Total-Ausfall der Schweizerinnen
Das 7. alpine Olympia-Rennen, der Slalom der Frauen, brachte der Schweiz kein Glück: Sonja Nef, Marlies Oester und Corina Grünenfelder schieden aus.
Janica Kostelic gewann ihre zweite Goldmedaille. Nach ihrem Erfolg in der Kombination siegte die Kroatin auch im Slalom vor der Französin Laure Pequegnot und Anja Pärson aus Schweden.
Viel schlechter hätten es die Frauen nicht treffen können. Es schneite unaufhörlich im Deer Valley, und nach nur wenigen Fahrerinnen brach die Piste ein. Es entstanden Löcher und die Aufgabe geriet zum Rodeo.
Wer mit einer höheren Nummer antreten musste, hatte die Niete im Prinzip schon vor dem Start in der Hand. Die Piste machte an diesem Tag ihrem ungewöhnlichen Namen alle Ehre: «Know You Don’t» (frei übersetzt: Merke Dir, Du kannst es nicht) – das galt an diesem garstigen Tag für die meisten.
Ganz besonders galt der Spruch aber für die Schweizerinnen. Nach dem ersten Durchgang hatten sie sich auf den Rängen 6 (Nef), 7 (Oester) und 10 (Grünenfelder) etabliert.
Das war mannschaftlich bemerkenswert, und auch die Medaillen lagen damit nicht endgültig ausser Reichweite. Sonja Nef befand sich bei Halbzeit 86 Hundertstel hinter dem Bronzeplatz, Marlies Oesters Rückstand auf die Dritte betrug 1,18 Sekunden.
«Immerhin habe ich diesmal den Start zum ersten Lauf nicht verschlafen», hatte Sonja Nef bei Halbzeit noch feststellen dürfen. Bei der Zwischenzeit lag die Appenzellerin nur einen Hundertstel hinter Kostelic.
Doch im unteren Abschnitt büsste sie 1,17 Sekunden auf die Kroatin ein. «Brutal schwierig, ein einziger Kampf», urteilte Sonja Nef, «man sah die Löcher nicht. Und so bin ich im unteren Abschnitt des ersten Laufes nie in den Rhythmus gekommen.»
Im zweiten Durchgang folgte jedoch ein Schweizer Debakel des schlimmsten Ausmasses. Den Anfang machte Corina Grünenfelder, die in Rücklage geriet und nicht mehr ins nächste Tor kam. «Eine solche Chance müsste man eigentlich nutzen», machte die Glarnerin, die als Fünfte zum zweiten Lauf antreten konnte, in Selbstkritik.
Nicht besser erging es Marlies Oester: «Ich hatte noch an eine Medaille geglaubt und dementsprechend riskiert. Aber auf dieser Piste durfte halt gar nichts passieren.»
Den Schlusspunkt setzte Sonja Nef, die es Mitte des zweiten Laufes weg katapultierte. «Mit diesen kurzen Ski braucht es wenig», kommentierte sie ihr Ausscheiden. Ich habe etwas riskiert, denn an Olympischen Spielen gibt es nichts anderes, wenn man eine Medaille will. Die Piste soll aber keine Entschuldigung sein. Die Besten waren auch diesmal vorne.»
Die Allerbeste war erneut Janica Kostelic. Schon im ersten Lauf hatte sie überzeugt, indem sie mit der Nummer 7, der schlechtestmöglichen der Spitzenfahrerinnen, den widerlichen Verhältnissen trotzte und Bestzeit vorlegte.
18 Hundertstel lag sie vor der Französin Laure Péquegnot, noch 7 waren es ganz zuletzt. Damit sicherte sich Janica Kostelic die bereits dritte Medaille an diesen Spielen. Gold hatte sie schon in der Kombination gewonnen, Silber im Super-G.
swissinfo und Werner Eisenring (si)
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