoff nachgefragt hätten, teilte Generalsekretär Patrik Richard am Montag mit. Die Namen und die Zahl der Länder gab Richard nicht bekannt. Die Schweiz klärt ab, ob sie ihre Vorräte aufstocken wird.
Die europäischen Länder sehen in der Eindeckung mit Pocken-Impfstoffen eine reine Vorsichtsmassnahme. Zuvor hatten bereits die USA mit einer offenen Informationspolitik möglichen Terroristen signalisiert, dass das Land auf eine Attacke vorbereitet sei.
Berna Biotech verfüge über grosse Bestände des Impfstoffes, sagte Richard. Dieser habe sich bei bei der Ausrottung der Pocken bewährt. Die bereits abgeschlossenen Verträge bringen dem Unternehmen in den nächsten Monaten einen einmaligen, zusätzlichen Umsatz von 150 Mio. Franken.
Berna Biotech könne aus den vorhandenen Beständen noch weitere, jedoch begrenzte Mengen dieses sofort verfügbaren Impfstoffes bereit stellen. Diese noch verhandenen Mengen könnten zu einem weiteren einmaligen Umsatz von 50 Mio. bis 70 Mio. Franken führen.
Das Berner Pharma-Unternehmen, das früher unter dem Namen Schweizerisches Serum-und Impfinstitut firmierte, beschäftigt über 600 Personen und setzte im letzten Jahr rund 200 Mio. Franken um.
Genug Impfstoffe für die Schweiz
Die Schweiz verfügt über einen genügend Impfstoffvorräte, um die Bevölkerung notfalls zu impfen, wie Kathrin Bernard, Zuständige für biologische Sicherheit beim Bundesamt für Gesundheit (BAG), sagte. Zur Zeit werde abgeklärt, ob diese Impfstoffvorräte noch einer Aufstockung bedürften. Das Risiko eines Terroranschlags mit Pockenviren werde als zu gering eingeschätzt, um eine präventive Impfaktion durchzuführen.
Auch die WHO hatte Ende Oktober wegen möglicher Nebenwirkungen von einer Massenimpfung gegen Pocken abgeraten, die Aufstockung der Impfvorräte den Regierungen aber empfohlen. 1980 hatte die WHO nach einer weltweiten Impfkampagne die Ausrottung der Pocken verkündet und alle Länder aufgefordert, nicht mehr gegen Pocken zu impfen und die Impfstoffproduktion einzustellen.
Zur Herstellung des Stoffes wurden Impfstämme mit Vaccinia-Viren verwendet, wie Bernard weiter sagte. Diese sind verwandte der Variola-Pockenviren. In der Schweiz würden noch Forschungen mit Vaccinia durchgeführt. Weltweit gibt es noch zwei Hochsicherheits-Laboratorien, welche mit Pockenviren arbeiten, nämlich im russischen Nowosibirsk und bei Atlanta im US-Bundesstaat Georgia. Sie stehen unter Aufsicht der WHO.
Laut Hansruedi Indermühle vom AC-Labor Spiez, sind Pocken im Gegensatz zum Milzbrand hochansteckend. Theoretisch könne ein Terroranschlag mit Pockenviren durch ein Selbstmordattentat durchgeführt werden. Eine Person würde sich willentlich anstecken und dann den Virus über direkten oder indirekten Kontakt auf andere Menschen übertragen. Laut BAG verlaufen rund 40 Prozent der schweren Pockenfälle tödlich.
swissinfo und Agenturen
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